Corona-Maßnahmen

Parteien gegen Restriktionen für Nicht-Geimpfte

Parteien gegen Restriktionen für Nicht-Geimpfte

Parteien gegen Restriktionen für Nicht-Geimpfte

wt/Ritzau/dpa
Kopenhagen/Berlin
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Impfungen sollen in Dänemark freiwillig bleiben, meinen die Parteien. Foto: Dinendra Haria/SIPA/Ritzau Scanpix

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Aktuell wird in Deutschland und anderen Ländern diskutiert, ob Einschränkungen gegen Personen, die sich nicht Impfen lassen möchten, bestehen bleiben sollen. Im Folketing halten mehrere Parteien das für den falschen Weg.

Besondere Restriktionen für Menschen, die sich gegen eine Corona-Impfung entschieden haben, soll es in Dänemark nicht geben. Diese Auffassung vertreten mehrerer im Folketing vertretene Parteien.

In Deutschland ist am Wochenende eine Diskussion über Einschränkungen für ungeimpfte Personen entbrannt. Unter anderen Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, sollte eine vierte Welle der Epidemie in Deutschland drohen.

„Das kann auch bedeuten, dass gewisse Angebote wie Restaurant-, Kino- und Stadionbesuche selbst für getestete Ungeimpfte nicht mehr möglich wären, weil das Restrisiko zu hoch ist“, so Braun.

Der Kanzlerkandidat der CDU, Armin Laschet, hat sich gegen den Vorschlag ausgesprochen.

Parteien befürchten Gegenreaktion

In Dänemark geben die Einheitsliste, die Sozialistische Volkspartei (SF) und die Dänische Volkspartei einem solchen Vorschlag keine Chance.

Der Coronasprecher der linken Einheitsliste, Peder Hvelplund, bewertet dies als einen indirekten Impfzwang, der er als „inakzeptabel“ bezeichnet.

„Ein Teil des Erfolges der dänischen Impfkampagne ist, dass sie von einem hohen Maß an Information und vollkommener Freiwilligkeit geprägt ist“, so Hvelplund.

Am Wochenende meldete das Staatliche Serum Institut (SSI), dass nun die Hälfte der Bevölkerung fertig geimpft ist. In der Gruppe der besonders gefährdeten Menschen sind es 95,3 Prozent.

„Sollten wir auf die eine oder andere Weise Zwangsmaßnahmen einführen, denke ich, dass wir mehr Unterstützung verlieren, als es nützt. Und außerdem gilt auch eine ganz grundsätzliche Freiheitsperspektive. Die Menschen sollen frei entscheiden können“, betont Hvelplund.

Experte hält Idee für unrealistisch

Auf der Gegenseite des politischen Spektrums, bei der Dänischen Volkspartei, sieht man das ganz ähnlich. Gesundheitssprecherin Liselotte Blixt befürchtet, ein solcher Schritt könne die Bevölkerung entzweien.

„Wir haben in Dänemark eine wirklich beeindruckende Zustimmung zu den Impfungen. Daher denke ich, wir sollten stolz darauf sein, dass wir damit umgehen können, dass einige sich dagegen entscheiden. Damit können wir leben“, meint sie.

Die Gesundheitssprecherin der Sozialistischen Volkspartei, Kirsten Normann Andersen, denkt, dass die Idee von Einschränkungen für Nicht-Geimpfte auch in Dänemark auftauchen wird, hält jedoch ebenfalls nichts davon.

„Ich war am Anfang sehr besorgt, als ‚Dansk Erhverv‘ anfing vom Corona-Pass zu sprechen. Da war ich stark dagegen“, verdeutlicht sie ihre Grundeinstellung.

Der Epidemiologe, Professor Emeritus Thorkild Sørensen, hält den Gedanken schlichtweg für unrealistisch.

„Ich glaube nicht, dass man damit in Dänemark durchkommen kann. Als in allem sind wir ja ohne Zwang recht gut gefahren. Meiner Meinung nach kann das keinen Bestand haben“, so seine Einschätzung.

Gesundheitsminister Magnus Heunicke (Soz) befindet sich im Urlaub und steht daher für einen Kommentar nicht zur Verfügung.

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