Chefredakteur hat reingehört

Die besten Tipps zum Tønder Festival 2017

Die besten Tipps zum Tønder Festival 2017

Die besten Tipps zum Tønder Festival 2017

Tondern/Tønder
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Stimmmmmuuuuuung: The Red Hot Chili Pipers spielen zum ersten Mal ihren Dudelsack-Rock in Tondern. Foto: Tønder Festival

Am Donnerstag beginnt das Tønder Festival. Nordschleswiger-Chefredakteur Gwyn Nissen schreibt seit über 30 Jahren über das Festival und Folkmusik. Er hat ins kommende Festivalprogramm reingehört und verspricht so einige Überraschungen.

Karten noch zu haben

Tondern/Tønder Das Festival in Tondern ist selten ausverkauft (verstehe es, wer kann). Das Gute daran: Auch Kurzentschlossene können sich ein Ticket sichern.

Das Vier-Tages-Ticket mit Einlass zu allen Konzerten kostet an der Kasse 1.490 Kronen. Studenten zahlen 1.290 Kronen, Jugendliche von 12-17 Jahren 800 Kronen. Kinder sind in Begleitung von Erwachsenen kostenlos. Es gibt Ein-Tages Tickets für alle Tage – wobei Sonnabend plötzlich ausverkauft sein kann. Donnerstag und Sonntag kosten die Karten 600 Kronen – Freitag und Sonnabend 800 Kronen.

Karten gibt es entweder an den beiden Festivaleingängen oder auf tf.dk. Auf der Webseite oder der Festival-App kann man sich das Programm ansehen, mehr über die Künstler erfahren und auch kurz in die Musik reinhören.

Das Tønder Festival steht vor der Tür und somit neue, musikalische Erlebnisse. Der dänische Radiojournalist Alex Nyborg Madsen traf es auf den Punkt, als er vor einigen Jahren im Nordschleswiger-Interview feststellte: „Es gibt in Dänemark nur zwei Festivals, bei denen man wirklich neue Musik erleben kann: Roskilde und Tondern. Alle anderen spielen Mainstreammusik, die man täglich im Radio hören kann.“

Spätes Highlight

Einige große Namen in Tondern wird man auch im Radio gehört haben, was nicht heißt, dass es sich nicht lohnt, sie live zu erleben:
Lokalmatador Jacob Dinesen spielt Freitag beim Schülerkonzert und kurz nach Mitternacht in der Nacht auf Sonntag. Das scheint eine strategische Planung des Festivals zu sein, denn dadurch werden Tausende von Besuchern noch zu später Stunde auf dem Festivalplatz sein. Dennoch: Ein Highlight. Ob The Savage Rose noch die Magie der 70er Jahre hat? Ich muss Donnerstagabend reinhören – war seinerzeit riesengroßer Fan von dem Balletmusical Dødens Triumf.

Magisch wird es auf alle Fälle, wenn Jonah Blacksmith am Abschlussabend Sonntag ein Konzert gibt. Das Kino-Konzert der Jungs aus Thy war 2016 eines meines persönlichen Festival-Highlights überhaupt … mir kommen heute fast noch die Glückstränen. Wer die bodenständigen Jungs in ihren karierten Hemden noch nicht gesehen hat: Unbedingt bis Sonntagabend ausharren.
Ich könnte auch andere sichere Karten ausspielen wie Loudon Wainwright III. oder Lucinda Williams.

Es wird laut

Sie waren in Dänemark eher selten im Radio zu hören, dafür treten sie aber überall auf der Welt in TV-Shows auf, weil ihre Musik so spektakulär ist: The Red Hot Chili Pipers (nein, nicht Peppers). Die Dudelsack-Rocker spielen Rockhits auf ihren Highlandinstrumenten, und dazu gibt es heftiges Schlagzeug und laute Gitarrenklänge. Für einen Dudelsack-Liebhaber wie mich am Sonnabendabend ein Muss.

The Savage Rose Foto: Tønder Festival

Ein Mann mit Gitarre

Davon gibt es auf dem Festival so einige: Entweder die dänische Altherren-Liga mit Nils Hausgaard oder Allan Olsen (hier geht man nie verkehrt) oder eben Männer mit internationaler Klasse: Ich habe mir den Briten Foy Vance und Grant-Lee Phillips ausgesucht. Nicht nur wegen der Musik, sondern auch weil das 2017 der Stimmungstrend zu sein scheint: Melodiöser Folk mit der Stimme im Zentrum.

Ich hätte aber auch Anderson East oder den Schweden Daniel Norgren wählen können.

Die Traditionellen

Natürlich gibt es auch in diesem Jahr – wie immer – Geige, Bodhran, Flöte und Co. Die klassische irische und schottische Folkmusik liefern unter anderem Beoga (die auf Ed Sheerans Megahit „Galway Girl“ zu hören sind) oder Imar mit Musikern aus den Bands Talisk, Rura und Manran. Mit weiteren Bands wie Dallahan, Ulaid, Realta und Altan ist Festivalstimmung „klassik“ garantiert.

Die jungen Wilden

… das sind unter anderem neue dänische Namen wie Kentaur oder Homesick Hank. Die Folkszene in Dänemark war noch nie besser besetzt als in diesen Jahren. Das Beste Daran: dem jungen Publikum wird diese Musik nahegebracht, und damit gibt es auch einen Generationenwechsel im Tonderner Publikum.

Yola Carter Foto: John Morgan

Experimentierfreudig

Sie brauchen mal was ganz anderes, Schräges: Dann nichts wie hin zur estischen Electro-Folk-Band trad.attack oder hören sich bei Romengo aus Ungarn Weltklasse-Roma-Musik an oder tanzen mit King James & The Special Men den Boogie.
Oder sie gehen einfach in irgendeine Spielstätte, hören sich irgendeinen Künstler an und lassen sich einfach überraschen. Denn für Überraschungen ist das Tønder Festival immer gut.

Pssst – nicht weitersagen

Meine Geheimtipps: Drei neue Namen müssen sie sich auf jeden Fall notieren: Yola Carter, Darlingside und Lion Bear Fox.

Yola Carter hat eine helle, zarte Stimme, aber wenn sie loslegt, ist ihre Stimme einfach gewaltig. Gänsehautfeeling ist garantiert bei dieser jungen Sängerin, die unter anderem am Sonntagvormittag auftreten und für eine magische Stimmung sorgen wird.
Die Harmonien von Darlingside sind einfach einmalig, und die vier Jungs an einem Mikrofon hören sich ein wenig wie die derzeit beliebteste dänische Folkband Jonah Blacksmith an.

Toll wäre es, wenn beim Tønder Festival Mumford & Sons spielen würden, aber ohne die Gage der Band zu kennen, glaube ich, dass sie den Haushalt des Festivals sprengen würden. Dafür spielt aber Lion Bear Fox, und das hört sich genauso an wie Mumford und Co. Also unbedingt sehen – sie spielen zwei Konzerte in kleineren Spielstätten, stehen am Sonntag dann auf der ganz großen OpenAirBühne.

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