Landwirtschaft

Junglandwirt des Jahres macht Mut zur Selbstständigkeit: „Traut euch!“

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Bülderup-Bau/Bylderup-Bov
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Jan David in seiner Kälberaufzuchtstation – in Zukunft will er mithilfe von Genproben gezielt Nachwuchs züchten, um seinen Kuh-Bestand zu optimieren. Foto: Sara Wasmund

Der 34-jährige Jan David ist amtierender Junglandwirt des Jahres. Aus einem Konkurs-Betrieb hat er einen gut wirtschaftenden Hof mit Entwicklungspotenzial gemacht. Jetzt möchte er auch anderen jungen Landwirten Mut machen, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen.

Junglandwirt des Jahres

Der Titel Junglandwirt des Jahres wird jährlich von der Zeitung LandbrugsAvisen vergeben, in Zusammenarbeit mit dem Branchenverband Landbrug og Fodevarer, LandboUngdom und Gjensidige Forsikring.

Vor drei Jahren hat Jan David einen Milchviehbetrieb bei Bülderup-Bau übernommen. Wie läuft es auf dem Hof am Åbølvej, der 2016 in Konkurs ging und unter David neu durchstartete? Der Nordschleswiger hat den 34-Jährigen an seinem Arbeitsplatz besucht.

Junglandwirt des Jahres wird man nicht mal eben so. Jan David muss also einiges richtig gemacht haben, seitdem er den Milchviehbetrieb übernommen hat. Die Auszeichnung nahm er im November in Herning – sein Alltag aber spielt sich am Åbølvej ab, rund sechs Kilometer südlich von Bülderup-Bau.

Es ist ein graukalter Mittag an diesem Dienstag im Frühjahr 2019. Das erste Melken liegt hinter den 340 Kühen, eine neue Lieferung für Arla ist gezapft. Jetzt liegen sie kauend auf ihren gekalkten Gummimatten oder stecken ihre feuchten Nasen in das Futter im Gang. Die Mitarbeiter sind nach Hause gefahren, Jan David macht weiter. Zu tun gibt es viel. Eine alte Lagerhalle wird gerade zum Stall für trächtige und kalbende Kühe ausgebaut, fast täglich stehen frisch geborene Kälbchen im Stroh. Jan David treibt die Umstrukturierung seines Hofes an allen Ecken und Enden voran.

Nach dem ersten Melken des Tages ist Futter-Zeit für die Kühe. Foto: Sara Wasmund

Wie funktioniert das – einen Hof rentabel zu bewirtschaften, den ein anderer drei Jahre vorher wegen Zahlungsunfähigkeit verkaufen musste? „Die Rahmen waren da, und die Rahmen waren gut. Ich habe es von Anfang an als Eigentum mit Entwicklungspotenzial betrachtet“, sagt der 34-Jährige, während er durch den einen von zwei Kuhställen geht.
Langsam und gesund wachsen – das ist seine Devise. „Als ich den Betrieb übernommen habe, gab es 280 Kühe, jetzt sind es 340. Die Rahmen sind auf 460 angelegt, der Betrieb wird von Jahr zu Jahr ein Stück größer.“

Schnelle Trennung von Mutter und Kalb


Während sich der Kuhfladen-Schieber-Roboter langsam an den Kühen vorbei bewegt und die ein oder andere Schwanzquaste beiseiteräumt und die Hinterlassenschaften der Kühe im Spaltenboden verschwinden lässt, nimmt Jan David seine „Herde“ in Augenschein. Auf einem Notizblock notiert er eine Kuh, die eine Ohrenmarke verloren hat.

Wenige Schritte weiter steht er vor der Abkalbbox. „Unser jetziger Flaschenhals, daher der Umbau der Halle“, erklärt David. Der neue „Wohlfühlstall“ soll den tragenden Kühen Ruhe und Platz gönnen. Heute steht ein Kalb im Stroh neben seiner Mutter.

Wie lange bleiben die beiden zusammen? „Nicht lange, wir trennen sie relativ schnell. Bleibt das Kalb zu lange bei seiner Mutter und den anderen Kühen, ist die Gefahr groß, dass es sich Bakterien einfängt.“ Ja, er kennt die Vorwürfe von Tierschutzorganisationen, die das frühe Trennen von Kälbchen und Kuh zum Vorwurf machen. „Unseren Kälbchen geht es gut“, sagt er, und führt den Besuch hinüber zur Kinderstube des Hofes.

„Unseren Kälbchen geht es gut“, versichert Jan David. Foto: Sara Wasmund

Denn bis ein Kälbchen Geld abwirft, sprich Kälbchen und Milch produziert, muss der Landwirt knapp drei Jahre lang investieren. „Erst ab dem dritten Lebensjahr bringen sie Geld ein. Die ersten drei Jahre sind also reine Investition. Daher will ich besonders langlebige Kühe züchten. Durch den DNA-Test können viele Eigenschaften eines Kalbes und deren Potenzial herausgefunden werden. So kann man die Zucht optimieren“, erklärt David, der am liebsten mit Holsteinern arbeitet. Derzeit besteht sein Bestand aus einer bunten Mischung, wie er sagt.


Neben dem Kälberstall steht der Futtermischwagen. Während David das Raufutter wie Silage und Mais auf seinen Feldern selbst produziert, kauft er Kraftfutter hinzu. Im Futterwagen wird die Mischung für die Kühe angerichtet. Per App bestimmt der automatische Futterserver in Aarhus, wie viel von welchen Stoffen benötigt wird. Soja, Raps, Mineralien, Hefe, Mais – der Futterwagen liefert auf die Anzahl der Kühe berechnet das passende Rezept. Der Wagen mischt an, die Mitarbeiter fahren das Futter in den Gang.

Jan David wünscht sich in Zukunft einen Melkautomaten. Foto: Sara Wasmund

Ein Handgeschäft bleibt vorerst das Melken. Zweimal täglich werden die Kühe in drei Gruppen in den Melkstand getrieben. „Ich wünsche mir für die Zukunft auf jeden Fall einen Melkautomaten, aber das ist jetzt noch nicht drin. Aber in ein paar Jahren – ganz bestimmt“, sagt Jan David. Seine Arbeitstage sind lang.

Ein Zwölf-Stunden-Arbeitstag ist für David ein eher kurzer. „In der Wintersaison gibt es doch mehr Ruhe. Feierabend? Den habe ich irgendwann zwischen 18 und 22 Uhr.“ In ein paar Jahren soll das anders werden. Dann will er normalere Arbeitszeiten haben. Noch studiert seine Freundin in Herning, noch gehören Tage und Abende dem Betrieb. „Aber wenn einmal eine Familie da ist, soll das anders sein“, sagt der 34-Jährige.

Urlaub nur im Winter

„Mein Ziel ist, dass ich einen ganz normalen Alltag habe, wie andere Leute auch. Ich denke, dass die Grundrahmen dafür in rund einem Jahr gelegt sind.“ Wenn er in den Urlaub fährt, dann im Winter in den Schnee. Eine Woche im Jahr, mehr ist nicht drin. Und im Sommer? „Wenn es gut geht, dann kann ich mal ein Wochenende frei machen“, sagt Jan David. „Ich habe eben einen Beruf, bei dem es um Tiere und Pflanzen geht. Da kann man nur frei haben, wenn alles versorgt ist. Vorher kann ich nicht nach Hause fahren.“ Damit nicht alles nur an ihm hängt, investiert er in seine Mitarbeiter, derzeit vier Vollzeitkräfte und einen in Teilzeit. „Sie sollen besser werden und dazulernen. So teilen wir uns die Arbeit.“

Stall und Arbeitsgerät Foto: sara Wasmund

Trotz der harten Arbeit, der wenigen Freizeit und der großen Verantwortung will Jan David nichts anderes machen, als seinen eigenen Hof betreiben. „Du bist selbstständig auf deinem eigenen Hof. Das ist großartig.“ Und die Zukunft bringt noch mehr Landwirtschaft mit sich: In ein paar Jahren, so der Plan, wird Jan David auch den Hof seines Vaters in Baistrup übernehmen.

Sein Erfolgsrezept? „Ich habe viel an Erfahrung mitgebracht. Meine Ausbildung in Gravenstein hat mir viel mitgegeben. Ich hatte Erfahrung als Futtermeister und Betriebsleiter, bevor ich mich selbstständig gemacht habe. Ich denke, wenn man die Erfahrung, den Fleiß und den Willen mitbringt, kann man es schaffen.“

Um andere junge Landwirte zu ermutigen, ebenfalls den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen, ist Jan David im Landwirtschaftlichen Hauptverein für Nordschleswig (LHN) aktiv. „Ich will anderen zeigen, wie es gelingen kann. Man muss nicht mit einem großen Hof beginnen – ein Betrieb für 20 Millionen ist als Start nicht schlecht. Ich sage immer: Fangt damit an – wachsen kann man immer noch!“

Jan David in einem seiner beiden Kuhställe, die derzeit 340 Kühe beherbergen. Foto: Sara Wasmund

Ein großer Schuldenberg

Er habe mit seinem Betrieb Glück gehabt. „Die Rahmen stimmten, und das Land liegt komplett am Hof dran. Das ist ein großer Vorteil“, erzählt er.
Als der Hof zum Verkauf angeboten wurde, konnte er sich mit seiner Bank nicht über den Kaufpreis einigen, außerdem sollte sein Vater bürgen. „Das wollte ich nicht. Also habe ich die Bank gewechselt, und dort konnte ich sie davon überzeugen, dass es ein gutes Projekt ist, das ich vorhabe.“ Kurz darauf sei der Hof dann in Konkurs gegangen – und David konnte den Betrieb am Ende für ein paar Millionen günstiger erwerben, als zunächst von der ersten Bank verlangt.

Doch wie lebt es sich mit so einem großen Schuldenberg? „Man denkt da eigentlich nicht dran. Natürlich soll man die Schulden abtragen, das ist nur gesund. Aber der Betrieb, das Land, die Kühe und die Maschinen gehören mir. Wichtig ist, dass es mit einem Gewinn bewirtschaftet wird. Dass man die Ausgaben so niedrig wie möglich hält, seine Mitarbeiter gut einbindet. So kann man den Betrieb optimieren.“ Jan David will anderen Landwirten mit seiner Geschichte Mut machen. Zeigen, dass man es schaffen kann.

Kritik mit der Wirklichkeit begegnen


Und er will der – zumeist von Städtern vorgebrachten – Kritik an der Landwirtschaft mit der Wirklichkeit begegnen. „Dass wir konventionellen Landwirte so oft schlecht in den Medien rüberkommen, ist eine sehr traurige Entwicklung. Ich kenne keinen einzigen Landwirt, der schlecht zu seinen Tieren oder der Natur ist.

Im Gegenteil. Wir wollen, dass es ihnen gut geht. Man wird traurig, dass sich so viele negativ äußern, ohne dass sie eigentlich eine Ahnung von der Wirklichkeit haben. Die Leute urteilen, ohne Wissen. Manchmal kommentiere ich auf Facebook solche Beiträge. Aber ich stelle immer wieder fest, dass die Leute ihre negative Haltung gar nicht ändern wollen. Ich will auf meinem Hof offen sein für Besucher. Die Kritiker sollen selbst kommen und sehen, dass es den Tieren gut geht!“

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