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Dänemark gewinnt Drama in vier Akten

Dänemark gewinnt Drama in vier Akten

Dänemark gewinnt Drama in vier Akten

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Kairo/Apenrade
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Niklas Landin rettete die dänische Mannschaft im Viertelfinale der Weltmeisterschaft. Foto: Mohamed Abd El Ghany/AFP/Ritzau Scanpix

Das war nichts für schwache Nerven: Im Viertelfinale der Weltmeisterschaft hat sich die dänische Handball-Nationalmannschaft erst im Siebenmeterwerfen gegen Ägypten durchgesetzt. Dabei wurden Fehler gemacht, die man auf diesem Niveau selten sieht.

Die dänische Handballnationalmannschaft hat bei der Weltmeisterschaft in Ägypten das Halbfinale erreicht. Nach einem 35:35 nach der zweiten Verlängerung gewann das dänische Team mit 4:3 im Siebenmeterwerfen.

„Ich bin schon ein paar Jahre älter geworden“, sagte Trainer Nikolaj Jacobsen nach der Partie auf „TV2“. „Ich finde, es war ein schwieriges Spiel für uns. Wir stehen eigentlich gut in der Abwehr, aber wir sind insgesamt nicht konsequent genug.“

Einen schlechteren Start hätte man sich für Dänemark nicht vorstellen können: Es dauerte geschlagene sieben Minuten, bis dem Team von Trainer Nikolaj Jacobsen ein Tor gelingen wollte.

Anders die starken Ägypter, die auch ohne Heimpublikum von Anfang an hochmotiviert und effektiv an die Sache herangingen und mit 4:0 in Führung gehen konnten.

Dänemark kämpfte sich heran und erspielte sich immer wieder gute Möglichkeiten. Lasse Andersson hatte in der Deckung einige starke Ballgewinne, und Dänemark kam langsam heran; nach 18 Minuten gingen die Favoriten erstmals in Führung.

Kevin Møller leitet die Wende ein

Nachdem Torhüter Niklas Landin in der ersten Viertelstunde kaum etwas gelingen wollte, wechselte Nikolaj Jacobsen Kevin Møller aus Bedstedt (Bedsted) ein. Die Nummer zwei im dänischen Tor erwischte einen guten Start und konnte mit seinen Paraden einige Konter einleiten.

Durch die schnellen Gegenstöße gewann Dänemark langsam aber sicher die Oberhand. Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg waren die wenigen technischen Fehler. Dänemark leistete sich in der ersten Hälfte nur zwei und ging mit einer 16:13-Führung in die Kabine.

Die zweite Hälfte begann wie die erste: Dänemark schenkte den Vorsprung her; es gab kaum noch Konter, und die Spieler machten sich gegenseitig das Leben schwer. Sie spielten viel zu langsam und trafen nicht mehr.

Ägypten kam zum Ausgleich, und Dänemark antwortete, indem Niklas Landin ins Tor zurückkehrte.

Mikkel Hansen wird sich besonders bei Niklas Landin bedanken, dass sich Dänemark die Chance auf die Titelverteidigung bewahrt. Foto: Mohamed Abd El Ghany/AFP/Ritzau Scanpix

Unglaubliche Fehler

Mikkel Hansen stand schon zu diesem Zeitpunkt völlig neben sich und spielte drei Fehlpässe in Folge. Ägypten ging mit 18:17 in Führung. Dänemark war zum ersten Mal in diesem Turnier unter Druck – und wäre daran fast zerbrochen.

Kurz vor dem Ende kam Ägypten beim Stand von 28:28 in Ballbesitz und hatte die Gelegenheit, das Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden und Dänemark nach Hause zu schicken.

Dann das Unfassbare: Im Spielaufbau der Gastgeber ging ein ägyptischer Spieler zu viel aufs Feld. Die Folge: Zwei-Minuten-Strafe und Ballbesitz für Dänemark, die nun ihrerseits die goldene Chance hatten, ins Halbfinale einzuziehen.

22 Sekunden hatten die Spieler Zeit. Doch fünf Sekunden vor Schluss zog Trainer Nikolaj Jacobsen einen Timeout und setzte seine Spieler unter massiven Zeitdruck. Den folgenden Pass warf Mikkel Hansen direkt in die Arme eines Ägypters.

Hansen wirft den Sieg weg

In der ersten Verlängerung über 2x5 Minuten hatte Dänemark eigentlich alles im Griff und sah wieder wie der sichere Sieger aus. Niklas Landin zeigte Paraden, und das Team von Trainer Nikolaj Jacobsen führte bis eine Sekunde vor Schluss. Dänemark war in Ballbesitz, und ein Torabschluss oder ein Pass hätte die Zeit auslaufen lassen.

Doch Mikkel Hansen wollte es anders: Er hielt den Ball, bis die Schiedsrichter auf Zeitspiel entschieden, und dann warf er ihn in hohem Bogen weg. Eine riesige Dummheit des Weltstars: Die Schiedsrichter erkannten völlig zu Recht auf Rot und Siebenmeter eine Sekunde vor Schluss. Ägypten glich aus und ging in die zweite Verlängerung.

Dort ging der Wahnsinn weiter: Ägypten führte mit einem Tor, und dieses Mal bekam Dänemark eine Sekunde vor dem Ende einen Siebenmeter durch die fehlerfreien kroatischen Schiedsrichter zugesprochen.

Magnus Landin traf den Innenpfosten, der Ball ging rein, und es kam zum Siebenmeterwerfen.

„Wir hätten das Spiel schon früher entscheiden müssen, aber jetzt bin ich einfach froh, dass wir im Halbfinale stehen. Solche Spiele sorgen nicht gerade dafür, dass ich weniger graue Haare bekomme. Aber das bedeutet nicht, dass ich den maximalen Druck nicht mag“, sagte Nikolaj Jacobsen.

Niklas Landin rettete Dänemark durch das Ende der Partie. Foto: Mohamed Abd El Ghany/AFP/Ritzau Scanpix

Landin hält den Sieg fest

Der dänische Nationalkeeper konnte direkt den ersten Ball der Ägypter festhalten. Obwohl Nikolaj Øris seinen Wurf vergab, konnte sich Dänemark durch eine weitere Landin-Parade und den entscheidenden Treffer durch Lasse Svan durchsetzen.

„Niklas rettet uns in der zweiten Verlängerung, und beim Siebenmeterwerfen zeigt er, warum er gerade zum besten Spieler der Welt gekürt worden ist. Es war ein sehr, sehr schwieriges Spiel, in dem wir hart arbeiten mussten, um Lösungen zu finden – sowohl offensiv als auch defensiv“, sagte Nikolaj Jacobsen.

Im Halbfinale trifft das dänische Team auf den Gewinner aus der Partie Spanien gegen Norwegen.

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