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Soldatenverband: 100 Frauen berichten über sexuelle Belästigung

Soldatenverband: 100 Frauen berichten über sexuelle Belästigung

Soldatenverband: 100 Frauen berichten über sexuelle Belästigung

Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Eine Wehrpflichtige der Leibgarde (Archivbild) Foto: Sisse Dupont / Jyllands-Posten / Ritzau Scanpix

Die dänischen Streitkräfte sollten den Umfang der Vorfälle untersuchen, fordert der Verband aktiver und ehemaliger weiblicher Soldaten, „Kvindelige Veteraner“.

Innerhalb von zwei Jahren ist der Verband „Kvindelige Veteraner“ mit rund 100 Frauen in Kontakt gewesen, die von sexueller Belästigung in den dänischen Streitkräften berichtet haben. Das schreibt die Tageszeitung „Politiken“.

Bei den Vorfällen handelt es sich laut Verband um ein breites Spektrum Ausdrucksformen der sexuellen Belästigung von herablassenden Bemerkungen über unerwünschte Berührungen bis hin zu einzelnen Vergewaltigungsversuchen.

Bei den Frauen, die sich an den Verband gewandt haben, handelt es sich sowohl um aktive als auch um ehemalige Angestellte der dänischen Streitkräfte („Forsvaret“). Die Vorfälle seien sowohl in Dänemark als auch während Auslandsmissionen erfolgt.

Sexuelle Belästigung ist ein Straftatbestand und unter anderem ein Mittel zur Machtausübung, bei dem Machtgefälle bzw. Abhängigkeitsverhältnisse einseitig sexualisiert und damit aufrechterhalten werden.

Inhaltlich handelt es sich bei sexueller Belästigung um konkretes, sexuell bestimmtes Verhalten, das unerwünscht ist und durch das sich eine Person unwohl und in ihrer Würde verletzt fühlt. Als sexuelle Belästigung gelten unter anderem sexualisierende Bemerkungen und Handlungen, die entwürdigend bzw. beschämend wirken, unerwünschte körperliche Annäherung, Annäherungen in Verbindung mit Versprechen von Belohnungen und/oder Androhung von Repressalien. Quelle: Wikipedia

Gefühl der Unsicherheit im eigenen Team


Aufgrund der hohen Zahl der Berichte sollte eine gründliche Untersuchung des Umfanges sexueller Belästigung im Verteidigungswesen vorgenommen werden, fordert die stellvertretende Vorsitzende von „Kvindelige Veteraner“, Marie Sihm.

Sie berichtet von weiblichen Soldaten, die berichten, von lüsternen Blicken und Zurufen im Lager verfolgt worden zu sein, wenn sie entsandt waren. Dies könne ein „ziemlich heftiges Erlebnis“ sein.

„Zudem haben wir auch Berichte, bei denen es um gröbere Fälle wie versuchte Vergewaltigung und andere Formen der geschlechtsbezogenen Gewalt geht“, so Sihm zur Nachrichtenagentur Ritzau.

Das Gefühl, sich vor den eigenen Kollegen in Acht nehmen zu müssen, hat die Frauen laut Sihm ebenso sehr beeinträchtigt wie einsatzbezogener Stress.

Keiner der Vorfälle sei angezeigt worden, auch der Verband habe bisher keine weiteren Schritte eingeleitet, sagt sie. „Meiner Erfahrung nach wird nicht gerade zu Offenheit diesbezüglich aufgefordert“, so Sihm.

Streitkräfte offen für Untersuchung

Der Chef der Streitkräfte, Bjørn Bisserup, unterstreicht derweil laut Politiken, dass ihm keine Angaben dazu vorliegen, die auf ein umfassendes Problem hindeuten. Er zeigt sich jedoch offen für eine Untersuchung, wie „Kvindelige Veteraner“ sie fordert.

„Ich bin mir sicher, dass es eine Dunkelziffer gibt, die wir nicht kennen. Und deshalb will ich keinesfalls zurückweisen, dass wir eine Untersuchung durchführen, damit wir auf diesem Gebiet Klarheit bekommen“, sagt Bisserup. Es wäre „vollkommen inakzeptabel“, wenn die vielen Berichte sich bestätigen würden.

2018 hat die Personalabteilung der Streitkräfte neun Fälle von sexueller Belästigung bearbeitet. Daneben hat das Truppendienstgericht („Forsvarets Auditørkorps“) seit 2016 in sechs Fällen wegen sexueller Belästigung Entscheidungen gefällt, ein Fall wird noch verhandelt.

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