Geschichte

20 Jahre: Die Region Sønderjylland-Schleswig 1997-2017

Peter Hansen
Pattburg/Padborg
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Unterschrift für weitere Jahre grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Foto: Regionskontor

20 Jahre Region Sønderjylland-Schleswig. Peter Hansen, der Leiter des Regionskontors, zeichnet die Geschichte nach.

Das deutsch-dänische Grenzland hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Dazu gehören Grenzverschiebungen, eine Volksabstimmung, die Besatzungszeit und lange Zeiträume mit lediglich sporadischen politischen Kontakten. Während diese politischen Bedingungen den Rahmen vorgaben, hat es aber immer familiäre und freundschaftliche Kontakte über die Grenze hinweg gegeben.

Kontakt gab es immer – aber die Intensität hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Heute überqueren tausende Arbeitnehmer die Grenze, um im jeweils anderen Land zu arbeiten. Über die Grenze wird munter gehandelt. Findet ein Konzert auf der anderen Seite der Grenze statt, strömen die Gäste aus der ganzen Region dorthin.

Bei aller Bescheidenheit kann man sagen, dass die Region Sønderjylland-Schleswig zu dieser Entwicklung maßgeblich beigetragen hat. Seit ihrer Gründung im Jahr 1997 sind hunderte von Projekte ins Leben gerufen, tausende Bürger und Arbeitnehmer unterstützt und unzählige Kooperationen und Netzwerke in Gang gebracht worden.

Die Anfangsphase

Am 16. September 1997 fand die konstituierende Sitzung für die Region Sønderjylland-Schleswig im Amtsgården in Apenrade statt. Sønderjyllands Amtsbürgermeister Kresten Philipsen und Flensburgs Oberbürgermeister Olaf Cord Dielewicz unterzeichneten die Vereinbarung, mit der sich die Stadt Flensburg, der Kreis Schleswig-Flensburg, der Kreis Nordfriesland und Sønderjyllands Amt verpflichtete, „gemeinsame Aktivitäten zu verwirklichen, die die Entwicklung in der Region fördern und gleichzeitig nähere Kontakte zwischen der Bevölkerung, der Wirtschaft und den Verbänden auf beiden Seiten der Grenze herstellen, sowie im übrigen die Zusammenarbeit über die Grenze zu intensivieren.“ (Vereinbarung zur Errichtung der Region Schleswig/Sønderjylland § 2, 1, Ziel und Mittel).

Als man am 16. September 1997 die Vereinbarung unterzeichnete, waren daran hohe Erwartungen geknüpft. Durch die öffentliche Aufmerksamkeit, die die Region von Anfang an bekam, war klar, dass die Arbeit keineswegs nur eine rein administrative Seite hatte, sondern vielmehr auch einen politischen Aspekt und eine Signalfunktion.

Das Regionskontor baut neue Strukturen auf

Am Anfang hatte die Region Sønderjylland-Schleswig ein Regionskontor mit zwei Mitarbeitern.
Die Aufgabe war „Etablierung eines deutsch-dänischen Sekretariats (Jahresbericht 1998, S.1)”.
Zu dieser Aufgabe gehörten der Aufbau und die Betreuung des Regionalrats. Ferner sollte das Marketing verbessert werden und neue Verfahren für gemeinsame deutsch-dänische Begegnungen entwickelt werden. Dazu waren eine Reihe von Fragen zu bearbeiten: Wie sollten Sitzungen stattfinden? Wer darf welche Sprache sprechen? Was sind formelle und informelle Regeln und Verfahren bei der Durchführung politischer Sitzungen? Die internen Papiere spiegeln wider, wieviel Raum derartige Fragen in der Startphase einnahmen. Während im Jahr 2017 getrennte deutsche und dänische Vorbesprechungen nur noch in seltenen Fällen vorkommen, waren diese in der Startphase gängige Praxis.

2001 trat Dänemark dem Schengen-Abkommen bei. Rein praktisch bedeutete dies, dass die Grenzkontrollen abgeschafft wurden und eine enge grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Polizei eingeleitet wurde, so dass u. a. auch an den Autobahnen auf der anderen Seite der Grenze Kontrollen möglich wurden.

In dieser Zeit wurden die ersten Ausschüsse gegründet. So wurden im Jahr 2001 insgesamt sechs Ausschüsse gegründet. Die Ausschüsse deckten ein breites Spektrum an Themen ab: Wirtschaftsentwicklung, Arbeitsmarkt, Berufsausbildungen und weiterführende Ausbildungen, Gesundheit und Soziales, Jugend und Sport, Umwelt und Naturschutz, Kultur, Gleichberechtigung und Sprache, Regionalplanung und Koordinierung, ländliche Räume und Verkehr. Diese Themen spiegeln wider, wie man von politischer Seite anfing, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in einem größeren Zusammenhang zu sehen.

Im Jahr 2003 zog das Regionskontor in die bekannten Räume im FDE Center in Bau. In dem darauffolgenden Jahr öffnete das Infocenter Grenze/Grænse seine Türen. Hierbei handelte es sich um ein dreijähriges Interreg-Projekt, bei dem erstmalig systematische Beratung der Grenzpendler angeboten werden sollte; also für Pendler, die die Grenze zum Arbeiten überqueren, aber weiterhin im Nachbarland wohnen. Dass es einen großen Bedarf für diese Beratung gab, zeigte sich bereits am ersten Tag: vom frühen Morgen an gab es eine Warteschlange. Dieser Erfolg führte dazu, dass das Infocenter nach der Projektphase ein fest integrierter Bestandteil des Regionskontors wurde, das seither als Regionskontor & Infocenter bezeichnet wird.

Auch die Kulturarbeit der Region nahm Fahrt auf. So verabschiedete die Region im Jahr 2004 eine Sprachenresolution. Diese zielte darauf ab, die Kenntnisse der Nachbarsprache beiderseits der Grenze zu fördern.

Die Kampagne führte zu einem Ideenkatalog mit dem dann in den folgenden Jahren weiter gearbeitet wurde. Das Projekt „Prof. Dr. ABC“ war eines der Projekte, das noch im selben Jahr startete. Mit dem „Professor” bekamen die Kinder in den Kindergärten der Mehrheitsbevölkerung die Gelegenheit, die Nachbarsprache auf eine lustige und leicht zugängliche Weise kennenzulernen. Auch die deutsch-dänische Lehrerkonferenz fand in diesen Jahren erstmalig statt. Auch hier war das Regionskontor & Infocenter die treibende Kraft hinter einer kontinuierlichen Begegnung über die Grenze hinweg.
Intern passierten im Jahr 2008 einige Änderungen. Peter Hansen, Berater beim Infocenter, löste Andrea Kunsemüller als Leiter ab. Peter Hansen ist somit seit 2008 bis heute Leiter des Regionskontores. Durch den Wechsel wurde Peter Hansens Stelle als Berater im Infocenter vakant, die mit einer neuen Beraterin besetzt wurde. Auch der Kulturbereich veränderte sich in dieser Zeit enorm. Das Interreg-Projekt „People to People“ wurde abgeschlossen und von einem größeren Interreg-Kulturprojekt abgelöst. Das Projekt Kulturbro-Kulturbrücke startete 2008. Wie schon beim Vorgängerprojekt konnten Akteure aus der gesamten Region Fördermittel für Mikroprojekte in den Bereichen Kultur, Jugendliche und Sport beantragen. Durch dieses Projekt wurden insgesamt 90 Kulturprojekte gefördert. Kulturbrücke-Kulturbro wurde im Jahr 2011 durch das Interreg-Projekt KulturDialog abgelöst.

Peter Hansen Foto: Regionskontor

Das Regionskontor und die Organisation

Bei der Region Sønderjylland-Schleswig ging es niemals ausschließlich um die deutsch-dänische Zusammenarbeit; vielmehr haben die Politiker laufend auch Stellung zu wichtigen internationalen Entwicklungen genommen. Konkret hat man durch die Mitgliedschaft im Zusammenschluss der Grenzregionen AGEG (Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen) Erfahrungen ausgetauscht und konkrete Ideen diskutiert. Sowohl unter der Leitung von Andrea Kunsemüller als auch unter der Leitung von Peter Hansen wurde hier ein Schwerpunkt gesetzt – so war und ist die Region Sønderjylland-Schleswig im Vorstand der AGEG. Auch zur Fehmarnbelt-Region wurde bei einem ersten Besuch im Frühjahr 2016 ein politischer Kontakt aufgenommen. 2012 wurde eine formale Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.
Die Kernaufgabe des Regionskontors & Infocenters besteht darin, das Sekretariat für die politischen Gremien zu sein. Um welche Gremien es sich handelt und welches Aufgabenportfolio diese haben, hat sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert. Das Sekretariat war jedoch immer für die Planung der Sitzungen verantwortlich, also die Einladungen, Tagesordnungen, Protokolle und sämtliche praktische Angelegenheiten im Zusammenhang mit einer Sitzung.

Die Begegnung zweier Kulturen erfordert etwas mehr als normale Sekretariatsarbeit beispielsweise in einer Kommune – die sogenannten ”hard skills” müssen um eine Reihe von ”soft skills” ergänzt werden. Die weichen Kompetenzen lassen sich beschreiben als impliziertes Wissen und Erfahrung, um eine multikulturelle Sitzung über die Bühne zu bringen. Hier hat das Regionskontor & Infocenter sich im Laufe der 20 Jahre sehr verdient gemacht. Rein praktisch geht es dabei zum Beispiel um schriftliche und mündliche Übersetzungen, darum, das Dolmetschen zu den Sitzungen zu organisieren oder sprachliche Probleme überhaupt zu erkennen. Nicht zuletzt geht es um all das, was von Nöten ist, damit eine mehrsprachige und multikulturelle Sitzung erfolgreich durchgeführt werden kann. Die so genannte interkulturelle Kommunikation spielt somit eine wichtige Rolle in der Arbeit.

Zusätzlich zur eigentlichen Sekretariatsfunktion, die über alle Jahre konstant bestanden hat, nimmt das Kontor viele andere Aufgaben wahr. Es werden Kontakte zwischen Bürgern, Behörden, Vereinen und anderen Organisationen hergestellt. Wer im Nachbarland arbeiten möchte, wird beraten und unterstützt. Es wird beim Aufbau von Netzwerken geholfen. Die vornehmste Aufgabe des Kontors besteht darin, Zusammenarbeit überhaupt in Gang zu bringen.

Viele Ideen für neue grenzüberschreitende Projekte wurden zuerst im Regionskontor & Infocenter vorgestellt. Viele Male hat das Regionskontor etwas in Gang gebracht, um es anschließend den Projektpartnern zu übergeben. In anderen Fällen setzte die Region als formaler Netzwerkpartner die Arbeit fort.

Diese Aufgaben können das Regionskontor & Infocenter nicht alleine bewältigen, denn es bedarf Wohlwollen und Zusammenarbeit, um die grenzüberschreitende Kooperation zum Laufen zu bringen. Zum Glück war dieses Wohlwollen in all den Jahren vorhanden: bei den politischen Partnern, bei den Netzwerkspartnern, bei Unternehmen und Institutionen in der Region und weit darüber hinaus.
In Verbindung mit dem Jubiläumsjahr, das im September 2017 beginnt, wird es eine Vielzahl von Aktivitäten geben.

Informationen hierzu werden auf der Homepage der Region zu finden sein: Region Sønderjylland-Schleswig

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