Soziales

„Provinz ist anfällig für soziale Problemfälle“

„Provinz ist anfällig für soziale Problemfälle“

„Provinz ist anfällig für soziale Problemfälle“

Nordschleswig
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Foto: Nils Meilvang/Ritzau Scanpix

Tondern beheimatet in Nordschleswig prozentual am meisten Bürger, die von der öffentlichen Hand leben.

In Nordschleswig leben überdurchschnittlich viele Bürger von der öffentlichen Hand. Neue Zahlen von Danmarks Statistik zeigen, dass die vier Kommunen im Landesteil besonders häufig Sozialleistungsempfänger beheimaten.

In ganz Dänemark werden 712.273 Personen zwischen 16 und 64 Jahren von der öffentlichen Hand versorgt („offenlig forsørgelse“), 20.000 weniger als im vergangenen Jahr. Im ganzen Land bestehen dabei große Unterschiede zwischen den Kommunen. Die wenigsten Sozialhilfeempfänger leben in Gentofte (10,6 Prozent), die meisten auf Lolland (33,7). Die vier Kommunen in Nordschleswig befinden sich im hinteren Mittelfeld auf den Plätzen 65, 72, 80 und 81 von landesweit insgesamt 98 Kommunen.

Tondern hat mit 24,2 Prozent die meisten Sozialleistungsempfänger des Landesteils, gefolgt von Hadersleben mit 24,1 Prozent. In Sonderburg leben 23,4 Prozent und in Apenrade 22,9 Prozent aller Bewohner der Altersgruppe von öffentlicher Unterstützung. SU-Empfänger sind nicht eingerechnet. Warum leben gerade in den Randgebieten so viele Menschen von Sozialleistungen? Kommunen in der Provinz sind gewissermaßen anfällig für soziale Problemfälle, sagt Per H. Jensen, Professor am Institut für Staatskunde der Universität Aalborg. „Ein Grund sind die niedrigen Lebenshaltungskosten, beispielsweise bei der Miete. Bürger mit wenig Geld ziehen günstige Wohnungen natürlich vor. Ein ganzes Haus für 4.000 Kronen Miete im Monat kriegt man in Gentofte nicht“, so der Forscher vom Centre for Comparative Welfare Studies.

Zudem seien die Beschäftigungsmöglichkeiten in Randgebieten geringer. „Zum Studium ziehen viele junge Menschen weg – und kommen in der Regel nicht wieder. Dagegen bleiben oft schlecht ausgebildete Bürger in den Kommunen – und wenn dann die Arbeitsplätze fehlen, kommt oft Alkohol ins Spiel. Und so kann eine Negativspirale beginnen, die schwer zu stoppen ist“, sagt Per H. Jensen.

In der Kommune Tondern kennt Bürgermeister Henrik Frandsen (V) die Problematik. „Die vielen Bürger außerhalb des Arbeitsmarktes sind tatsächlich eine große Herausforderung für uns“, so Frandsen. „Das niedrige Ausbildungsniveau führt oft zu sozialen Problemen. Wir setzen mit der Strategie dagegen, Jugendliche gezielt für eine Ausbildung zu gewinnen.“

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