Carl Holst

Holst tritt wieder an – und will Kritiker mit Arbeit überzeugen

Holst tritt wieder an – und will Kritiker mit Arbeit überzeugen

Holst tritt wieder an – und will Kritiker mit Arbeit überzeugen

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Esbjerg/Rödding
Zuletzt aktualisiert um:
Carl Holst Foto: Scanpix

Der gescholtene Venstre-Politiker Carl Holst will sich von Kritik nicht stoppen lassen, denn die habe ihn auch früher nicht zum Aufgeben bewegen können, sagt er im Gespräch mit dem Nordschleswiger. Bei der Nominierung durch die Partei gab es einen Denkzettel.

Der gescholtene Venstre-Politiker Carl Holst will sich von Kritik nicht stoppen lassen, denn die habe ihn auch früher nicht zum Aufgeben bewegen können, sagt er im Gespräch mit dem Nordschleswiger.

Wie erwartet, wurde der umstrittene Carl Holst von der Venstre-Wahlversammlung im Wahlkreis „Esbjerg Umgebung“ erneut und ohne Gegenkandidat zum Folketingskandidaten gekürt. Aber bei 25 Ja-Stimmen erhielt Holst mit zwölf Enthaltungen einen kräftigen Denkzettel.

Holst sieht die „blanken“ Stimmzettel und aufgekommene Kritik als Zeichen einer offenen Diskussion bei Venstre. Er sei froh, dass die Kritiker sich meldeten. Schlimm wäre gewesen, wenn sie zu Hause geblieben wären, weil es keinen Gegenkandidaten gab. Holst versteht die Kritik – auch die Angst davor, dass es schwer werde mit ihm, weil „Volkes Parlament“ über ihn geurteilt habe.

"Nein, Kritik stoppt mich nicht"

„Warum ich trotzdem weitermache? Weil ich auch kritisiert wurde, als ich die grenzüberschreitende Zusammenarbeit intensivierte, das Krankenhauswesen auf die Zukunft ausrichtete, an der Bildung von SønderjyskE mitwirkte – oder an OPP-Projekten. Nein, Kritik stoppt mich nicht. Natürlich höre ich ihr zu. Vieles ist berechtigt – vieles nicht“, so Holst zum Nordschleswiger.

Der Tenor der Holst-Gegner ist, dass der frühere nordschleswigsche Amtsbürgermeister und Regionsvorsitzende zwar ein tüchtiger Politiker sei. Aber Venstre könne es sich einfach nicht leisten, einen Kandidaten ins Rennen zu schicken, der schon längst von „Volkes Parlament“ abgeurteilt worden sei. Zwar habe die Anklagebehörde den Fall Holst zu den Akten gelegt, aber der ehemalige Minister sei in den Augen vieler als „unglaubwürdiger Dummkopf“ abgestempelt worden.

Venstre setzt auf Holsts Arbeitserfolge

Aber der Vorstand des Wahlkreises in Esbjerg hat darauf gewartet, dass der Fall Holst von der Polizei abgeschlossen wurde, hat keinen Gegenkandidaten gesucht und steht einstimmig zu Holst aus Rödding. Er sei nun mal der Beste – obwohl man einräumt, dass da vor der nächsten Folketingswahl eine große Kommunikationsaufgabe wartet, um dem Wähler dies auch nahezubringen. Aber Holst sei in seinen bisherigen knapp zwei Jahren als Folketingsmitglied sehr aktiv und ein großer Gewinn für Esbjerg und Umgebung gewesen.

Der Kreisvorsitzende Jens Vind bedauert, dass der Fall Holst seit Sommer 2015 viel gefüllt hat in den Medien. Dass die Staatsanwaltschaft (auch angesichts der spärlichen Beweislage) keine Grundlage für Anklage gefunden hat, habe weniger Platz eingenommen.

„Ich kenne Holst als richtig guten Menschen, der nicht bewusst etwas falsch machen würde. Ich habe nie das von ihm entstandene Bild, dass er gierig und nimmersatt sein soll, geteilt. Und nun ist der Fall mit der Entscheidung der Polizei abgeschlossen“, so Vind, der gegenüber jv.dk aber einräumt, dass es bergauf gehen wird bis zur Wahl, denn in Esbjerg muss Holst mit Entwicklungsministerin Ulla Tørnæs um die Stimmen kämpfen. Aber man setzt darauf, dass der in Zeiten als Regionsboss als Stimmenmagnet bekannte Holst im ganzen Großkreis punkten kann. Bei der Folketingswahl 2015 holte er mit rund 12.000 persönlichen Stimmen die meisten aller Venstre-Kandidaten im Großkreis Südjütland.

Der Fall Carl Holst

Als Carl Holst im Juni 2015 ins Folketing gewählt wurde, begann für ihn der ganze Schlamassel nach seinem Ausscheiden bei der Region Süddänemark. Erst machte der neue Verteidigungsminister negative Schlagzeilen, weil er völlig legal eine große Abfindung erhalten hatte – trotz anstehenden Ministergehaltes.

Dann wurden Anklagen laut, Holst habe Mitarbeiter der Region – insbesondere seinen persönlichen Helfer Christian Ingemann Nielsen – auf Kosten der Region für Wahlkampfzwecke missbraucht.

Holst wurde zudem in einem Anwaltsgutachten vorgeworfen, Mittel der Region für Abos oder Kurse etc. missbraucht zu haben. Und er habe ein Regime der Angst geführt.

Holst trat schon Ende September 2015 als Minister zurück, während er sich ein paar Monate später vom Folketing beurlauben ließ, als der Regionsrat ihn bei der Polizei anzeigte, weil die Staatsverwaltung festgestellt hatte, dass Ingemann ungesetzlich eingespannt worden war.

Am 31. März 2017 legte der Reichsankläger den Fall Holst zu den Akten.

Zweifel an kritischem Rapport über Arbeitgeber Holst

Neue Informationen wecken erneut Zweifel, ob der sehr kritische Holst-Rapport der Kanzlei Kromann Reumert, der 2015 vom Regionsrat Süddänemarks bestellt wurde, ein korrektes Bild des Wirkens des früheren Regions-chefs, Carl Holst, wiedergibt.

Es zeigt sich laut „Radio24syv“ nämlich, dass aus internen sogenannten MTU-Untersuchungen hervorgeht, dass Mitarbeiter, die eng mit Holst zusammenarbeiteten, mit ihm sehr zufrieden waren. Keine Spur vom Angst-Regime, das ihm die Kanzlei vorgeworfen hat. Die Kanzlei erarbeitete ihren Rapport auf der Grundlage von Interviews mit Mitarbeitern – ohne diese beim Namen zu nennen. Auch die positiven MTU-Analysen waren anonym. Professor Andreas Drejer von der Uni Aalborg hat die MTU-Untersuchungen studiert und stellt fest, dass die Mitarbeiter mit Holst sehr zufrieden waren.

Der Professor wundert sich darüber, dass Kroman Reumert offenbar nie die eigenen Zufriedenheits-Analysen der Region einbezogen in die Untersuchung einbezogen hat. Das sei ihm ein Rätsel, so Carl Holst gegenüber „Radio24syv“. Die Analyse der Kanzlei basiert auf von der Region ausgewählten Mitarbeitern, während die der Region alle umfasst. Holst zeigt sich nahezu erschüttert und stellt fest, dass er in seinen 15 Jahren als Amtsbürgermeister und Regionsboss immer ein gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern hatte.

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