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Glen Riddersholm am Ende auf verlorenem Posten

Glen Riddersholm am Ende auf verlorenem Posten

Glen Riddersholm am Ende auf verlorenem Posten

Hadersleben/Haderslev
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Glen Riddersholm kam im Januar 2019 zu SønderjyskE und holte den ersten Titel der Vereinsgeschichte. Foto: Frank Cilius/Ritzau Scanpix

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Nach zweieinhalb Jahren ist Schluss. Glen Riddersholm muss bei SønderjyskE seine Sachen packen. Der Trainer verlor zusehends die Rückendeckung der Verantwortlichen. Zuletzt gab es aber auch Risse im Verhältnis zur Mannschaft. Ein Kommentar von Jens Kragh Iversen.

Am Ende war es immer mehr abzusehen, dass die Wege von SønderjyskE und Glen Riddersholm auseinander gehen würden.

Der Mann, der SønderjyskE zum ersten Titelgewinn der Vereinsgeschichte geführt hatte, konnte seinen Frust über die Entwicklung an seinem Arbeitsplatz seit Januar 2019 nicht verbergen, nahm nicht alle auf der Kommandobrücke getroffenen Entscheidungen ohne Gegenwehr hin und stellte sich auch mal quer.

Die Zusammenarbeit mit den Amerikanern Andrew Ramsey und Nishant Tella, zwei der zentralen Figuren im neuen SønderjyskE, verlief von Anfang an alles andere als reibungslos. Die ersten Unstimmigkeiten entstanden im Winter-Transferfenster mit unterschiedlichen Auffassungen in Sachen Transferpolitik. Und nach dem Abschied von Hans Jørgen Haysen, der ihn damals geholt hatte, stand er zusehends auf verlorenem Posten, auch weil der leidenschaftliche Kämpfer, der sich in alles einmischt, nicht klein beigeben wollte.

Foto: Frank Cilius/Ritzau Scanpix

Das Verhältnis zu den Amerikanern wurde immer schlechter. Als Tella und Ramsey Mitte April in Hadersleben zu Besuch waren und zahlreiche Gespräche führten, war der Cheftrainer einer der wenigen Mitarbeiter, mit denen kein Gespräch geführt wurde. Es endete mit einem großen Knall, auch weil es zuletzt Risse im Verhältnis zu seiner Mannschaft gab.

Den Frust über die vielen Störfaktoren hinter den Kulissen ließ er nicht nur an einem Tisch an der Seitenlinie in Aalborg, sondern auch an seiner Mannschaft aus. Nicht zuletzt ein Zwischenfall beim Training, als Bård Finne wüst beschimpft worden ist, hat die Kapitänsgruppe um Marc Dal Hende, Pierre Kanstrup, Mads Albæk, Stefan Gartenmann und Anders K. Jacobsen auf den Plan gebracht. Die Mannschaft ließ sich das nicht mehr gefallen und eine Entschuldigung wurde gefordert.

Die Risse im Verhältnis zur Mannschaft, das gestörte Verhältnis zu den Entscheidungsträgern aus Amerika und erste Abnutzungserscheinungen ließen nur einen Ausgang übrig: eine Trennung nach zweieinhalb Jahren mit Höhen und Tiefen.

Glen Riddersholm wird für immer einen besonderen Platz in den Geschichtsbüchern von SønderjyskE haben. Er ist der Trainer, der die Hellblauen zum ersten Titelgewinn führte. Und einen zweiten Einzug in ein Pokalfinale gab es obendrauf. Das ist weitaus mehr als man erwarten konnte.

Für Glen Riddersholm war der Pokalsieg 2020 der größte Erfolg seiner SønderjyskE-Zeit. Foto: Karin Riggelsen

Von den Ergebnissen her ist er mit seiner Mannschaft auch in der Superliga stets im grünen Bereich gewesen. Einen Flirt mit den Abstiegsplätzen gab es in jeder Saison, aber am Ende hatte SønderjyskE den Klassenerhalt sicher in der Tasche. In diesem Jahr sprang Platz acht heraus, mit 18 Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze. SønderjyskE ist im Soll.

Stärker in Erinnerung bleiben aus dieser Saison allerdings die Enttäuschungen, nachdem man sich in eine aussichtsreiche Lage gebracht hatte. Der um ein Tor verpasste Einzug in die Top 6, der Kollaps im Pokalfinale und die Wiederholung im Kampf ums Europa-Playoff.

Die Fortschritte auf dem Platz sind zudem kleiner gewesen als man sich von Vereinsseite erhofft und auch als sich Riddersholm selbst vorgestellt hatte. Der Meistertrainer von 2015 musste bereits in seinem ersten Jahr feststellen, dass SønderjyskE ein schwerfälliger Dampfer ist, der nur schwer auf einen neuen Kurs zu bringen ist. Die Erfolge wurden meistens geholt, wenn man aus der der Underdog-Rolle heraus auf alte SønderjyskE-Tugenden wie Kampf, Defensiv- und Konter-Fußball zurückgriff.

Glen Riddersholm hat aber dafür gesorgt, dass SønderjyskE weitaus mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat als man von einem Klub dieser Größenordnung erwarten kann. Selbst in der Silbersaison 2015/16 war es weniger. Manchmal wurde es zu viel, aber der Trainer, der seinem Umfeld alles abverlangt, hat SønderjyskE in vielen Bereichen wachgerüttelt und kleine Schritte nach vorne gemacht. Kleiner als erhofft, aber Glen Riddersholm wird für immer einen Trumpf im Ärmel haben: Pokalsieger 2020!

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