Thema der Woche: Musik in Nordschleswig

Wo kommen die Dinesens, Falchs und Grahams her?

Wo kommen die Dinesens, Falchs und Grahams her?

Wo kommen die Dinesens, Falchs und Grahams her?

Tondern/Tønder
Zuletzt aktualisiert um:
Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Foto: Tønder Kulturskole

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Seit 2009 fördert die Peter-Schmidt-Stiftung junge Musiktalente aus der Kommune Tondern. In diesem Jahr machte Kasper Buch aus Mögeltondern das Rennen. Das Tønder Festival will künftig auch der lokalen Musikszene unter die Arme greifen.

Viele dänische und internationale Musikerinnen und Musiker haben durch Auftritte beim Tønder Festival ihren Durchbruch geschafft. Zu den beliebtesten Künstlern aus eigenen Reihen zählt Jacob Dinesen aus Dyrhuus bei Tondern, der quasi auf dem Festivalplatz groß geworden und schon mehrfach bei offiziellen Festivalkonzerten in Tondern aufgetreten ist.

Jacob Dinesen bei einem seiner Auftritte beim Tønder Festival Foto: Elise Rahbek

Jacob Dinesen ist einer der jungen Künstler, den die Tonderner Musikstiftung Peter-Schmidt-Legat unterstützt hat. Der Preis wurde ihm 2012 verliehen, als er so grade mal 17 Jahre alt war.

An der Karriere schmieden

Mit dem Preisgeld will die Stiftung dem Nachwuchs mit Wurzeln in der Kommune Tondern beim Aufbau seiner Karriere finanziell unter die Arme greifen. Benannt ist die Stiftung nach Peter Schmidt aus Tondern. Der Zahnarztsohn war Musiker, der 2006 nach einem exzessiven Leben verstarb. Er war unter anderem alkoholabhängig.

In ihrem Testament hatten Schmidts Eltern verfügt, dass eine Million Kronen ihres Vermögens der Musikszene in Tondern zugutekommen sollte. Schmidt war mit Sänger Michael Falch befreundet, als dieser in Tondern wohnte. Falch, der seit ihrer Gründung auch fünf Jahre Vorsitzender der Stiftung war, bezeichnete ihn als gottbegnadeten Keyboardspieler.

Neun Bewerbungen

Das Legat wird seit 2009 verliehen. Neun Bewerbungen lagen in diesem Jahr vor. Jeder Finalist musste in diesem Jahr zwei eigene Kompositionen live vor dem Publikum und dem Stiftungsvorstand in der Musikkneipe Hagges Musik Pub vortragen. Gewicht legte der Vorstand auch auf die Performance. Im Corona-Jahr 2020 wurde auf die Preisverleihung verzichtet, da keine qualifizierten Bewerbungen vorlagen.

Der Vorstand der Peter-Schmidt-Stiftung

  • Henrik Thaysen Dam (Leiter der Tønder Kulturskole)
  • Rikke Okkels (Vorstandsmitglied von Tønder Musikskole)
  • Rene Andersen (Vorsitzender des Kultur- und Freizeitausschusses)
  • Bjørn Egeskjold (Musiker und Lehrer an der dänischen Schule in Leck)
  • Maria Theessink (musikalische Leiterin des Tønder Festivals)

Kasper Buch im Tonstudio in Mögeltondern Foto: Jane Rahbek Ohlsen

In diesem Jahr ging der mit 20.000 Kronen dotierte Preis an Kasper Buch aus Mögeltondern (Møgeltønder), der ganz gezielt an seiner Karriere als Berufsmusiker schmiedet. Der Altenpfleger, der mit Band und solo durchs ganze Land tourt, lässt keinen Zweifel, dass das sein erklärtes Ziel ist.

Den zweiten Platz und 10.000 Kronen holte der Tonderaner Mads Langelund, der sich als Musiker und Schauspieler auch schon einen Namen gemacht hat.

LAS-Schüler auf dem 3. Platz

Ein Eigengewächs ist auch der frühere Schüler der Ludwig-Andresen-Schule, Jesper Andresen (8.000 Kronen), der den dritten Platz belegte. Der 23-Jährige bewies seine Lust und sein Können, auf der Bühne zu stehen, bereits in seiner Schulzeit.

Die Finalisten: Kasper Buch (l.), Mads Langelund (Mitte) und Jesper Andresen. Foto: Hanne Bønning Petersen

Stiftungsvorsitzender ist Henrik Thaysen Dam, Leiter der Tønder Kulturskole, unterstreicht, dass an „seiner“ Schule keine gezielte Talentförderung betrieben wird. „Ich würde eher sagen, dass alle Schülerinnen und Schüler, eine gute Zeit bei uns haben sollen.

Naturtalente tauchen von ganz allein auf

Doch auch um die Talente muss man sich natürlich kümmern. Was zählt ist aber ihr eigener Willen, weiterzukommen. Die Naturtalente tauchen von ganz allein auf. Ohne Willen kommt auch das noch so große Talent nicht weiter", berichtet Thaysen Dam.

Henrik Thaysen Dam ist seit vielen Jahren Chef der Tonderner Kulturschule. Foto: Brigitta Lassen

Dennoch kann man die Kulturschule auch als eine Art Talentschmiede bezeichnen. Denn als Schüler waren dort unter anderem die beiden diesjährigen Finalisten Jesper Andresen und Mads Langelund. Auch Joachim Okkels und Michael Hornhaver Mortensen (als Duo Mallemuk), die aus Bredebro und Tondern kommen, sind ehemalige Schüler der Kulturschule und gewannen 2019 den Peter-Schmidt-Preis.

Musikunterricht für die Jüngsten beim Babybrunch Foto: Tønder Kulturskole

Die Kulturschule fängt schon früh an, Kinder für die Musik zu interessieren. „Unsere Lehrkräfte gehen zum Beispiel regelmäßig in die dritten Klassen der Schulen in der gesamten Kommune, wir gehen in die Tagespflege, in die Kindergärten, Schulen und sogar mit Eltern von Säuglingen wird etwas gemacht", erzählt Thaysen Dam stolz.

Als äußerst bedauerlich bezeichnet er die Entwicklung, dass das Unterrichtsfach Musik immer als Erstes an Schulen und Gymnasien gestrichen wird, wenn mehr Mathematik und Sprachunterricht gefordert wird. „So hat das Gymnasium in Tondern heute nicht einmal eine Schulband“, berichtet er.

Schulband für die ganze Kommune

Generell gebe es in der Kommune zurzeit nur wenige Bands. Doch ganz ohne Schulband geht es dann doch nicht. Ein verhältnismäßig neues Projekt, an dem die Kulturschule mitarbeitet, ist die landesweite Initiative Schulmeisterband.

Die Idee wurde 2020 angeschoben, ruhte aber aufgrund von Corona im vergangenen Jahr. Doch es gibt schon die Tønder Kommunes Skoleorkester mit Drittklässlern aus der ganzen Kommune. Vor zwei Wochen trat die Band bei der Eröffnung der Kulturwoche auf. Bald geht es nach Odense, wo sie mit dem Sinfonieorchester auftreten wird.

Was bringt einem jungen Menschen die Musik und die Kultur?

„Jeder Mensch hat das Recht, sich auszudrücken, auch musikalisch oder mit der bildenden Kunst. Ich glaube, die Kinder und Jugendlichen werden unter anderem selbstsicherer, toleranter, offener. Die Kinder der Kommune können nichts dafür, dass sie zum Beispiel nicht in Kolding geboren sind. Sie haben aber das Recht, genauso viel zu lernen wie die anderen. Die Musik ist eine universelle Sprache, die keine Grenzen kennt“, erklärt der Leiter der Kulturschule, die Filialen in Scherrebek (Skærbæk), Toftlund, Hoyer (Højer), Bredebro und Lügumkloster (Løgumkloster) hat.

Die Kunststätte stellt Schülerinnen und Schülern auch Musikinstrumente zur Verfügung und wird auch Übungsräume anbieten. „Wir besitzen ja fast alle Instrumente. Wir müssen aber passen, wenn jemand beispielsweise Fagott spielen will. Diesen Wunsch hat es bislang aber nicht gegeben“, lacht er.

Auch wer Harfe spielen möchte, kann unterrichtet werden. Foto: Tønder Kulturskole

Grenzüberschreitende Musik

Die Tonderner Kulturschule arbeitet seit etwa zehn Jahren grenzüberschreitend mit Kolleginnen und Kollegen aus den Kreisen Schleswig-Flensburg, der Stadt Flensburg und dem Kreis Nordfriesland zusammen, beispielsweise wenn die deutsch-dänischen Musiktage in Zusammenarbeit mit den drei anderen nordschleswigschen Kommunen ausgetragen werden.

Die Zusammenarbeit mit dem Festival zugunsten der lokalen Musikszene hat aber noch Potenzial.

Henrik Thaysen Dam, Leiter der Kulturschule

„Ich stelle mir Talentförderung so vor, dass ein Talent von uns mit einer guten Band aus Deutschland spielen kann oder umgekehrt“, erklärt Henrik Thaysen Dam.

Ein Beispiel dafür sei das Folk-Baltica-Ensemble unter Leitung des Folk-Musikers und Violinisten Harald Haugaard. Das junge Orchester, in dem auch mehrere ehemalige Schülerinnen und Schüler der Kulturschule mit Jugendliche von nördlich und südlich der Grenze gespielt haben, tritt regelmäßig beim Tønder Festival auf. „Die Zusammenarbeit mit dem Festival zugunsten der lokalen Musikszene hat aber noch Potenzial", meint der Leiter der Kulturschule.

Festival ist mit dabei

Dieses Potenzial sieht auch die musikalische Festivlleiteirn, Maria Theessink.

„Wir arbeiten eigentlich schon seit längerer Zeit an der Idee, mehr Musik an die Schulen in der Kommune Tondern zu bringen. 2020 wurden wir wegen Corona ausgebremst. Alles liegt aber noch in seinen Anfängen. Aber wir haben große Pläne. Wir glauben, dass Auftritte von Festivalprofis den Kindern die Augen für die Musik öffnen können. So sind Jacob Dinesen und auch Hudson Taylor in den Schulen in Lügumkloster beziehungsweise Tondern aufgetreten“, erzählt die Musikchefin des Festivals, von dem sich auch der mittlerweile international bekannte Sänger Lukas Graham unter anderem inspirieren ließ.

Das Schülerkonzert des Festivals machte gute Laune, zeigt dieses Bild beim Auftritt des Folk-Baltica-Ensembles. Foto: Elise Rahbek

Ein weiterer Trumpf auch im Eigeninteresse des Festivals ist das Schülerkonzert, das jedes Jahr während der Festivaltage ausgerichtet wird. Mehrere Tausend Jugendliche aus Nordschleswig und Südschleswig nehmen daran teil.

Profis unterrichten in Musik

„Auch damit hoffen wir, nicht nur das Interesse für das Festival zu wecken, sondern auch die Musik. Wir glauben, dass Auftritte von Festivalprofis den Kindern die Augen für die Musik öffnen können. Wir planen auch, professionelle Künstlerinnen und Künstler zum Musikunterricht an die Schulen zu schicken. Wir glauben, dass wir mit diesen Initiativen die lokale Musikszene fördern können", so Theessinks Einschätzung. Denn die Bedeutung der Musik, Konzerte und das soziale Beisammensein sei gerade in der Corona-Zeit besonders deutlich geworden.

Wer weiß, ob in einigen Jahren weitere Naturtalente in der Kommune Tondern auftauchen.

Mehr lesen