100 Jahre Deutsche Minderheit

Teil 13: Rudolf Kardel – Ritter des Max-Joseph-Ordens

Teil 13: Rudolf Kardel – Ritter des Max-Joseph-Ordens

Teil 13: Rudolf Kardel – Ritter des Max-Joseph-Ordens

Hauke Grella
Sonderburg/Sønderborg
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Harbo, Johannes und Rudolf Kardel Foto: Deutsches Museum

Verdienste im Ersten Weltkrieg waren der Grund für diese Auszeichnung.

Der Name Kardel ist in Nordschleswig vielen Menschen geläufig. Dies primär durch die Person Harboe Kardel und dessen Wirken innerhalb der deutschen Minderheit. So unter anderem als Chefredakteur der „Nordschleswigschen Zeitung“, als Publizist, aber auch durch seine Führungspositionen innerhalb der nationalsozialistischen Organisationen Nordschleswigs. In den vergangenen Jahren wurde uns Harboe Kardel auch wieder in Erinnerung gerufen, da „Der Nordschleswiger“ seiner Tagebücher aus dem Ersten Weltkrieg präsentierte.

Der gezeigte Gegenstand steht aber in Verbindung mit seinem Bruder Rudolf und dessen Werdegang hin zum Ritter des bayerischen Max-Joseph-Ordens. Rudolf Franz Friedrich Wilhelm Kardel wurde am 6. Oktober 1889 in Nortorf, zwischen Rendsburg und Neumünster, geboren. 1900 wurde sein Vater, Andreas Kardel, als Schulleiter berufen, und die Familie zog nach Tondern. Nach der Schule besuchte Rudolf Kardel, von 1904 bis 1907, die Präparanden-Anstalt in Tondern (siehe Foto).

Sie war Teil der Volksschullehrerausbildung und bereitete den Besuch des Lehrerseminariums vor. Diesen Weg verfolgte Rudolf Kardel weiter und erhielt 1910 seinen Abschluss am Lehrerseminarium in Tondern. Vermutlich war der eingeschlagene Weg aber nicht die Erfüllung für Rudolf Kardel. Nachdem er ein Jahr als Lehrer an einer kleinen Volksschule in Frörup/Frørup, nördlich von Hadersleben, tätig war, besuchte er das Gymnasium in Husum. Am 1. Dezember 1912 leistete er seinen Wehrdienst, als einjährig Freiwilliger, im Königlich Bayerischen 19. Infanterie-Regiment in Erlangen ab.

PräparandenklasseTondern 1907 mit Rudolf Kardel Foto: Deutsches Museum

Studium der Theologie und Philologie

Später folgte das Studium der Theologie und Philologie, das aber durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrochen wurde. Mit Beginn des Kriegs kam er in das 3. Königlich Bayerische Infanterie-Regiment und im November 1914 erhielt er das Patent zum Leutnant der Reserve. Während seiner Dienstzeit war er unter anderem an Kämpfen in Frankreich, Polen, Rumänien und Belgien beteiligt.

Mit seiner Kompanie gelang es Rudolf Kardel im Galizien-Feldzug (Polen), eines der stärksten Sperrforts der Festung Przemysl, zu nehmen. Im weiteren Verlauf des Krieges glückte es Rudolf Kardel sein Bataillon, das in Rumänien völlig umzingelt war, wieder zu befreien. Aufgrund dieser beiden Begebenheiten wurde ihm am 19. Oktober 1917 vom König von Bayern der Max-Joseph-Orden verliehen. Damit einher gingen ein nicht vererbbarer persönlicher Adel, den Zusatz „Ritter“ im Namen tragen zu dürfen und ein eigenes Wappen.

Es grenzt an Sarkasmus, dass Rudolf Ritter von Kardel nie von seiner Ernennung zu wissen bekommen hat. Bei einem Gefecht in der Nähe von Allemant im nördlichen Frankreich starb er am 6. September 1917, von einem Granatsplitter tödlich getroffen. Dies mehr als einen Monat vor seiner Ernennung zum Ritter …

Ernennung

Seine Ernennung geschah, obwohl die Nachricht über seinen Tod schon an die entscheidenden Stellen weitergereicht worden war. Und auch die Erstellung eines Wappens wird veranlasst. Zu sehen ist das Wappen auf dem von der Ordenskanzlei des Max-Joseph-Ordens in Auftrag gegebenen, Bleifenster. Dieses hat das Deutsche Museum Nordschleswig 2006 dankenswerterweise von der Familie Kardel erhalten.

Auf dem Bleifenster sind verschiedene Motive festgehalten. Zum einen der obere Teil einer Ritterrüstung. Des Weiteren ist unschwer das Nesselblatt aus dem Wappen Schleswig-Holsteins zu erkennen. Es nimmt Bezug auf seinen Geburtsort im holsteinischen Nortorf. Auffallend ist der Bär, der zweimal auf dem Bleiglasfenster präsentiert wird. Hier wird eine Verbindung zum Ort, Przemysl, im heutigen Polen, hergestellt. Dies war einer der Orte an den sich Rudolf Kardel militärisch hervortat und dann zum Ritter ernannt wurde. Der Ort Przemysl hat auch heute noch einen Bären im Stadtwappen. Des Weiteren sind auf dem Bleiglasfenster Geburtsdatum und Ort, Sterbedatum und Ort und die Orte seiner militärischen hervorstechenden Leistungen angegeben. Beerdigt liegt Rudolf Kardel auf dem deutschen Soldatenfriedhof von Mons-en-Laonnois. Auch wird

seiner in der Christkirche und dem Familiengrab der Familie Kardel in Tondern gedacht. Sein Bruder, Harboe Kardel, hielt die Erinnerung an seinen Bruder auch in seiner Stellung bei der „Nordschleswigschen Zeitung“ am Leben. Zum 25. Todestag erschien 1942 ein Artikel über den Gefallenen.

Foto: BDN
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