Taufe

Ein ganz besonderer Tag

Monika Thomsen
Monika Thomsen Journalistin
Ballum
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Pastor Alpen, llka und Rainer Jankiewicz am Taufbecken Foto: Privat

Die gebürtige Ostberlinerin Ilka Jankiewicz hat sich Anfang Januar in der Kirche zu Hoyer von Pastor Matthias Alpen taufen lassen. Eine Entscheidung, die über Jahre reifte.

Ein ganz besonderes Fest feierte Ilka Jankiewicz unlängst in der Kirche zu Hoyer und anschließend in ihrem Zuhause in Ballum. Die gebürtige Ostberlinerin wollte sich nach rund zwei Jahrzehnten in Nordschleswig in der Nordschleswigschen Gemeinde taufen lassen.
Die Entscheidung wurde nicht spontan von heute auf morgen getroffen, sondern reifte über die Jahre. „Das ist ein langjähriger Prozess gewesen, der sich verstärkt hat“, erläutert Ilka Jankiewicz am Küchentisch in Ballum, während Schäferhundmischling Oscar zum Streicheln vorbeistreift.

Mit dem rund acht Jahre alten Vierbeiner ist die 53-Jährige oft am Wattenmeer unterwegs, wo sie insbesondere vom Licht fasziniert ist. Den Umzug vom Resthof in Nørre Hede bei Lügumkloster ans Wattenmeer vollzogen sie und ihr Mann Rainer im November 2015.

Interesse an der Kirche

Die Kirchenverbundenheit war schon zu DDR-Zeiten bei ihr präsent. „Ich ging damals in eine Klasse mit 36 Schülern, und nur ein Mädchen ging zum Kirchennachmittag. Wir anderen waren bei der Pionierorganisation dabei“, lässt Ilka, die in Friedrichshain in Berlin geboren wurde und später mit ihrer Familie nach Pankow und dann nach Friedrichsfelde zog, die Gedanken zurückschweifen.

„Im Alter von etwa 16 Jahren haben wir darüber nachgedacht, dass nicht alles richtig ist, was sie uns dort erzählten. Wir haben versucht, Orte für gedankliche und verbale Freiheit zu finden“, so Ilka, bei der die „Berliner Schnauze“ charmant durchscheint. Sie berichtet, dass Mitte der 1980er Jahre Kirchen, wo Blues-Messen veranstaltet wurden, Anlaufstelle für die Jugendlichen waren. „Das war ganz toll. Das war in der Hippiezeit mit Shell Parka und US Parka, was alles verpönt war. Wir waren damals sehr oft in der Erlöserkirche und der Gethsemanekirche. Das war für uns ein Zufluchtsort, da irgendetwas im System nicht in Ordnung war. Das habe ich auch als junger Mensch gemerkt“, so Ilka Jankiewicz, die sich stets für Kirchen interessiert hat, deren Architektur für sie immer etwas besonderes gewesen ist. Auch als sie 1984 in Russland war, hatte sie das Augenmerk auf Gotteshäuser gerichtet. Ilka Jankiewicz, seit 2008 Familienberaterin beim Sozialdienst Nordschleswig, kann nach wie vor Russisch lesen. Vor ihrer Zeit als Familienberaterin wirkte sie elf Jahre lang im Club des Kindergartens in Tondern.

„In der Zeit, in der wir in Nordschleswig leben, sind wir z. B. auch durch den Kindergarten viel in der Kirche gewesen. Bei dem Gedanken, diesen Schritt zu tun, ging es für mich auch darum, ein Teil der Gemeinschaft zu werden“, so Ilka. Im Gegensatz zu ihr, ist ihr Mann Rainer als Kleinkind getauft worden, da er Jahrgang 1958 ist und somit vor dem Mauerbau seine Taufe hatte.

Die Tochter Lisa, die 1990 geboren wurde, entschied sich während ihrer Schulzeit in Tondern für die Taufe. Der Weg von Berlin führte für die Industriekauffrau und den Schlosser über verwandtschaftliche Beziehungen in die Gegend um We-sterterp. Erst als Urlaubsziel und seit 1996 zum Wohnen. „Wir erhielten unheimlich viel Hilfe von Freunden und Bekannten, denen wir unendlich dankbar sind“, so der „Täufling“. Die Jankiewicz sind nach wie vor Motorradfreaks und gerne auf dem Feuerstuhl unterwegs.

Fehlende Zugehörigkeit

Bislang fühlte sie sich nicht zugehörig, wenn Pastor Matthias Alpen den Segen sprach. „Ich weiß, da ist etwas zwischen Himmel und Erde“, so Ilka, die von Kindesbeinen an ein Naturmensch gewesen ist. Mit ihrer Kollegin Karin Müller, die sie während der letzten Monate bei der Vorbereitung auf die Taufe begleitet hat, hat sie viele Gespräche über das Thema Licht gehabt. Sehr passend dazu auch ihr Taufspruch: „Ich bin das Licht der Welt“.
Einen nachhaltigen Eindruck hat der Tag hinterlassen, als sie von Pastor Alpen getauft wurde. „Das hat mich beeindruckt. Der ganze Tag war grau, und kurz, bevor wir in die Kirche hineingingen, kam die Sonne hervor“, so Ilka, die sich bewusst für eine Zeremonie im kleinen Kreis entschieden hatte.

Freunde und Angehörige wirkten an der Gestaltung mit. Tochter Lisa hat das Taufwasser eingeschüttet, ihre Schwägerin den Taufspruch vorgelesen, und ihre Freundin, die ebenfalls Ilka heißt, hat die Fürbitte gesprochen.

Nun kann sich Ilka, die während der Wende im Alter von 23 Jahren den Führerschein machte, für den sie sich als 17-Jährige angemeldet hatte, zugehörig fühlen, wenn der Segen ausgesprochen wird.

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