Ausstellung

Kunst für Gleichheit und Gerechtigkeit

Kunst für Gleichheit und Gerechtigkeit

Kunst für Gleichheit und Gerechtigkeit

Nele Dauelsberg
Kopenhagen
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Menschen aller Altersgruppen zog es zur Kunstausstellung „After the silence” („Efter stilheden"). Foto: Nele Dauelsberg

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Sie durchbrechen klassische Rollenbilder und kämpfen in ihrer Kunst für Gerechtigkeit und Freiheit – in der Ausstellung „After the silence“ stellt das Statens Museum for Kunst die Werke von Frauen aus, die ihre Stimme laut werden lassen.

Die Werke haben Kraft, Wut und zeigen auf Missstände. Frauen erheben ihre Stimme. Die neue Ausstellung im Statens Museum for Kunst in Kopenhagen „After the silence“ („Efter stilheden“) bietet einen Raum im Kampf um mehr Frauenrechte und politische sowie gesellschaftliche Kritik.

Dieses Foto von Simone Aaberg Kærn ist auch das Titelbild der Ausstellung. Die Besucherinnen und Besucher können die Künstlerin in ihrem Pilotinnen-Anzug sehen. Foto: Nele Dauelsberg

Die Schau schafft es nicht nur, den Künstlerinnen die Stimme zu geben, die ihnen zusteht, sondern leitet die Gäste durch 100 Jahre politischen Kampf. Von einigen künstlerischen Größen wie Käthe Kollwitz und Hannah Ryggen hängen die Werke an den Wänden. Aber das wohl größte Highlight ist das an Seilen hängende Flugzeug der Künstlerin Simone Aaberg Kærn.

Eine Aussage, die aktuell bleibt

Schon im Eingangsbereich der Ausstellung begrüßt die Besucherinnen und Besucher eine eindrucksvolle Skulptur: Eine Frau steht auf einem Herd, im Hintergrund hängen Fahnen an Besen befestigt, und diverse Haushaltsgegenstände liegen zu ihren Füßen. Es ergibt sich ein Bild, das an Emanzipation, aber auch Rollenbilder und Unterdrückung erinnert.

Diese Installation blickt jedem und jeder beim Betreten der Ausstellung entgegen. Foto: Nele Dauelsberg

Spätestens dort wird klar, dass keine leichte Kost auf die Besucherinnen und Besucher zukommen wird. Dies bewahrheitet sich schnell, denn alle Künstlerinnen beschäftigen sich mit einem übergeordneten Thema: dem Kampf gegen Missstände.

Sie machen auf Ungerechtigkeiten in Kriegen, fehlende Frauenrechte und soziale Ungleichheit aufmerksam. Dadurch sprechen sie Themen an, die nicht nur zum Zeitpunkt der Entstehung der Stücke, sondern noch heutzutage von großer Aktualität sind: Sie treffen mit der feministischen Thematik den Nerv der Zeit.

Kirsten Christensen arbeitet mit einem einzigartigen Material: Mit Keramik schafft sie ihre einzigartigen Werke. Foto: Nele Dauelsberg

Diese schlendern von Werk zu Werk, diskutieren über die Geschichten hinter der Kunst und sind beeindruckt von den starken Persönlichkeiten. Denn eines zeigen die Werke ganz deutlich: Politik und Krieg sind keine Männersache.

Werke aller Art begeistern die Gäste

Webarbeiten, Videos, Drucke und Skulpturen – mit diesen und anderen Mitteln schaffen die Künstlerinnen Werke, die ihr Publikum beeindrucken. Der Kurzfilm „Rapture“ von Shirin Neshat zieht besonders viele Menschen an. In 13 Minuten stellt sie das Rollenbild von Männern und Frauen im Islam gegenüber.

Der Wandteppich „6 October 1942" aus dem Jahr 1943 von Hannah Ryggen beeindruckt Groß und Klein. In dieses Werk arbeitete die Textilkünstlerin wichtige politische Akteure der Zeit wie Adolf Hitler und Winston Churchill ein. Es stellt die Ermordung des Theaterregisseurs Henry Gleditsch durch die Nazis dar. Foto: Nele Dauelsberg

Aber auch andere Ausstellungsstücke sorgen für Staunen und Faszination. Bei den Weberarbeiten von Hannah Ryggen bleiben viele Besucherinnen und Besucher stehen und betrachten ihre riesigen Wandteppiche.

Unter anderem wird das Plakat „Nie wieder Krieg” aus dem Jahr 1924 von Käthe Kollwitz ausgestellt. Während der Friedensbewegung der 1970er und 1980er Jahren griffen die Demonstratinnen und Demonstranten es immer wieder auf und machten es so zu dem berühmtesten Werk der Künstlerin. Foto: Nele Dauelsberg

Insgesamt profitiert „After the Silence“ von der Vielfältigkeit an Werken und Darstellungsformen. Auch die Stücke der bekannten deutschen Künstlerin Käthe Kollwitz, die Keramiken von Kirsten Christensen sowie die Drucke von Dea Trier Mørch sind einige der vielen Highlights der Ausstellung.

Ein Highlight – mit dem Flugzeug um die Welt

Obwohl viele spannende Werke die Besucherinnen und Besucher in den Bann ziehen, ist ein Teil besonders erwähnenswert: die Geschichte der Pilotin und Künstlerin Simone Aaaberg Kæn.

Mit diesem Flugzeug flog die Künstlerin Simone Aaberg Kærn vor 19 Jahren nach Afghanistan. Heute hängt es im Statens Museum for Kunst in Kopenhagen. Foto: Nele Dauelsberg

Im Jahre 2002 flog sie mit dem Kameramann Magnus Bejmar in einem einmotorigen Flugzeug nach Kabul in Afghanistan. Dort erfüllte sie einem 16-jährigen Mädchen den Traum vom Fliegen.

Nun sind ihre Maschine und Ausschnitte aus der Reise im Statens Museum for Kunst ausgestellt. Respekteinflößend hängt das Flugzeug an Seilen befestigt von der hohen Decke. Damit bildet es den krönenden Abschluss der Rundgangs der Ausstellung.

Mit Plakaten macht das Statens Museum for Kunst in Kopenhagen Werbung für die Ausstellung. Foto: Nele Dauelsberg

Ausstellungsinformationen

Die Schau ist noch bis zum 21. November 2021 geöffnet (montags geschlossen).

Ein Ticket kostet 120 Kronen für Erwachsene und 95 Kronen für Personen unter 27.

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