Deutsche Minderheit

Schützenverein Rothenkrug ist Geschichte

Schützenverein Rothenkrug ist Geschichte

Schützenverein Rothenkrug ist Geschichte

Rothenkrug/Rødekro
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Die Gewehre hatte der Verein schon vor einiger Zeit verkauft. (Symbolfoto) Foto: Adobe Stock

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Nach 51 Jahren ist der Verein kürzlich aufgelöst worden. Der langjährige Vorsitzende nimmt das zum Anlass, um ein wenig in die Geschichte des Vereins zurückzuschauen.

Das Ende des Schützenvereins Rothenkrug von 1970 zeichnete sich schon Anfang Oktober deutlich ab. Bei einer außerordentlichen Generalversammlung stimmte die Mehrheit dafür, den Verein der deutschen Minderheit wegen fehlenden Nachwuchses aufzulösen.

Bei der zweiten außerordentlichen Generalversammlung, die kürzlich stattfand, wurde nun das endgültige Aus beschlossen. „Das Ergebnis war einstimmig“, berichtete der Vorsitzende Frederik Christensen ein wenig wehmütig. Er habe sich jedoch nun an den Gedanken gewöhnt, fügt er hinzu.

Christensen war seit den Gründertagen im Jahr 1970 mit dabei. Gleiches galt für sieben weitere Mitglieder, die nun bei der Versammlung die Auflösung beschlossen.

Doch Frederik Christensen war nicht nur eines der Gründungsmitglieder, sondern kümmerte sich auch viele Jahre als Vorsitzender um die Geschicke des Vereins. Er hat sich deshalb an den Schreibtisch gesetzt und die Vereinsgeschichte Revue passieren lassen. Herausgekommen ist ein kurzer Text, in dem er die wichtigsten Fakten zusammengetragen hat.

1970 machten Hans Carl Gallmayer, Hans Jacob Nissen und Frederik Christensen, der 1969 Schulleiter an der Deutschen Schule Rothenkrug geworden war, sich einige Gedanken dazu, wie man die jungen Leute zu gemeinsamen Aktivitäten sammeln könnte. Bei einem Elternabend wurde ergründet, welche Interessen es gab.

So entstand der Schützenverein Rothenkrug von 1970 (SVR).

Der erste Vorstand bestand aus Hans Carl Gallmayer (Vorsitzender), Frederik Christensen (Schriftführer), Hans Jacob Nissen (Kassierer), Uwe Westergaard, Marcus Bomskov, Inge Friis und Maja Nielsen. Ein Jahr später wurde Frederik Christensen zum Vorsitzenden gewählt und blieb es bis zur Auflösung des Vereins am 17. Oktober 2021.

Die Hoffnung, dass auch die kommenden Schuleltern den SVR als willkommene Gelegenheit annehmen würden, sich zu treffen, erfüllte sich nicht.

Trotzdem entstand ein reges Vereinsleben.

Man schoss mit Luftgewehren auf einer 10-m-Bahn mit drei Ständen, die im Keller der Deutschen Schule Rothenkrug (DSR) eingerichtet wurden.

Svend Erik Friis setzte sich tatkräftig dafür ein, einen gebrauchten Pavillon anzuschaffen, um ein Vereinshaus zu haben. Zuschüsse, u. a. vom BDN, Verkauf von Anteilscheinen vornehmlich an die Mitglieder und sehr viel Eigenarbeit führten zum Ziel.

1976 konnte ein gebrauchter Pavillon gekauft werden, den die Mitglieder unter der Leitung von Svend Erik Friis und Richard Jürgensen zerlegten und auf dem Grundstück der DSR wieder zusammensetzten und einrichteten. Im Frühjahr 1977 war Einweihung.

Einige Jahre später entstand – ebenfalls in Eigenarbeit – die Schießhalle.
Der SVR war sehr unternehmungslustig. Dienstags traf man sich zum Schießen, Würfeln, Kartenspielen und Schnacken. Der SVR besuchte Preis- und Pokalschießen der acht anderen Luftgewehr-Schützenvereine in Nordschleswig und knüpfte auch eine Verbindung zum Schützenverein Itzehoe. Das bot sich an, weil Itzehoe die Patenstadt der Schule war.

Das erfolgreichste Preis- und Pokalschießen des SVR konnte 123 Teilnehmer verzeichnen.

Als die Schule 1989 einen Mehrzweckraum mit Turnhalle baute, musste das SVR-Haus weichen. Natürlich gab es Frustrationen – schließlich steckte eine riesengroße Eigenleistung darin. Im Neubau der Schule bekam der SVR jedoch einen schönen Clubraum und in Kombination mit der Bühne fünf Schießstände.

Als Beispiel für die Aktivität des SVR mag ein Abschnitt des Jahresberichts von 1996 dienen:

Vereinsmeisterschaft, Winterfest, Königsschießen, Königsfrühstück, Preis- und Pokalschießen, Frühlingsfest zusammen mit dem BDN, ein Kegelabend, Vergleichsschießen mit Rødekro Skytteforening, Ausflug nach Itzehoe, Grillabend, Autosuchfahrt, Julklapp, Teilnahme an der Nordschleswigmeisterschaft. Und das alles in nur einem Jahr.

Der SVR hatte 52 Mitglieder, dienstags trafen sich im Durchschnitt 14 davon.

Ansonsten veranstaltete der SVR Tanzkurse, Reisen (Danzig, Berlin), Ausflüge, teilweise mit Bootsfahrten (Alsen, Haderslebener Damm, Haderslebener Förde), Meldorf, Itzehoe, Esbjerg, Himmelbjerget, sonntägliche Frühschoppen, Autosuchfahrten. Einige Jahre übten wir Laienspiele ein in Stücken mit den Titeln „Der verschriebene Vetter“, „Die alte Kommode“ und „Die Tante aus Amerika“.

Unser Älterwerden und der Mangel an jüngeren Mitgliedern hat das Programm reduziert: 2006 endete das Königsschießen, seit 2010 schießen keine Schüler mehr, 2013 endete die Teilnahme an der Nordschleswig-Meisterschaft, 2014 das Vereinsfrühstück, 2016 das Vergleichsschießen mit RSF, 2017 war die letzte Vereinsmeisterschaft, das letzte Preis- und Pokalschießen und das letzte Wettschießen der Vereine.

2017 traf man sich nur noch in den ungeraden Wochen statt in jeder Woche, 2018 wurde das Schießen eingestellt und der SVR versammelte sich nur noch einmal im Monat. Für 2020 waren nur noch insgesamt vier Veranstaltungen geplant, die aber wegen Corona nicht stattfinden konnten.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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