Justiz

Anklage: Nielsen-Urteil „sehr streng“

Anklage: Nielsen-Urteil „sehr streng“

Anklage: Nielsen-Urteil „sehr streng“

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Kia Reumert
Kia Reumert (links) und Lisbeth Jørgensen nach der Urteilsverkündung Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau Scanpix

Sechseinhalb Jahre Haft für einen Riesenschwindel mit Sozialmitteln: Ist das zu wenig? Die Anklage sieht das nicht so. Ihre Argumente schildern sie im Ritzau-Interview.

Die Polizei für Wirtschaftskriminalität hat zwar ihren Wunsch nach acht Jahren Haft für Britta Nielsen nicht erfüllt bekommen – doch zwei der Staatsanwältinnen geben sich nach der Urteilsverkündung von sechseinhalb Jahren Haft dennoch zufrieden.

Die eine von ihnen, Lisbeth Jørgensen, ordnet im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Ritzau ein: „Es ist ein sehr strenges Urteil. Es liegt auf einer Ebene mit anderen Fällen der allerschwersten Wirtschaftskriminalität“, sagt sie.

Jørgensen und ihre Kollegin Kia Reumert unterstreichen besonders, dass die Richterin und die beiden Laienrichter in allen Punkten mit der Beurteilung der Beweise, die die Staatsanwaltschaft vorgelegt hatte, übereingestimmt habe.

„Deutliches Signal“ gegen Vertrauensbruch

Der Tatzeitraum von 25 Jahren sei zudem historisch lang gewesen, sagen beide. Britta Nielsen habe, so Reumert, die Vertrauensregeln in der dänischen Gesellschaft gebrochen.

„Vertrauen ist ein vollkommen fundamentaler Teil unserer Kultur und der Weise, in der unsere Gesellschaft funktioniert“, sagt sie. Diesbezüglich sei die Strafe ein „sehr deutliches Signal“ dahingehend, wie auf derart grobe Vertrauensbrüche reagiert werde.

Die Staatsanwaltschaft hat nun 14 Tage lang Zeit zu entscheiden, ob das Urteil angefochten werden soll.

Nielsen erleichtert über Prozesabschluss

Auch der aus der deutschen Minderheit in Nordschleswig stammende Anwalt der Verurteilten, Nima Nabipour, hat sich nach dem Urteil den Journalisten gestellt. „Meine Klientin ist erleichtert und froh, dass das Ganze vorbei ist“, sagte er.

Nielsen hatte nach einer kurzen Rücksprache mit Nabipour entschieden, das Urteil anzuerkennen. Früher im Prozess hatte die 65-Jährige gesagt: „Es tut mir so leid, und ich wünschte mir, dass ich mich damit zufriedengeben könnte, wenn ich mich bei meinen Kindern, meiner Familie, meiner Arbeit und meinen Kollegen entschuldige.“

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