Rømø Tours

Eine Inselrundfahrt der besonderen Art

Eine Inselrundfahrt der besonderen Art

Eine Inselrundfahrt der besonderen Art

Dominik Dose
Dominik Dose Online-Redaktion
Röm/Rømø
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Claus und Jette freuen sich beim ersten Stopp in Havneby auf neue Gäste. Foto: dodo

Die Insel Röm ist seit diesem Jahr um eine Attraktion reicher: Mit einem Traktor-Bus können Urlauber die Insel nun per Hop-On-, Hop-Off-Prinzip erkunden.

Es ist kurz nach 10 Uhr. Am Fähranleger in Havneby auf Röm tummeln sich bereits die ersten Menschen. In wenigen Minuten kommt die Sylt-Fähre an. Jette beeilt sich, den großen braunen, mit Sitzen ausgestatteten überdachten Anhänger vom Sand zu befreien, den die Gäste am Abend zuvor vom Strand in Lakolk mit hereingeschleppt haben. Claus wischt derweil von außen mit einem feuchten Lappen noch etwas nach.

Jette Larsen und Claus Cornelsen sind die Gründer der neuen Attraktion auf der Insel: den Rømø Tours. Dahinter verbirgt sich ein Traktor-Bus, mit dem Urlauber seit April nach dem Hop-On-, Hop-Off-Prinzip die Insel erkunden können.

Idee kam im Urlaub

Die Idee kam den beiden im Urlaub. „Egal wo wir schon Ferien gemacht haben, Dubai, Stockholm oder London, in allen Städten werden Stadtrundfahrten mit Bussen angeboten, wo man an verschiedenen Haltestellen ein- und aussteigen kann, wann man will. Wir waren beide der Meinung, dass so etwas auch super zu unserer Lieblingsinsel Röm passen würde – und haben uns gefragt, warum es das noch nicht gibt“, erzählt Jette.

Der Traktor-Bus am Fährterminal in Havneby: Von hier geht es los. Foto: dodo

Mit seiner Idee ging das Paar zur damaligen Tourismuschefin der Insel, Bodil Glistrup Thomsen. „Sie war sofort begeistert und hat gesagt, dass wir das auf jeden Fall machen sollen“, sagt Claus Cornelsen.

Auch bei den Geschäften der Insel fragten die beiden nach, was diese von der Idee halten. 28 von 30 Läden fanden sie toll und sicherten ihre Unterstützung zu.

Also standen Claus und Jette Anfang des Jahres vor der Frage, ob sie es wirklich wagen sollten – und kamen zu dem Entschluss: Ja, wir sollten!
Da ein Bus in der Anschaffung sehr teuer und auch für die Untergrundbedingungen auf einer Insel wie Röm nicht ideal ist, kam ihnen der Einfall mit dem Traktor-Bus. „Einen Traktor besaß ich schon vorher, und mein Nachbar ist Wagenmacher. Ihm habe ich gesagt, was ich brauche, und er hat mir das genau so gemacht. Außerdem ist es etwas Besonderes und hat seinen eigenen Flair“, erzählt Claus.

Neun Haltestellen

Insgesamt neun Haltestellen sind auf der Inselrundfahrt, die von April bis Oktober läuft, eingerichtet. Los geht es am Anleger der Sylt-Fähre. Weiter nach Havneby, wo es viele Einkaufsmöglichkeiten für die Touristen gibt. Dann zum „Enjoy Ressorts“, dem großen Wellnesscenter der Insel mitsamt Golfplatz. Vierter Stopp ist „Den Gamle Købmansgård“ und die Bäckerei Rømø, der einzige Handwerksbäcker der Insel. Danach geht es weiter ins Tønningsgård Naturcenter und dem Antik-Café Hattesgaard. An-schließendes Ziel ist das Rømø Tønder Touristenzentrum angesteuert, ehe Lakolk angesteuert wird, wo die Einkaufsmeile, der Strand und das Ferienhausgebiet die letzten drei Haltestellen sind. An allen Stopps kommt der Traktorbus zwischen 10.30 Uhr und 18.30 Uhr alle zwei Stunden vorbei. Gäste mit einem Tagesticket können dann ein- und aussteigen, wann und wo sie wollen.

Letzte Vorbereitungen bevor es losgeht. Foto: dodo

Die Resonanz der bisherigen Mitfahrer ist durchweg positiv. „Es ist so schön, mitanzusehen, wie skeptisch die Leute am Anfang sind, wenn sie den Traktor und den Anhänger sehen. Viele setzen sich oft zunächst still in eine der hinteren Reihen und rücken dann im Laufe der Tour immer weiter nach vorne und bedanken sich am Ende für die schöne Rundfahrt“, sagt Jette.

Während Claus sich vorn im Traktor am wohlsten fühlt, ist Jette während der Fahrt mit dem Mikrofon in der Hand der Tour-Guide und erzählt den Gästen auf Dänisch, Deutsch und Englisch etwas über die Insel und was sie an der nächsten Haltestelle entdecken können. „Wenn Claus mal krank werden sollte, kann ich den Traktor aber auch fahren“, sagt Jette mit einem Grinsen.

Traum wurde zum Beruf

Claus stammt gebürtig aus dem nicht weit entfernten Bredebro, Jette aus Kolding. Mit dem Start des Inselrundfahrt-Projektes wurden ihre Zukunftspläne quasi wild durcheinander geworfen. „Unser Traum war es immer, im Alter auf der Insel zu leben. Wir haben uns vor Kurzem einen kleinen Hof gekauft, den wollten wir bis zur Pension eigentlich nur als Feriendomizil nutzen. Dann kam die Idee mit dem Traktor-Bus – und wir haben uns gefragt: Warum sollen wir warten? Also haben wir es einfach gemacht – und wohnen und arbeiten jetzt auf der Insel“, sagt Jette.

Jette gibt den Gästen während der Fahrt Informationen zur Insel und den jeweiligen Haltestellen. Foto: dodo

Während sie ihren alten Job als Produktmanagerin für Krankenhausausstattung weiter ausübt und quasi nur nebenberuflich als Tour-Guide bei „Rømø-Tours“ tätig ist, hat Claus seine Anstellung als Pädagoge ganz an den Nagel gehängt, um sich voll auf das Projekt zu konzentrieren.

Unterstützt werden die beiden nicht nur von den Geschäften der Insel, die bei ihren Gästen Werbung für die Inselrundfahrt machen, sondern vor allem auch von den Betreibern der Sylt-Fähre, mit denen die beiden eine enge Partnerschaft haben. „Es ist wirklich toll, wie sie uns unterstützen. Wir dürfen den Parkplatz am Anleger nutzen, dafür sind wir alle zwei Stunden, wenn die Fähre anlegt, hier, um Gästen, die von der Fähre kommen, eine direkte Weiterfahrt zu ermöglichen. Es ist eine großartige Zusammenarbeit“, sagt Claus.

Zu den Highlights gehören die Sonnenuntergangstouren, die die beiden bis Woche 33 jeweils Dienstag- und Donnerstagabend anbieten. Dann geht es mit dem Traktor-Bus am Strand von Lakolk entlang, während die Sonne am Horizont langsam untergeht. „Wir machen dann auch einen Stopp, damit die Gäste die letzten Sonnenstrahlen des Tages zum Baden nutzen können. Das ist wirklich ein tolles Erlebnis und kommt gut an“, erzählt Jette und fegt den letzten Strandsand aus dem Wagen. Keine Sekunde zu spät. Die Fähre legt gerade an – und die ersten Urlauber des Tages strömen auf die Insel.

Die Sonnenuntergangstour gehört zu den Highlights. Foto: dodo
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Leitartikel

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
„M 612-2020“