Kritik

Digitale Vergewaltigung

Digitale Vergewaltigung

Digitale Vergewaltigung

Helge Möller
Helge Möller Journalist
Kopenhagen
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Computerspiele git es viele. Ein Zweifelhaftes zieht der Vertreiber nun zurück - noch vor der Veröffentlichung. Foto: Linda Johansen/Ritzau Scanpix

Ein Entwickler hat sich ein Computerspiel ausgedacht, in dem der Spieler Frauen vergewaltigt. Die Plattform „Steam", die das Spiel vertreiben wollte, macht nun einen Rückzieher.

Auf der Plattform für Computerspiele namens „Steam“ mit vielen Millionen aktiven Benutzerkonten sollte ein Spiel angeboten werden, in dem der Spieler in einer, so die Zeitung „Politikken“ „gefährlichen Welt ohne Gesetze“ Frauen vergewaltigt und ermordet. Die Ankündigung, das Spiel zu veröffentlichen, hat in Deutschland, Österreich und Dänemark Entsetzen ausgelöst. Wie Danmarks Radio berichtet, hat „Steam“ nun reagiert und zieht die Veröffentlichung zurück. Das Spiel sollte Medienberichten zufolge Anfang April erscheinen.

Miguel Angel Sicart beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Thema Computerspiele. In Danmarks Radio (DR) bringt er seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Menschen nun aufgrund der Diskussion „Steam“ kritisch hinterfragen. Steams Politik sei es, nicht auf die Dinge zu schauen, die das Unternehmen verkauft, so Sicart zu DR.

Die Plattform rechtfertigt sich in ihrem Blog. Man respektiere die künstlerische Freiheit, verbiete nicht im Voraus und reagiere im Nachhinein. Diese Unternehmenspolitik hat der Plattform, die vom Spielekonzern Valve betrieben wird, schon in der Vergangenheit DR zufolge Ärger eingebracht.

Diese Haltung kritisiert auch Sicart in Danmarks Radio: „Sie schauen nicht auf Werte, nur auf die Wirtschaftlichkeit. Ich glaube das ist grundsätzlich verkehrt.“ Sicart glaubt nicht, dass sich das Verhalten von „Steam“ ändern wird.

In der Rheinische Post kommt auf der Online-Plattform „tonight“ der Entwickler des Spiels zu Wort. Der Sinn von Spielen bestehe darin, Dinge zu tun oder zu erleben, die man in der Realität nicht tun könne oder tun sollte. Die meisten Menschen würden zwischen Realität und Fiktion unterscheiden, so der Entwickler mit dem Pseudonym „Desk Plant“.

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