Verkehr

Großer Belt: Ein Sechstel weniger Bahnreisende

Großer Belt: Ein Sechstel weniger Bahnreisende

Großer Belt: Ein Sechstel weniger Bahnreisende

jt
Aalborg/Kopenhagen
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Foto: René Strandbygaard/DSB

Der Zugverkehr in Dänemark büßt weiterhin Passagiere ein. Ein Verkehrsexperte warnt vor den Folgen.

Der öffentliche Personenverkehr in Dänemark steht vor einer großen Herausforderung. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre hat jeder sechste Passagier bei Fahrten über den Großen Belt dem Zug den Rücken gekehrt. Im gleichen Zeitraum hat die staatliche Bahngesellschaft DSB in Jütland und auf Fünen jeden vierten Passagier verloren. Das berichtet die Tageszeitung „Jyllands-Posten“.

Zugleich zeigt der Halbjahresbericht des Betreibers der Großer-Belt-Brücke, dass 3,2 Prozent mehr Autos und 5,7 Prozent mehr Busse die Brücke überquerten. Vieles deutet demnach darauf hin, dass die verlorengegangenen Zugpassagiere auf Auto oder Bus umgestiegen sind.

„Die Verluste im öffentlichen Verkehr sind ein Teufelskreis“, erklärt Verkehrsexperte und Abteilungsleiter beim Arbeitgeberverband Dansk Industri (DI), Michael Svane. Er bezeichnet die Entwicklung als besorgniserregend, weil dadurch die Belastung auf dänischen Straßen vehement zunimmt.

Mehr Staus

„Das hat zur Folge, dass immer mehr Leute in Staus ihre Zeit verschwenden“, so Svane. Sollte die Politik nicht schnellstmöglich eingreifen, befürchtet er, dass sich die Tendenz auch in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Gleisarbeiten und alte Züge seien einige der Gründe, warum viele Bürgersich gegen das Zugfahren entscheiden.

Harry Lahrmann, Verkehrsforscher der Uni Aalborg, sieht das ähnlich. „Man muss ein gutes Bahn-Produkt anbieten und das Autofahren zugleich teurer machen“, so Lahrmann zu „Jyllands-Posten“. Auch die hohen Ticketpreise bei Bahnfahrten hätten potenzielle Passagiere abgeschreckt.

Hinzu kommt ein zunehmender Wettbewerb durch Busgesellschaften wie Flixbus. Diese sieht Lahrmann als Problem für den öffentlichen Verkehr. „Weil sie (private Busgesellschaften, Red.) nun eine Genehmigung für Fahrten über den Großen Belt haben und somit auf einer Strecke fahren, auf der das größte Passagieraufkommen ist, können diese durch ihr günstiges Angebot sich selbstverständlich die Rosinen herauspicken“, erklärt Lahrmann.

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