Steuerhinterziehung

Steuerbetrügern wird in Dänemark digital auf die Finger geklopft

Steuerbetrügern wird in Dänemark digital auf die Finger geklopft

Steuerbetrügern wird in Dänemark digital auf die Finger geklopft

Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Foto: Scanpix

Die dänische Steuerbehörde Skat hat dieses Jahr einen digitalen Bremsklotz bei der Steuererklärung eingesetzt – und so bereits 26.000 mutmaßliche Schwindelversuche aufgedeckt. Eine gute Methode, meint Steueranwalt Torben Bagge.

Wer bei seiner Steuerklärung schummeln will, der wird in vielen Fällen gleich im Ansatz gestoppt. Eine neue Software der dänischen Steuerbehörde Skat macht dies möglich.

Hierzulande werden die Steuererklärungen seit Jahren schon digital eingereicht. Vieles, was Bürger in anderen Ländern selbst eintragen müssen, weiß der Fiskus hier ohnehin schon – Personennummer und vollständige Digitalisierung des Öffentlichen machen das möglich. Die volle Kontrolle aber gibt es auch in Dänemark nicht, weshalb Steuerhinterzieher auch das durchdigitalisierte Königreich plagen.

Karoline Klaksvig

Karoline Klaksvig

Bereits 26.000 Mal schnappte die Falle zu

Die Maschen im Netz werden allerdings enger. Als vor etwa einer Woche die Steuerbescheide veröffentlicht wurden und Millionen von Dänen vor Nachzahlungen zitterten und auf Rückzahlungen hofften, zappelten bereits Tausende im Netz der Steuerbehörde. Bisher 26.000 Steuerzahler auf Abwegen sind, so berichtet es die Tageszeitung Politiken, bereits erwischt – und auf die rechte Spur gebracht worden.

35 unterschiedliche Alarme, die in das Online-Eingabesystem bei skat.dk eingebaut sind, sorgen dafür, dass Falschangaben gar nicht erst durchkommen. Die Software entdeckt, wenn die Angaben der Steuerzahler nicht mit den Vorliegenden Daten übereinstimmen. „Wir wissen, dass es vielen passiert, dass sie etwas falsch eingeben. Diese digitalen Bremsklötze sollen die Leute vor nervigen Steuernachzahlungen bewahren. Und wir erhalten so die Möglichkeit, die zu erwischen, die bewusst keine Steuern zahlen wollen“, sagt Abteilungsleiterin Karoline Klaksvig von der Steuerbehörde.

Das System spart Ressourcen – und beugt Betrug vor

Wer zum Beispiel eine zu hohe Pendlerpauschale eingibt, wird darauf hingewiesen. Auch wer die Instandsetzung eines denkmalgeschützten Wohngebäudes geltend machen will, wird darauf hingewiesen, wenn er gar nicht in einem solchen Gebäude lebt. Dies spare Ressourcen sowohl bei der Behördenarbeit als auch bei den Bürgern selbst, die dann nicht nachzahlen müssen, so Klaksvig.

Bereits im vergangenen Jahr wurde die Software getestet. 80 Prozent derjenigen, die auf diese Weise „erwischt“ wurden, meldeten sich anschließend nicht bei Skat. Ein Indiz, dass dadurch viele Fehler behoben wurden, meint Klaksvig. Als Beispiel nennt sie den Handwerkerfreibetrag, den viele geltend machen wollten, obwohl er damals noch gar nicht galt.

Auch der Steueranwalt Torben Bagge sieht das neue System durchweg positiv – und er sieht auch einen präventiven Effekt, weil „die, die gestoppt werden, es wohl kaum erneut versuchen werden“. Das zeige auch die Statistik, dass im vergangenen Jahr nur jeder fünfte Steuerzahler, der digital gestoppt wurde, sich anschließend an die Behördenmitarbeiter gewandt hat. „Die wussten durchaus, dass das, was sie da versucht haben, nicht ganz richtig war“, sagt er.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Einseitige Grenzöffnung“