Öko-Kampagne

LHN-Chef Jørgen Popp: Coop-Hetze passt auch den Ökobauern nicht

LHN-Chef Jørgen Popp: Coop-Hetze passt auch den Ökobauern nicht

LHN-Chef Jørgen Popp: Coop-Hetze passt auch den Ökobauern nicht

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Tingleff/Apenrade
Zuletzt aktualisiert um:
Das Titelblatt des Coop-Magazins Samvirke. Foto: Samvirke

Bauern erbost über die akutelle Öko-Kampagne des Einzelhandelsriesen Hand in Hand mit Danmarks Naturfredningsforening.

Einzelhandelsriese Coop und der dänische Naturschutzbund machen gemeinsame Sache im selbst ernannten „Øktober“. Aber nicht nur den konventionellen Landwirten schlägt es förmlich direkt ins Gesicht, dass eine der größten Einzelhandelsketten bei Danmarks Naturfredningsforening mit auf den Wagen springt und mit einer Art Hetzkampagne gegen das Konventionelle Werbung macht für die Ökologie. Es gibt massive Aufforderungen, den Einzelhandelsriesen zu boykottieren.

Zum Boykott des lokalen Brugsen in Lügumkloster will der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig (LHN), Jørgen Popp Petersen, zwar nicht schreiten: „Aber ich werde mit dem lokalen Laden kommunizieren und fragen, was sie sich dabei denken.“ „Ja, ich ärgere mich – und viele Öko-Bauern tun dies auch. Keiner in der Landwirtschaft wünscht diesen internen Konflikt“, so Popp als Chef eines landwirtschaftlichen Hauptvereins, der landesweit als ökologischer Vorreiter bekannt ist. Der LHN hat eine sehr hohe Quote von Ökologen unter den Mitgliedern. „Ökologie ist eine andere Art Landwirtschaft zu betreiben. Die konventionellen Bauern arbeiten nach geltende Normen und Regeln. Sie tun nur, was erlaubt ist – und tun das gut.

Coop ist doppelmoralisch bis zum Gehtnichtmehr. Wieso verkaufen die dann überhaupt konventionelle Produkte in ihren Geschäften“, fragt Popp Petersen angesichts der doch knallharten Øktober-Kampagne von DN und Coop. Der LHN-Chef stellt fest, dass Coop zwar im Nachhinein gesagt hat, dass man sich mit konventionellen Produkten keine Sorgen machen muss – aber dementiert habe der Konzern nicht nach der Kampagne, die unter anderem von gesundheitsschädlichen Produkten und Pestizid-Verzehr spricht aus herkömmlichem Anbau: „Mit dramatischen Bildern hat man dies bewusst gemacht – und informiert dann erst weiter hinten. Wenn man eine anständige Kampagne hätte fahren wollen, hätte man dies andersrum gemacht.“

Popp Petersen stellt fest, dass sogar der Landesverband der Ökologen sich kritisch über die Art der Werbekampagne geäußert hat. „Kein Bauer ist an so einem internen Konflikt interessiert. Letztendlich muss der Verbraucher entscheiden, was er will. Man sollte da nicht hetzen gegen den einen und auch nicht gegen den anderen“, so Jørgen Popp Petersen.

Merrilds Frau boykottiert

Der Vorsitzende des dänischen Bauernverbandes, Martin Merrild, ist so sauer über die Coop-Initiative, dass er seine Frau dazu aufgefordert hat, nicht mehr in einem Laden der Kette einzukaufen: „Aber das ist meine eigene spontane Reaktion auf die Coop-Kampagne.“ In der heißt es unter anderem, dass die Dänen insbesondere ökologisch kaufen, um Pestizidreste in den Nahrungsmittel zu vermeiden. „Es sollen weniger Pestizide in unser Essen“, so ein anderer Slogan mit dem Ziel, „mehr ökologische Waren auf die Regale zu bringen und die ökologische Produktion zu steigern.“

Das Thema wird in der Oktober-Ausgabe des Coop-Blattes „Samvirke“ entsprechend breitgetreten und mit deftigen Bildern von einer Familie in Schutzanzügen und mit Gasmasken am Esstisch illustriert. Hier heißt es unter anderem: „Pestizide, die gab es auch gestern“ oder „Spritzmittel sind Alltagskost“. Martin Merrild bezeichnet diese Kampagne als hysterisch: Der Wahnsinn habe neue Dimensionen erreicht.

In „Samvirke“ wird zwar notiert, dass alle Pesitzidfunde etc. unter den Grenzwerten liegen – und dass in ausländischen Produkten größere Vorkommen sind. Aber trotzdem wird Besorgnis geschürt im Hinblick auf die herkömmlichen Produkte. Der zuständige CSR-Chef bei Coop, Thomas Roland, hat kundgetan, dass er den Frust der Bauern nicht ganz nachvollziehen kann. Er bedauert aber, dass es Aufforderungen zum Boykott gibt:

„Es ist aber vielleicht nicht so überraschend, denn unsere Erfahrung zeigt, dass es immer heftige Reaktionen gibt, wenn wir Kampagnen über Pesitzide und Ökologie fahren. Das ist ärgerlich, denn unser Vorhaben war es nie, die konventionellen Waren zu verunglimpfen.“ Der Coop-Mann macht deutlich, dass es keinerlei Grund zur Besorgnis gebe wegen Pestizidrückständen in konventionellen Nahrungsmitteln. Man empfehle in keinster Weise, damit aufzuhören herkömmliche Produkte zu verzehren: „Dazu gibt es überhaupt keinen Grund“, so Thomas Roland laut Jyllands-Posten. Man mache sich da nicht zum Richter.

Mehr lesen