Ausschreibung läuft

Der zweite digitale Briefkasten ist auf dem Weg

dodo/Ritzau
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Foto: Morten Rasmussen/ Ritzau-Scanpix

Innovationsministerin Sophie Løhde hat angekündigt, dass die Bürger in Dänemark sich künftig möglicherweise auf einen zweiten digitalen Briefkasten einstellen müssen: Einen für behördliche Post und einen für Mitteilungen von privaten Stellen. Die Senioren-Organisation Ældre Sagen ist entsetzt.

Post von Krankenhäusern, Banken oder den Behörden kommen in Dänemark mittlerweile auf digitalem Weg. Für viele Bürger – vor allem Senioren – ist es eine große Umstellung gewesen, die Post nicht mehr als Papier in der Hand zu haben, sondern sie am Bildschirm auf dem Smartphone, Tablet oder Computer lesen zu müssen.

In Zukunft könnte es nun noch komplizierter werden.

Wie Innovationsministerin Sophie Løhde (Venstre) mitteilte, ist es möglich, dass die Bürger in Dänemark künftig zwei digitale Briefkästen haben werden: Einen für die Post von den Behörden und einen für Benachrichtigungen von Banken, Versicherungsunternehmen und anderen privaten Stellen.

Neue Ausschreibung

„Ein mögliches Szenario ist, dass Bürger ihre behördliche Post weiter unter borger.dk abrufen, ihre private Post allerdings an anderer Stelle vorfinden werden“, so die Ministerin in einer Antwort an den Finanzausschuss des Parlaments.

Der Grund dafür ist, dass sich die Verteilung der digitalen Post derzeit in der Ausschreibung befindet. Neben dem Unternehmen „e-boks“, dass derzeit für den digitalen Briefkasten der Bürger verantwortlich ist, hat auch das Unternehmen „Netcompany“ ein Angebot abgegeben. Erhält es den Zuschlag, könnte das Szenario mit zwei digitalen Briefkästen Realität werden.

Kritik von Ældre Sagen

Scharfe Kritik kommt von der Senioren-Organisation „Ældre Sagen“. Viele Mitglieder mussten in der Vergangenheit Kurse belegen, um den Umgang mit dem digitalen Briefkasten zu lernen – und dies sei für einen Großteil schon schwer genug gewesen. Jetzt noch einen zusätzlichen hinzuzufügen, ergebe keinen Sinn, sagt der stellvertretende Vorsitzende von Ældre Sagen, Michael Teit Nielsen.

Er glaubt, dass ein zweiter digitaler Briefkasten zu ernsten Konsequenzen für viele ältere Menschen führen kann. „Das birgt ein hohes Risiko, dass wichtige Benachrichtigungen oder Zahlungsaufforderungen übersehen werden“, sagt er.

Sophie Løhde wollte sich laut Nachrichtenagentur Ritzau nicht weiter zu dem Thema äußern. Die Digitalisierungsbehörde sagt, dass nach jetzigem Stand mit der Einführung des zweiten digitalen Briefkastens im März 2021 gerechnet wird.

Mehr lesen