Corona in Nordfriesland

Husums Impfzentrum ist geschlossen und dessen Team blickt mit Wehmut zurück

Husums Impfzentrum ist geschlossen

Husums Impfzentrum ist geschlossen

SHZ
Husum
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Das Impf-Team des letzten Tages: Henning Graßmeier, Sonja Nitzsche, Wiebke Holland, Denise Gungards, Klaus Schwab und Gian Supra (v. l.). Foto: Herbert Müllerchen/shz.de

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Am Wahlsonntag erhielten die letzten Impfwilligen im Zelt an der Husumer Messehalle ihren Piks gegen Corona. Die Arbeit seit Januar hat das Impf-Team geprägt.

Nach neun Monaten hat das Impfzentrum an der Messehalle am Wahlsonntag die Tore geschlossen. Doch selbst am letzten Tag nahmen noch viele Impfwillige das Angebot dort wahr. Zu ihnen gehörte auch Manuela Thomsen aus Husum, die kurz vor Toresschluss zusammen mit ihren Sohn noch die Corona-Zweitimpfung erhielt. „Ich bin froh, dass ich noch die Kurve bekommen habe“, so die 53-jährige. Immer wieder habe sie den Impftermin verschieben müssen – aus geschäftlichen Gründen. Dabei sei ihr stets klar gewesen, dass an der Impfung kein Weg vorbei gehe: „Denn jeder Einzelne hat eine Verantwortung der Gesellschaft gegenüber.“

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Für das Impf-Team endet damit eine neunmonatige Zusammenarbeit, die Spuren hinterlassen hat. Etwa bei Bundeswehrsoldat Gian Supra, der seit 4. Januar erst in der Messehalle und später im Impfzelt im Einsatz war. „Die ersten Wochen waren ein komplettes Chaos“, erinnert er sich. Und macht eine „unprofessionelle Gesetzgebung“ mit täglich neuen Vorgaben dafür verantwortlich. „Das hat uns die Arbeit erheblich erschwert.“


Einziger Lichtblick am Anfang sei die vorzügliche Zusammenarbeit mit dem medizinischen Fachpersonal und der Messe gewesen. „Als dann nach vier Monaten die Prioritätenvorgabe fallen gelassen wurden, hatten wir es mit purer Bürokratie-Arbeit zu tun gehabt.“ Dennoch will er die Zeit nicht missen: Sie habe ihn geprägt.


Auch Henning Graßmeier ist Soldat und gehörte dem Impf-Team seit einem halben Jahr an. „Für mich gab es zu diesem dienstlichen Auftrag keine zwei Meinungen“, so der 23-jährige Dortmunder. Mit einer „ordentlichen Portion Wehmut“ blicke er nun auf diese Zeit zurück, in der auch wertvolle Freundschaften entstanden seien. Und noch etwas möchte er unbedingt los werden: Am letzten Abend habe die Messe eine Dankeschön-Party veranstaltet. „Und diese Wertschätzung hat uns allen sehr gut getan.“


Wiebke Holland fungierte im Team als „Impf-Mutti“. Auch sie verweist auf das freundschaftliche Miteinander, das den Tagesablauf erheblich erleichtert habe. „Die Arbeit mit den vielen Menschen, ob alt oder jung, hat richtig Spaß gemacht“, sagt sie. Und hofft, dass auch nach Schließung des Impfzentrums die entstandenen Freundschaften weiter gepflegt werden. „Vielleicht werden wir ja irgendwann wieder zu einer derartigen Aktion zusammen gerufen, dann werden wir als Team auf jeden Fall zur Stelle sein.“


Das sieht Klaus Schwab genauso. „Ich habe als Arzt hier die erste Impfung durchgeführt und werde wohl auch der letzte sein, der impft“, sagt er. „Wir sind als Team zusammengewachsen und das war für mich sehr beeindruckend.“ Zur Impf-Arbeit hätten am Anfang auch gewisse Unsicherheiten und Ängste dazugehört. „Aber wir haben nur ein einziges Mal den Rettungsdienst anfordern müssen, da bei einem Geimpften die körperliche Reaktion unklar war“, berichtet Schwab. Doch auch in diesem Fall sei alles gut verlaufen.


Und für Denise Bungards war die Arbeit im Impfzentrum ebenfalls eine ganz besondere Beschäftigung. „Mich hat diese Tätigkeit erfüllt und glücklich gemacht.“ Der letzte Arbeitstag sei für sie auch ein Tag der Trennung. „Die Freundschaften, die hier entstanden sind, werde ich missen.“ Allerdings gehe es für sie jetzt in erster Linie darum, einen neuen Arbeitsplatz zu bekommen. „Ich bin aber zuversichtlich, dass ich etwas finden werde.“

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