Energie

Milliardengrab Viking Link

Milliardengrab Viking Link

Milliardengrab Viking Link

Kopenhagen
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Lars Christian Lilleholt Foto: Sophia Juliane Lydolph/Ritzau Scanpix

Fachleute warnen vor der Beteiligung des staatlichen Netzbetreibers Energinet an dem Kabel nach England – zumal die dortige Regierung auf Atomenergie und nicht auf Windenergie setzt.

Neue Berechnungen von Fachleuten untermauern Warnungen vor einer Beteiligung in Höhe von elf Milliarden Kronen des staatlichen dänischen Netzbetreibers Energinet an einer Stromkabelverbindung zwischen England und Dänemark.

Brisant an der Investition ist auch, dass der Bau der umstrittenen überirdischen Hochspannungsleitung von der deutsch-dänischen Grenze bei Tondern entlang der Westküste bis ins nördliche Jütland mit dem Bau des Kabels quer durch die Nordsee begründet wird.

Ing.dk berichtet, dass das dänische Engagement durch erwartete Gewinne beim Verkauf dänischen Windstroms in Großbritannien finanziert werden soll. Neue Prognosen weisen jedoch darauf hin, dass die aktuell höheren britischen Strompreise sinken werden, was zu einem Milliardengrab im Zuge des Baus der Kabelverbindung führen könnte. Die neuen Berechnungen stammen von der Gemeinschaft der europäischen Stromtransmissionsgesellschaften, der auch Energinet angehört.

Hinzu kämen die Kosten für die Hochspannungsleitung an Land, gegen die Umweltverbände und Anwohner Sturm laufen, weil nur kleine Abschnitte unterirdisch verlegt werden können.

Energinet sieht weiterhin Milliardeneinnahmen

Beim Netzbetreiber Energinet reagiert man mit einer Darstellung, dass ein Milliardengewinn durch zu erwartende Stromverkäufe ins „teure“ Großbritannien weiterhin gesichert sei.

Bjarne Brendstrup, bei Energinet Leiter der Sparte Systemanalyse, erklärt, man gehe nicht davon aus, dass neben dem britisch-dänischen Kabel viele weitere Kabelverbindungen von Europa nach England gebaut werden, was die Geschäftsidee untergraben würde, von den aktuell hohen britischen Strompreisen zu profitieren.

Sowohl in Dänemark als auch in Großbritannien ist der Bau von Viking-Link beschlossene Sache. 2023 soll der Strom fließen.

Großbritannien: Atom statt Wind

Argument pro Viking Link war stets, dass das Kabel die Versorgung mit grüner Energie in Dänemark stabilisieren könne. U. a. bei Flaute in Dänemark, wenn auf der britischen Insel noch der Wind weht. Allerdings hatte die konservative britische Regierung zuletzt auch wieder den Bau von Atomkraftwerken initiiert, was dem Konzept grüne Energie nicht gerecht wird.


„Wir können Energie auf einem größeren Markt verkaufen, wenn wir Überschuss an erneuerbarer Energie haben“, erklärte der zuständige Klima- und Energieminister Lars Chr. Lilleholt (Venstre) zum Milliardenprojekt, das eine 750 Kilometer lange Kabelverbindung vorsieht. Und mit seiner Aussage, „Viking Link wird es nicht teurer machen, Däne zu sein oder in Dänemark ein Unternehmen zu betreiben“, weist der Minister selbst auf Konsequenzen einer finanziellen Bruchlandung bei Viking Link hin: Die Verbraucher müssten die Kosten über die Stromrechnungen tragen. Gegenüber ing.dk unterstrich Lilleholt, dass er weiter voll hinter dem Milliardenprojekt Viking Link stehe.

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