Politik

Analyse: Minister-Team mit Überraschungen

Analyse: Minister-Team mit Überraschungen

Analyse: Minister-Team mit Überraschungen

Kopenhagen/København
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Staatsministerin Mette Frederiksen präsentierte am Donnerstag vor dem Schloss Amalienborg ihr neues Ministerteam. Foto: Mads Claus Rasmussen / Ritzau Scanpix

Mette Frederiksen hat ein Minister-Team aus Talent und Erfahrung zusammengesetzt. Sie hat auf sichere Karten gesetzt, bei ihrer Wahl aber auch Mut bewiesen.

Beim Blick auf die Minister-Liste der neuen Regierungschefin Mette Frederiksen tauchen viele Namen auf, die bereits von vornherein als Minister-Namen gehandelt wurden. Es gab aber auch faustdicke Überraschungen.

Blitzkarriere für Jeppe Kofod

Die größte Überraschung ist, dass Jeppe Kofod vom Europaparlament direkt in die neue Regierung wechselt und Außenminister wird. Kofod war Spitzenkandidat der Sozialdemokraten bei der EU-Wahl vor einem Monat und erhielt 188.757 persönliche Stimmen. Zwar packt er jetzt seine Koffer in Brüssel, aber für den Außenminister wird die belgische Hauptstadt dennoch ein häufiges Ziel seiner Reisen bleiben. Ein riesiger Karrieresprung für den 45-Jährigen. Bereits in seiner Zeit als Folketingsmitglied (seit 1998) war er außenpolitisch aktiv, und seit 2014 sitzt er im Europaparlament.

Überraschungen entstehen typischerweise dadurch, dass die Regierungschefs neue Minister außerhalb des Folketings ins Regierungsteam holen.

Das gilt auch für die 38-jährige Joy Mogensen, die bislang Bürgermeisterin in Roskilde war und somit ein unbeschriebenes Blatt in der Landespolitik ist. Das ändert sich ab heute, wenn sie Kultur- und Kirchenministerin wird.

Wichtiger Posten für Jesper Petersen

Mette Frederiksens Herausforderung in Verbindung mit ihrer Minderheitenregierung ist unter anderem, dass sie die Minister nur aus den eigenen Reihen heraus benennen kann. Das gleiche Problem hatte übrigens Lars Løkke Rasmussen, als Venstre 2015 an die Macht kam.

Durch die Zusammensetzung ihres Ministerteams schwächt Frederiksen gleichzeitig ihre Folketingsgruppe. Denn auch dort muss ein ganzes Stück politischer Arbeit von gestandenen Politikern geleistet werden. Und so haben zwei potenzielle Minister, der Nordschleswiger Jesper Petersen und Flemming Møller Pedersen, zwar kein Ministeramt, aber die wichtigen Posten als politischer Sprecher und Vorsitzender der sozialdemokratischen Folketingsgruppe bekommen.

Das sind die sicheren Karten

Im Ministerteam befindet sich eine Reihe erfahrener Politiker: Der frühere Bürgermeister in Aarhus, Nicolai Wammen, rückt ins machtvolle Finanzministerium und wird der wichtigste Mann an der Seite von Mette Frederiksen.

Mit Morten Bødskov im herausfordernden Steuerministerium, Astrid Krag im großen Sozial- und Innenministerium, Dan Jørgensen im Ministerium für Klima, Energie und Versorgung, Magnus Heunicke im Ministerium für Gesundheit und Ältere sowie dem Sonderburger Benny Engelbrecht im Verkehrsministerium hat Frederiksen weitere Sozialdemokraten mit bereits vorhandener Ministererfahrung ins Team geholt.

Überraschend ist hier lediglich, dass die Politiker – wie auch Mogens Jensen (Landwirtschaftsminister, Fischerei und Nordische Angelegenheiten) – vielleicht nicht gerade die Ministerien bekommen haben, die von den Medienexperten (und den Politikern selbst?) erwartet wurden.

Junge Generation

Mette Frederiksen hat aber auch auf die nächste Generation von Politikern gesetzt. Peter Hummelgaard wird auf einen schwierigen Posten gesetzt, denn als Beschäftigungsminister muss der 36-Jährige das Wahlversprechen der Sozialdemokraten in Sachen Frührente durchführen – und dafür haben Mette Frederiksen und Co. Bislang keine Mehrheit im Folketing.

Der 33-jährige Simon Kollerup ist eine Überraschung im Wirtschaftsministerium, und auch der 35-jährige Kaare Dybvad übernimmt mit dem Wohnungsbauministerium ein für die Sozialdemokraten wichtiges Ministerium.

Nur sieben Frauen

In der neuen Regierung sind nur sieben von 20 Ministern Frauen. Die „Jugend“ ist dort jedoch gut vertreten: Ane Halsboe-Jørgensen, 36, wird neue Bildungsministerin, während die 34-jährige Lea Wermelin neue Umweltministerin wird.

Alles in allem hat Frederiksen die richtige Mischung zwischen Erfahrung und Talent getroffen – nur in Sachen Gleichberechtigung scheint sie sich einen Faux-Pas geleistet zu haben. So zumindest die ersten Reaktionen auf ihr Minister-Team, in dem nur 35 Prozent der Posten mit Frauen besetzt sind.

Regierungschefin Mette Frederiksen hat ihr Regierungsteam gefunden. Unter den 20 Ministern sind auch faustdicke Überraschungen. Foto: Claus Bjørn Larsen, Ritzau/Scanpix
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