Bildung

Forscher: Aufgeteilte Schulen bedrohen den Zusammenhalt in Dänemark

Forscher: Aufgeteilte Schulen bedrohen den Zusammenhalt in Dänemark

Forscher: Aufgeteilte Schulen bedrohen den Zusammenhalt in Dänemark

jt/ritzau
Kopenhagen
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Foto: dpa

Immer weniger Schulen haben Schüler aus verschiedenen Einkommensschichten. Das kann das Zusammenhaltsgefühl der dänischen Gesellschaft schwächen, warnt ein Forscher.

Reich trifft auf Arm. Ein immer selteneres Bild in den dänischen Volksschulen, wie eine neue Untersuchung der gewerkschaftlichen Denkfabrik AE (Arbejderbevægelsens Erhversråd) zeigt.

Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Schulen, mit einer gleichmäßigen Verteilung von Schülern aus den verschiedenen Einkommensgruppen gesunken. Wo 2007 noch rund 40 Prozent der Schulen „gemischt“ waren, sind es heute lediglich 28 Prozent, so die Untersuchung. Demnach kommen Kinder immer seltener in Berührung mit Kindern aus anderen sozialen Bereichen, erklärt AE-Analysechef Jonas Schytz Juul.

„Die Untersuchung zeigt uns, dass unsere Gesellschaft vermehrt aufgeteilt wird und dass die Schwelle zwischen Oben und Unten in der Gesellschaft immer größer wird“, so Juul.

Dies kann dazu führen, dass der Zusammenhalt in der Gesellschaft geschwächt wird, meint der Forscher der Universität Aarhus, Martin D. Munk. „Unsere Kinder werden dadurch wahrscheinlich fachlich besser, doch sie verlieren zugleich auch soziale Kompetenzen, weil sie nur Kinder ihresgleichen kennen“, sagt Munk.

Ein großes Problem

Claus Hjortdal, Vorsitzender des dänischen Schulleitervereins, macht sich über die aktuelle Entwicklung an den Schulen sorgen. „Das ist ein großes Problem. Für uns ist es wichtig, dass man in den Schulen auf die unterschiedlichsten Menschentypen trifft“, sagt Hjortdal und ergänzt: „Wir glauben, dass der Zusammenhalt dann gestärkt wird, wenn man andere toleriert und Verständnis für die unterschiedlichen Positionen hat.“

Der Vorsitzende des dänischen Lehrervereins, Andreas Bondo Christensen, stimmt Hjortdal zu. Er nennt einen Grund für den deutlichen Rückgang an „gemischten“ Schulen: „Heutzutage wählen viele Eltern eine Frei- oder Privatschule für ihre Kinder. In der Vergangenheit waren Schulen der Ort, wo man die verschiedensten Menschen aus der Gesellschaft kennenlernte, doch heute laufen wir die Gefahr, dass wir ein solches gesellschaftliche Werkzeug verlieren könnten“, so Bondo.

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