ifw-Studie

Wirtschaft: SH sollte von Süddänemark lernen

Wirtschaft: SH sollte von Süddänemark lernen

Wirtschaft: SH sollte von Süddänemark lernen

Kiel/Sonderburg
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Innovative Unternehmen müssen nicht in Großstädten beheimatet sein, das zeigt das Beispiel Linak auf der Insel Alsen. Foto: Karin Riggelsen

Eine Studie des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel kommt zu dem Schluss, dass die Gefahr besteht, dass Schleswig-Holstein wirtschaftlich den Anschluss verliert. Lernen könnte das Bundesland vom Nachbarn im Norden.

Das renommierte Kieler Institut für Weltwirtschaft, ifw, hat eine Studie herausgegeben, in der es davor warnt, dass Schleswig-Holstein wirtschaftlich den Anschluss verliert. Das Land ist dem ifw zufolge wachstumsschwach – anders als etwa Hamburg oder Süddänemark.

Schleswig-Holstein zu sehr von Tourismus abhängig

Wie die Zeitung „Flensborg Avis“ berichtet, ist das Bundesland zu sehr von Tourismus und Einzelhandel abhängig. Während bundesweit der Anteil des verarbeitenden Gewerbes bei 21,6 Prozent der Bruttowertschöpfung liegt, beträgt er in Schleswig-Holstein laut Studie nur 14,6 Prozent.

Deren Autoren blicken beim Vergleich vor allem auf die Region Süddänemark, wo die Wirtschaftskraft trotz der Randlage im Königreich seit Jahrzehnten höher ist. „Der Kontrast könnte an der deutsch-dänischen Grenze auffälliger kaum sein“, so Klaus Schrader, Ko-Autor der Studie.

Zwar seien im Vergleich zum Rest Dänemarks die Produktionskosten in Süddänemark niedriger, doch reiche dies nicht als Erklärungsgrund für die Unterschiede aus. Die Investitionsbedingungen seien in Dänemark besser als in Deutschland, so die Autoren.

Gerhard Bertelsen, SP-Politiker in der Kommune Sonderburg (Sønderborg), verfügt über langjährige Erfahrungen in der Wirtschaft und hat zuletzt als Vizepräsident von Danfoss Deutschland die Geschicke des Unternehmens mit gelenkt. Er stellt fest: In jeder nordschleswigschen Kommune gibt es große Unternehmen. Dies führe unter anderem dazu, dass Arbeitnehmer sich selbstständig machen, um ihr eigener Chef zu sein und junge Leute nach dem Studium nicht abwandern. Ein Punkt der zu einer florierenden Wirtschaft führen kann.

Sonderburg will in die Top-Ten

Bertelsen hält die deutsch-dänische Zusammenarbeit für gut. Was die Kommunen südlich der Grenze für ihre Wirtschaft tun, kann er nicht sagen, aber er weiß, was die Kommune Sonderburg tut: „Wir wollen in den Rankings der Branchenorganisationen unter die Top-Ten“, so Bertelsen. Das erreiche man, indem man die Wirtschaftsfreundlichkeit erhöhe – und dies mit System. Gerhard Bertelsen zählt einige Beispiele auf: Steuern vereinfachen und wegfallen lassen, wenn sie nicht nötig sind; verbindliche Vorgaben in den Behörden, bis wann beispielsweise eine Anfrage beantwortet sein muss, sowie eine drastische Senkung der Bearbeitungszeiten für Baugenehmigungen

Stelle jemand einen Bauantrag, kümmere sich ein Konsulent um die Sache, der den Antrag intern weiterreiche, aber immer verantwortlich und immer der Ansprechpartner sei, so Bertelsen und ergänzt: „Bislang haben wir in die CO2-Neutralität investiert, jetzt haben wir uns gefragt, ob wir nicht damit Geld verdienen sollten. Auch das schafft Arbeitsplätze.“

Minister schaut auf Dänemark

Bernd Buchholz, Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, teilte der Zeitung „Flensborg Avis“ mit, es sei deutlich geworden, dass es in Dänemark für Unternehmen einfacher sei, sich anzusiedeln. An diesem Punkt müsse man beginnen.

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