100 JAHRE DEUTSCHE MINDERHEIT

Entwicklung des deutschen Schulwesens in Nordschleswig

Entwicklung des deutschen Schulwesens in Nordschleswig

Entwicklung des deutschen Schulwesens in Nordschleswig

Hauke Grella
Sonderburg/Sønderborg
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Die Deutsche Schule Osterhoist Foto: Privat

Die Standorte der entsprechenden Einrichtungen und deren Gebäude sind immer auch ein Zentrum für Zusammenkünfte der Minderheit.

Der Wert eines funktionierenden Schulsystems für eine Minderheit ist fast nicht zu bemessen. Nicht nur, dass an den Schulen Sprache und Kultur an die Kinder vermittelt werden, so dienen die verschiedenen Schulstandorte und dessen Gebäude auch immer als Zentrum für kulturelle und gesellschaftliche Zusammenkünfte der gesamten Minderheit.

Gerade in der Funktion als Versammlungsstätte für die deutsche Minderheit ist es ein großer Verlust, wenn, so wie zuletzt in Hoyer (2011) und Osterhoist (Ende 2018), ein Schulstandort geschlossen werden muss.
Die Geschichte des deutsch-nordschleswigschen Schulwesens ist eine wechselvolle. Mit der Volksabstimmung 1920 musste zum ersten Mal ein ganzes System aufgebaut werden. Durch die liberale Haltung Dänemarks konnte man bis Ende des Zweiten Weltkriegs 89 Schulen mit fast 4.000 Schülern zählen. Die 89 Schulen verteilten sich auf 59 Privat- und 30 Kommunalschulen. Obwohl es weniger deutsche Abteilungen an den dänischen öffentlichen Schulen als deutsche Privatschulen gab, gingen etwas mehr als die Hälfte der Schüler auf diese Schulen.

Nach der Schließung der Schulen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs musste dann zum zweiten Mal ein Schulwesen aufgebaut werden. Bis dieses eingerichtet war, gingen viele Schüler auf dänische Schulen. Ein nicht untersuchter Anteil dieser Schüler ist dann auch nicht wieder an die neu entstehenden deutschen Einrichtungen gewechselt.

Foto: Privat

Die ersten vier deutsch-nordschleswigschen Schulen öffneten im Herbst 1946 wieder ihre Türen. Dies waren Hadersleben, Sonderburg, Tondern und Seth.

Die Zahlen von vor Mai 1945 konnte man nicht mehr erreichen. Die geringere Anzahl von Schulstandorten, die „Abwanderung“ aus der Minderheit und auch der Tod von fast 800 jungen Männern der Minderheit haben sicherlich dazu beigetragen. Trotzdem konnte insgesamt wieder eine Anzahl von 32 Schulstandorten im Jahr 1959 erreicht werden. Die Schülerzahl* erreicht im Schuljahr 1969/70 mit 1.669 Schülern ihren Maximalwert. Danach fielen die Schülerzahlen, und es wurden viele Schulstandorte geschlossen. Der Tiefpunkt bei der Anzahl an Schülern wurde im Schuljahr 1989/90 mit 1.149 Schülern erreicht. Obwohl danach noch drei Schulstandorte geschlossen wurden, Uk, Hoyer und Osterhoist, entwickelt sich die Schülerzahl danach langsam aber stetig wieder nach oben. So erreicht man im Schuljahr 2018/19 die Anzahl von 1.581 Schülern und war damit nur noch 88 Schüler vom Maximalwert der Nachkriegszeit entfernt.

Mit dem Holzrelief von der Deutschen Schule Osterhoist haben wir ein besonderes Erinnerungsstück in der Sammlung des Deutschen Museums Nordschleswig. Dies wurde Detlev Kirchhübel (1928-2011), als er nach 27 Jahren als Schulleiter in den Ruhestand ging, überreicht. Geschnitzt wurde das Relief vom Tingleffer Künstler Frederik Grube (1922-2011).

Von diesem befinden sich in der Sammlung des Deutschen Museums Nordschleswig unter anderem noch ein Holzrelief, mit dem bekannten Motiv vom Tonderaner Marktplatz und ein geschnitztes Wappen vom SV Tingleff.
*Die Schülerzahlen im Text und in der Grafik sind eine Zusammenfassung von den Schülerzahlen der Volksschulen, der Deutschen Nachschule Tingleff und des Deutschen Gymnasium für Nordschleswig.

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