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Dänemark: Lebensmittel sollen gut schmecken und günstig sein

Dänemark: Lebensmittel sollen gut schmecken und günstig sein

Dänemark: Lebensmittel sollen gut schmecken und günstig sein

Dänemark/Deutschland
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„Die Verbraucher haben einen starken Fokus auf die Frage, wie viel sie bei Lebensmitteln sparen können“, meint Direktor Leif Friis Jørgensen von der Meierei Naturmœlk in Tingleff. Foto: Karin Riggelsen

Während in Deutschland rund die Hälfte der Verbraucher der Meinung ist, dass die Preise für Lebensmittel eher zu niedrig sind, ist dänischen Verbrauchern ein niedriger Preis besonders wichtig. Doch legen auch immer mehr Menschen Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit.

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor Kurzem im Kanzleramt in Berlin mit Vertretern der Lebensmittelindustrie zusammentraf, um das Thema „Dumpingpreise für Lebensmittel“ zu erörtern, ging es um den steigenden Unmut unter den Landwirten. Sie fühlen sich von den wenigen großen, aber dafür dominierenden Handelsketten in Deutschland mit Niedrigpreisen abgespeist. Entsprechend war das Motto „Faire Preise für die Erzeuger“.

Zudem zeigt eine aktuelle Umfrage des „DeutschlandTrend“ zum Thema, dass 73 Prozent der Befragten in Deutschland dagegen sind, Lebensmittel unterhalb der Herstellungskosten anzubieten. Und jeder Zweite (54 Prozent) ist der Meinung, dass die Preise für Lebensmittel in Deutschland eher zu niedrig sind, während 36 Prozent sie für angemessen halten.

Wie sieht es damit in Dänemark aus?

Dänische Verbraucher achten vor allem auf Geschmack und Preis

Eine Marktanalyse von „Landbrug & Fødevarer” vom Oktober 2019 zeigt, dass die dänischen Verbraucher vor allem auf den Geschmack achten, wenn sie Lebensmittel einkaufen. Aber auch Ökologie, Tierschutz und Nachhaltigkeit finden sich immer öfter im Bewusstsein der Verbraucher – jedoch nicht ohne auch auf den Preis zu achten.

Neben dem Geschmack, der bei drei Viertel der Verbraucher eine wichtige Bedingung ist, spielt vor allem der Preis für 70 Prozent eine Rolle. Und das bedeutet in erster Linie, dass die Produkte günstig oder als Angebot zu haben sind. Bei der Analyse von vor drei Jahren waren es noch fünf Prozent weniger, die einen attraktiven Preis als besonders relevant ansahen.

Sparen bei Lebensmitteln

Das genaue Augenmerk auf den Preis kann Leif Friis Jørgensen, Direktor bei der Meierei Naturmælk in Tingleff, einem Zusammenschluss aus 32 Landwirten, die sich dem Grundsatz der Nachhaltigkeit verschrieben haben, bestätigen: „Die Verbraucher haben einen starken Fokus auf die Frage, wie viel sie bei Lebensmitteln sparen können.“ Da die Konsumenten im Durchschnitt allerdings nur einen einstelligen Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgäben, sei es auch begrenzt, wie viel man hier sparen könne. Und Friis Jørgensen schiebt sogleich hinterher, dass eine Vielzahl an Jahresberichten unmissverständlich zeige, wie schwer es sei, mit Lebensmitteln Geld zu verdienen.

Ob die Verantwortung für das aktuelle Preisniveau bei den Verbrauchern oder den großen Supermarktketten liegt, könne man da sicherlich diskutieren. Doch eine Preisdiskussion in den Medien möchte er vermeiden, um den guten Dialog mit seinen Abnehmern nicht zu gefährden. „Wichtig ist, dass die Zusammenarbeitspartner sehen können, dass es sich lohnt“, sagt Friis Jørgensen und verweist damit auf das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Landwirten, Meierei und Supermarktketten als Abnehmer.

Tendenz in Richtung hoher Qualität

Und trotz des Augenmerks der Verbraucher auf den Preis, sieht man beim Dachverband der dänischen Landwirtschaft, „Landbrug & Fødevarer“, eine Tendenz in Richtung wachsendem Bewusstsein bezüglich der Qualität von Lebensmitteln. Nina Preus, Verbrauchersoziologin bei „Landbrug og Fødevarer”: „Wenn man etwas weiter in die Zukunft schaut, zum Beispiel auf die nächsten zehn Jahre, dann wird es mehr Konsumenten geben, die Qualität vor Quantität setzen werden. Wir haben klare Anzeichen dafür, dass eine steigende Anzahl an Verbrauchern Aspekte wie Wohlstand, Klimafreundlichkeit und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellen wird.“

Eine Krone mehr pro Liter Milch gäbe eine Million Kronen Mehreinnahmen

Mit anderen Worten werden die Verbraucher in Zukunft eher weniger Lebensmittel, diese dafür dann aber in besserer Qualität einkaufen. Ein Trend, der sicher auch bei einer lokalen Meierei wie Naturmælk auf offene Ohren stoßen würde:

„Würde jeder nur 1 Krone mehr pro Liter Milch zahlen, wären das bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 85 Litern Milch entsprechend 85 Kronen Mehrkosten für den Verbraucher – kein großer Betrag. Aber für den Landwirt würde das im Durchschnitt eine Million Kronen Mehreinnahmen bedeuten“, gibt Jørgensen zu bedenken.

Im Kanzleramt in Berlin endeten die Gespräche zunächst ohne konkrete Ergebnisse, von politischer Seite will man aber mit den Landwirten im Dialog bleiben und eine gemeinsame Strategie entwickeln. Preisgünstige Lebensmittel zu erzeugen halten laut aktueller „DeutschlandTrend“-Umfrage hingegen nur 4 Prozent der Befragten für die wichtigste Aufgabe der Landwirtschaft.

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