Abschied

Fast 40 Jahre im Dienste des kirchlichen Miteinanders

Fast 40 Jahre im Dienste des kirchlichen Miteinanders

Fast 40 Jahre im Dienste des kirchlichen Miteinanders

Tingleff/Tinglev
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Kathe Feldstedt und Heine Nissen haben sich fast 40 Jahre für die Nordschleswigsche Gemeinde engagiert. Foto: KJT

Kathe Feldstedt und Heine Nissen scheiden nach langjährigem Engagement in der Nordschleswigschen Gemeinde als Kirchenvertreter im Pfarrbezirk Tingleff aus.

Sie war 36,5 Jahre Kirchenvertreterin, er 38 Jahre Kirchenvertreter. Kathe Feldstedt und Heine Nissen aus Tingleff sind Urgesteine der Nordschleswigschen Gemeinde im Pfarrbezrik Tingleff. Sie haben sich dazu entschlossen, sich aus dem Kirchenvorstand zurückzuziehen und andere ans Ruder zu lassen.

Was war der Beweggrund, sich als Kirchenvertreter zur Verfügung zu stellen, und wie kam es dazu? Heine Nissen: „Die Familie meines Vaters war seinerzeit daran beteiligt, die deutsche Gemeinde hier neu aufzubauen. Pastor Schulze kam damals dann zu mir auf das Feld und sprach mich an, ob ich bereit wäre, dem Kirchenvorstand beizutreten. Es waren damals fast ausschließlich Frauen dabei, und Schulze wollte gern auch ein männliches Mitglied dabeihaben. Auf dem Trecker hat er mich dann überredet“, erzählt Heine Nissen mit einem Schmunzeln.

Das war vor rund 38 Jahren, und Heine Nissen (heute 71 Jahre) war da noch relativ jung und gerade frisch verheiratet.
Kathe Feldstedt (86) war da schon eine alteingessene Volksgruppenangehörige und in der Minderheit in und um Tingleff ein großer Aktivposten. Auch sie ließ sich vom damaligen Pastor Schulze in den Kirchenvorstand locken. „Es war ein Posten frei, und er fragte mich. Ich stimmte zu“, so Kathe Feldstedt. Wie Heine hat sie es nie bereut.

„Es hat in all den Jahren einen starken Zusammenhalt und eine gute Kameradschaft gegeben“, beschreibt Kathe Feldstedt das soziale Miteinander im Kirchenvorstand.

„Man war stets auf dem Laufenden und wusste, was in der Gemeinde so passiert. Und man hatte die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen“, umschreibt Heine Nissen die Motivation, sich einzubringen.

Richtige Auswahl

Zehn Pastoren sind in der Zeit der beiden Kirchenvertreter im Amt gewesen, rechnet Kathe Feldstedt vor. „Wir haben Glück mit den Pastoren gehabt, für die wir uns entschieden hatten“, merkt die 86-Jährige an, die oft ihr Auto mit Bekannten voll hat, wenn Gottesdienste stattfinden.

Glaube und Kirche waren in der eigenen Familie präsent, so die beiden scheidenden Kirchenvertreter. Nicht jeder Gottesdienst wurde besucht, als sie selbst Kinder waren. Kirche, Gemeinde und Traditionen haben aber immer eine wichtige Rolle gespielt, wie beide betonen.

Kathe Feldsetdt und Heine Nissen haben als Kirchenvertreter viel miterlebt und viel mitentschieden. Foto: KJT

Kathe Feldstedt musste nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges noch an dänischen Gottesdiensten teilnehmen und sich auch dänisch konfirmieren lassen, weil eine deutsche Gemeinde noch nicht zugelassen war. Als überzeugte Volksgruppenangehörige sei es für sie daher ein Segen gewesen, als es wieder eine deutsche Gemeinde gab. Hier den Zusammenhalt mit christlichem Glauben zu pflegen und die deutsche Identität zu wahren, das sei ihr schon immer sehr wichtig gewesen, so Kathe Feldstedt.

Dass sich die Zeiten geändert haben und deutsche und dänische Gemeinde näher zusammengerückt sind und auch mal gemeinsame Veranstaltungen und Gottesdienste auf die Beine stellen, damit könne sie leben, und das sei vielleicht auch ganz förderlich, so das Urgestein mit einem leichten Zähneknirschen.

Kooperation

Heine Nissen geht noch einen Schritt weiter. Er hält es für sehr gut und zeitgemäß. „Es ist der richtige Weg. Zum einen für das generelle Miteinander in der Ortsgemeinde und zum anderen, um junge Leute aus der Minderheit anzusprechen, die viel mit der dänischen Seite zu tun haben“, so Nissen.

In einer Sache sind sich die beiden langjährigen NG-Vertreter bei aller Kooperation aber einig: „Die deutsche Gemeinde muss eigenständig bleiben.“

Beide sehen die Nordschleswigsche Gemeinde als ganz besonderen Teil der Volksgruppe. Irgendwie ist es wie ein Verband, irgendwie ist es aber auch mehr. „Es nimmt einen besonderen Platz ein“, so die Wahrnehmung von Kathe Feldstedt.

Wie sieht es mit der Zukunft der Nordschleswigschen Gemeinde aus? „Die Jugendarbeit wird sicherlich mehr in den Mittelpunkt rücken müssen“, meint Heine Nissen.

„Das beherzigen Ole und Astrid (Pastorenpaar Cramer, red. Anmerkung) sehr gut“, ergänzt Kathe mit Lob an die Pastoren für einen guten Draht nicht nur zu den älteren, sondern auch zu den jüngeren Gemeindegliedern.
Am 11. August werden die Haudegen Kathe und Heine im Rahmen eines Gottesdienstes ab 10.30 Uhr in der Tingleffer Kirche offiziell verabschiedet. Danach sind sie dann „normale“ Gemeindemitglieder.

„Das wird am Anfang ein merkwürdiges Gefühl sein, aber das legt sich sicherlich schnell“, so Heine Nissen mit einem Anflug von Wehmut. Als Tausendsassa der Volksgruppe in Tingleff wird es auch für Kathe Feldstedt ungewöhnlich sein, vieles im Pfarrbezirk nur noch von der Seitenlinie aus mitzuverfolgen. „Da wird man sich in der Tat erst dran gewöhnen müssen“, so Kathe Feldstedt mit einem leichten Seufzer und ebenfalls durchschimmernder Wehmut.

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Leitartikel

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
„M 612-2020“