100 Jahre deutsche Minderheit

Teil 27: Margarethenspende – Krankenpflege im ländlichen Raum

Teil 27: Margarethenspende – Krankenpflege im ländlichen Raum

Teil 27: Margarethenspende – Krankenpflege im ländlichen Rau

Hauke Grella
Sonderburg/Sønderborg
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Einige der Bestandteile des Schrankes Foto: Archiv

Der Hintergrund dieser hilfreichen Schränke ist leider ein trauriger

Der Begriff „Margarethenspende“ wird heutzutage sicherlich nur noch wenigen etwas sagen. Dabei waren Margarethenspenden über die Grenzen des alten Herzogtums Schleswig hinaus verbreitet. Sinn und Zweck der Margarethenspende war es, die Pflege von kranken Menschen, gerade auf dem Lande, zu verbessern. Dazu wurde an zentralen Stellen, z. B. in einem Pastorat, ein Schrank aufgestellt, der mit verschiedenen Gerätschaften zur Krankenpflege bestückt wurde.

Der Hintergrund für die Margarethenspenden ist leider ein trauriger. Margarethe Jacobsen aus Saustrup in Angeln erkrankte als junge Frau an Tuberkulose. Der Vater, Adolf Jacobsen, versuchte alles, um seine Tochter zu retten. Als wohlhabende Familie war es ihnen möglich, sich einen Aufenthalt in Davos/Schweiz zu leisten. Damals ein anerkannter Lungenkurort. Aber dies blieb ohne Erfolg. Margarethe Jacobsen starb 1883, im Alter von 23 Jahren. Der Vater hatte primär die Pflege der Tochter übernommen, und durch den Aufenthalt in der Schweiz hatte er auch Bekanntschaft mit verschiedenen Geräten zur Krankenpflege gemacht. Diese setzte er zur Pflege seiner Tochter ein. Mit dem Vergleich zur Schweiz wurde ihm auch deutlich, wie verhältnismäßig schlecht es um die Pflegeversorgung in seiner Heimat gestellt war. Dies besonders im ländlichen Raum. Deswegen begann er, die angeschafften Geräte in seiner Umgebung zu verleihen. Zu diesem Zeitpunkt wohnte er schon im Norderbrarup. Durch die regelmäßige Nutzung der Geräte mussten bald neue angeschafft werden.

Wohl auf Wunsch seiner sterbenden Tochter spendete Adolf Jacobsen Ende 1893 der Gemeinde Norderbrarup einen Schrank mit Geräten zur Krankenpflege. Die Nutzung sollte kostenlos sein und der Schrank den Namen „Margarethenspende“ tragen.

Der in Norderbrarup aufgestellte Schrank fand so viel Zuspruch, dass Adolf Jacobsen sechs weitere Gemeinden ausstattete. Die Margarethenschränke gingen dabei in lokalen Besitz über. Dies konnten Kirchenvorstände oder Gemeinden sein. Egal, wer den Schrank übernahm, so musste man sich für den Unterhalt und mögliche Neuanschaffungen verpflichten.

Die geöffnete Margarethenspende aus Hostrup. Ein Porträt von Margarethe Jacobsen ist im oberen Teil des Schranks eingefasst. Foto: Archiv

Ende des 19. Jahrhunderts waren alle Landgemeinden Angelns mit Margarethenspenden versorgt. Nachdem von unterschiedlichen Seiten Unterstützung für die Anschaffung einer Margarethenspende zugesagt wurde, bedurfte es der Gründung eines überregionalen Dachverbands. Dieser wurde 1902 mit der Gründung des „Verbandes schleswig-holsteinischer Margarethenspenden“ geschaffen.

Nicht eindeutig geklärt ist, wie der „Verband schleswig-holsteinische Margarethenspende“ zur Auflösung gekommen ist. Viele Mitgliedsvereine des Verbandes gingen in nationalsozialistischen Organisationen auf. Dadurch gab es weniger Mitglieder und Mitgliedsbeiträge, was den Verband sicherlich schwächte. Sicher ist, dass ab 1940 keine regulären Verbandsaktivitäten, also das Versenden von Margarethenspenden, stattfanden. Schon in den Jahren 1933 bis 1939 wurden „nur“ noch 15 Spenden aufgestellt. Der Verzicht auf das Einrichten von neuen Schränken bedeutete aber natürlich nicht, dass die Bestehenden nicht mehr genutzt wurden.

Bis Ende des Jahres 1939 gab es 748 Schränke, davon 457 in Schleswig-Holstein. Der Rest verteilte sich über Deutschland und die Welt. So u. a. in Rumänien und Südafrika. Viele der Margarethenspenden wurden auch in Nordschleswig aufgestellt. Eine Statistik von 1908 gibt 60 Schränke für die Kreise Tondern, Hadersleben, Apenrade und Sonderburg an. Aber auch nach der Eingliederung Nordschleswigs in Dänemark 1920 wurde die Arbeit fortgesetzt. Dies unter der Regie des Wohlfahrtsdienstes Nordschleswig. Von den 15 Spenden, die von 1933 bis 1939 verschickt wurden, gingen fünf nach Nordschleswig. Unter diesen fünf Margarethenspenden befanden sich auch die letzten Spenden, die noch vom Verband schleswig-holsteinische Margarethenspenden verschickt wurden. Erst nachdem der 1948 gegründete Sozialdienst Nordschleswig (als Sozialer Frauendienst Nordschleswig) seine Ausrichtung von der Krankenpflege hin zur sozialen Betreuung änderte, wurden wohl die letzten Margarethenspenden ausrangiert. Zumindest wurde dem Deutschen Museum Nordschleswig ein Schrank direkt vom Sozialdienst Nordschleswig überlassen. Dieser stammt aus dem Ort Hostrup und wurde 1902 in Gebrauch genommen. Ein weiterer Schrank im Bestand des Museums stammt aus Ekensund und ist ans Sonderburger Krankenhaus ausgeliehen.

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