Anschläge

Explosion vor Polizeiwache auf Nørrebro: Polizei fahndet nach jungem Mann

Explosion vor Polizeiwache auf Nørrebro: Polizei fahndet nach jungem Mann

Fahndung nach Explosion vor Polizeiwache auf Nørrebro

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Foto: Presse-Fotos.dk / Ritzau Scanpix

Wie bei dem mutmaßlichen Anschlag auf die Steuerbehörde wurde niemand verletzt, das Gebäude jedoch stark beschädigt. Die Polizei geht von einer geplanten Aktion aus. Neue Täterbeschreibung am Nachmittag.

In der Nacht zu Sonnabend hat eine Explosion den Kopenhagener Stadtteil Nørrebro erschüttert. Am Eingangsbereich einer Polizeistation sind schwere Schäden entstanden, verletzt wurde niemand, so die Polizei von Kopenhagen am Morgen.

Wie bei einer Explosion vor der Steuerbehörde im Stadtteil Nordhavn am späten Dienstagabend handele es sich bei dem Vorfall auf Nørrebro um eine bewusst herbeigeführte Explosion, sagt Ermittlungsleiter Jørgen Bergen Skov auf einer Pressekonferenz am Sonnabendmorgen.

„Es besteht kein Zweifel, dass es sich um Vorsatz handelt“, so der Polizist.

Noch sei es zu früh, zu dem Schluss zu gelangen, dass die beiden Explosionen miteinander in Zusammenhang stehen, sagt Skov: „Es handelt sich um eine Tat, die ähnlich wie die, die wir draußen bei der Steuerbehörde gesehen haben, gegen ein Gebäude gerichtet war. Damit ist noch nicht gesagt, dass beide zusammenhängen.“

Die Beamten würden aber selbstverständlich auch in diese Richtung ermitteln. Über den Anschlag in Nordhavn ist bisher bekannt, dass industrieller Sprengstoff verwendet wurde.

Täterbeschreibung aktualisiert

Am Vormittag hat die Polizei die Beschreibung des mutmaßlichen Täters vom Anschlag auf Nørrebro veröffentlicht. Er wird als 15 bis 25 Jahre alt, 1,70 bis 1,80 Meter groß und von gewöhnlicher Statur beschrieben.

Bekleidet war der Gesuchte mit dunklen, lose sitzenden Hosen mit einer Tasche am rechten Hosenbein. Seine Schuhe waren laut Polizei schwarz mit schwarzen Sohlen.

Am Nachmittag präzisierten die Beamten die Beschreibung. 52 Hinweise waren bis dahin eingegangen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Bei sich trug der Tatverdächtige demnach eine schwarze Plastiktüte mit der Aufschrift „!Solid“. Zunächst hatte es geheißen, es habe sich um eine Tüte der Supermarktkette Rema 1000 mit weißen Streifen gehandelt.

Die Tüte soll der Tatverdächtige an der Polizeistation abgestellt haben, kurz bevor die Plastiktüte explodiert sei.

Zeugen haben den Mann in Richtung Sigurdsgade und weiter zur Titangade und dann in nördliche Richtung auf die Vermundsgade zu laufen sehen.

Die Polizei sucht nach bestimmten weiteren Zeugen. Darunter eine Person, die die Plastiktüte vor der Polizeistation bemerkt haben und dann weggelaufen sein soll.

Anwohner wurden aus dem Schlaf gerissen

Ein Augenzeuge der jüngsten Explosion hat Fotos von zerplatzten Fensterscheiben und erheblichen Schäden am Eingangsbereich der Polizeistation und eines angrenzenden Gebäudes auf Twitter veröffentlicht.

Der Türsteher eines naheliegenden Nachtklubs bezeichnet die Polizeipräsenz in der Gegend nach der Explosion gegenüber der Nachrichtenagentur Ritzau als „gewaltig“. Die Explosion habe die gesamte Nachbarschaft erschüttert. „Es vergingen nur wenige Minuten, dann war die Polizei da und sperrte alles ab“, so Mikael Panduro. Die Menschen auf der Straße hätten Schutz unter anderem im Nachtklub gesucht und seien verängstigt gewesen, berichtet er weiter.

Zahlreiche Anwohner berichten in sozialen Medien, dass sie von der Explosion geweckt worden seien, selbst mehrere Kilometer von der Wache in der Hermodsgade entfernt.

Dort soll nun eine mobile Polizeiwache aufgestellt werden, um den Anwohnern Sicherheit zu vermitteln – und um deren Hinweise in dem Fall entgegenzunehmen.

Justizminister Nick Hækkerup besuchte den Tatort am Sonnabendmorgen. Foto: Philip Davali / Ritzau Scanpix

Justizminister besorgt

Am Sonnabendvormittag hat Justizmiister NIck Hækkerup (Soz.) den Ort des Geschehens besucht. „Die Polizei ermittelt in alle Richtungen, aber es ist klar, dass es Anlass zu zusätzlicher Sorge bereitet, wenn es das zweite Mal innerhalb einer Woche ist, dass eine unserer Behörden einer Explosion ausgeliefert wird“, so der Minister zum Fernsehsender TV2.

Die rechtspolitische Sprecherin der rechtsliberalen Partei Venstre, Inger Støjberg, äußerte sich zur Nachrichtenagentur Ritzau: „Das Problem ist ja, dass wir Ähnliches in Malmö gesehen haben und Dänemark darf niemals Schweden werden und Kopenhagen darf niemals Malmö werden.“

Die südschwedische Metropole ist dieses Jahr von zahlreichen Explosionen erschüttert worden.

Der Parteichef der sozialliberalen Radikale Venstre, Morten Østergaard, schreibt derweil auf Twitter: „In Dänemark darf niemand fürchten, dass sein Arbeitsplatz in Stücke gesprengt wird.“ Er bezeichnet die mutmaßlichen Anschläge als „Angriff auf uns alle“.

Pernille Skipper, Chefin der linken Einheitsliste, schreibt auf Twitter: „Ich hoffe wirklich, dass die Verantwortlichen bald gefunden werden. Niemand im öffentlichen Dienst darf Angst haben, zur Arbeit zu gehen.“


Anmerkung der Redaktion: Der Inhalt dieses Artikels wird laufend aktualisiert.

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