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Finanzkrise steckt noch in den Köpfen: Zurückhaltung im Weihnachtsgeschäft

Finanzkrise steckt noch in den Köpfen: Zurückhaltung im Weihnachtsgeschäft

Finanzkrise steckt noch in den Köpfen: Zurückhaltung im Weihnachtsgeschäft

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Weihnachten
Foto: Andrew Neel/Unsplash

Weihnachten ist für viele die teuerste Zeit des Jahres. In Süddänemark halten sich die Konsumenten dieses Jahr deutlich zurück – während die Bezahlkarte in Kopenhagen lockerer sitzt. Mehr Menschen als früher schenken gar nichts.

Im dritten Jahr in Folge steigt das Weihnachts-Budget der dänischen Bevölkerung. Doch es gibt große regionale Unterschiede, zeigt eine Untersuchung, die Nordea bei YouGov in Auftrag gegeben hat.

Insgesamt wird der Konsum um ein Prozent ansteigen, jeder Haushalt plant, 5.050 Kronen für Weihnachten auszugeben. Davon gehen 1.770 Kronen für Essen, Trinken, Weihnachtsschmuck und den Weihnachtsbaum drauf. Die restlichen 3.280 Kronen werden für Geschenke ausgegeben.

Zwar ist der Weihnachtskonsum seit 2014 stetig angestiegen, doch die Lücke zum Kaufrausch kurz vor der Finanzkrise ist noch immer groß – 17 Prozent mehr (Inflation eingerechnet) gaben die Menschen in Dänemark 2006 und 2007 zu Weihnachten aus.

Die Finanzkrise sei noch immer in den Köpfen und in den Portemonnaies zu spüren, sagt Verbraucherökonomin Ann Lehmann Erichsen von Nordea. Doch es gebe auch „andere Krisen, die die Weihnachtsmuster der Verbraucher beeinflussen – die Klimakrise zum Beispiel. Die Leute kaufen weniger Dinge und mehr Erlebnisse“, sagt sie.

Kopenhagen hat unterdessen die Führungsposition der Regionen eingenommen, in denen die Menschen am meisten für Weihnachten ausgeben wollen. 1.500 Kronen mehr als eine Familie in Mitteljütland wollen die Hauptstadtfamilien im Schnitt ausgeben.

„Es gibt zwei Regionen, in denen die Hauspreise jetzt über der letzten Spitze in den 00er-Jahren liegen, und das sorgt natürlich für lokalen Optimismus“, glaubt Erichsen. Dort sehe man die Krise überwunden und „wenn man ökonomisches Vertrauen hat, dann ist steigender Verbrauch etwas, was man sich verdient hat“, sagt sie.

Mehr Menschen schenken nichts mehr

Die Untersuchung zeigt aber auch, dass immer weniger Menschen diese Einstellung teilen und das mehr und mehr Menschen in Dänemark sich aus dem Geschenkewettlauf verabschieden. Sechs Prozent aller Menschen in Dänemark kaufen überhaupt keine Weihnachtsgeschenke. Im Jahr zuvor waren es noch vier Prozent. Allerdings ist es bei vielen keine ganz freiwillige Entscheidung – die finanzielle Not spielt dabei auch eine Rolle. Denn unter den Haushalten mit den niedrigsten Einkommen steigt die Zahl der Weihnachtskonsumverweigerer besonders rapide. Bei den Haushalten, die Einkommen von mehr als 700.000 Kronen haben, verweigern nur ein Prozent den Weihnachtskonsum.

Die Untersuchung wurde unter 1.011 Menschen in Dänemark über 18 Jahre durchgeführt.

Die Budgets in Dänemarks fünf Regionen (im Vergleich zum letzten Jahr):

  • Nordjütland: 5.540 Kronen (+300)
  • Mitteljütland: 4.510 Kronen (-1.340)
  • Süddänemark: 4.400 Kronen (-560)
  • Seeland: 4.540 Kronen (-70)
  • Hauptstadt: 5.880 Kronen (+1.490)
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