Missbrauch

Eine lang erwartete Entschuldigung

Eine lang erwartete Entschuldigung

Eine lang erwartete Entschuldigung

chu/Ritzau
Kopenhagen
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Poul-Erik Rasmussen (r.) und Arne Roel erhalten heute eine persönliche Entschuldigung der Staatsministerin. Foto: Mads Claus Rasmussen / Ritzau Scanpix

Etwa 30 Jahre lang wurden Waisenjungen im Knabenheim Godhavn in Nordseeland vom Institutionspersonal missbraucht. Am Dienstag entschuldigte sich Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) offiziell bei den Opfern.

Über 14 Jahre lang haben sie dafür gekämpft, jetzt wird es Wirklichkeit: Die Jungen, die früher in dem Waisenhaus „Godhavn“ in Nordseeland vom Personal missbraucht wurden, sind nun erwachsene Männer. Sie bekommen am Dienstag die offizielle persönliche Entschuldigung von Staatsministerin Mette Frederiksen auf Marienborg.

Von 1947 bis 1976 waren die Jungen einer Reihe Übergriffen ausgesetzt, darunter unter anderem sexuellem Missbrauch und medizinischen Versuchen. Gegen die Vorkommnisse wurde nicht vorgegangen, der Staat hatte damals ein großes Versäumnis begangen. Erst nach eingehender Untersuchung wurde aufgedeckt, was sich in dem Knabenheim in Godhavn wirklich abgespielt hatte.

Poul-Erik Rasmussen, Opfer und Vorsitzender des Nationalverbandes „Godhavnsdrengene“, sagte der Nachrichtenagentur Ritzau, dass er sich sehr über die Entschuldigung der Staatsministerin freue. „Wir hatten viele Male eine Entschuldigung in Aussicht, es ist aber nie dazu gekommen“, sagt Rasmussen. „Ich habe immer daran geglaubt. Jetzt wird es passieren, und das ist eine große Erlösung“, so Rasmussen weiter.

Er sehe die Entschuldigung als einen Abschluss der Geschehnisse und hoffe, dass er und die anderen Opfer nun weiterziehen können.

Verjährung rückwirkend aufgehoben

Zuvor hatte Poul-Erik Rasmussen mit der Bitte um Entschuldigung Klage gegen den Staat erhoben, verlor allerdings aufgrund einer Verjährungsfrist. Diese Verjährungsfrist wurde rückwirkend aufgehoben und eröffnet so die Möglichkeit einer Entschädigung für die Betroffenen.

Mette Frederiksen hatte, kurz nachdem sie nach der Wahl im Juni an die Macht kam, eröffnet, dass die „Godhavns-Jungen“ eine offizielle Entschuldigung für die Versäumnisse des Staates erhalten werden.

Dem Fernsehsender TV2 sagte sie: „Einige der schutzbedürftigsten Kinder wurden missbraucht. Sie wurden von den Erwachsenen enttäuscht, die sich um sie kümmern sollten. Die Behörden haben nichts unternommen. Wir können das, was passiert ist, nicht ändern. Aber wir können und müssen daraus lernen. Es war nicht die Schuld der Kinder, das ist es nie. Deshalb ist es höchste Zeit, dass wir uns bei den Opfern entschuldigen.“

Offizielle Entschuldigung auf Marienborg

Am Dienstagmittag entschuldigte sich eine gerührte Mette Frederiksen (Soz.) auf Marienborg offiziell bei den Missbrauchsopfern. „Im Namen unserer Vergangenheit, im Namen unserer Gegenwart und im Namen unserer gemeinsamen Zukunft möchte ich euch allen in die Augen sehen und das einzig Richtige sagen: Entschuldigung."

„Entschuldigung bei jedem von euch, Entschuldigung für das Unrecht, das euch und euren Lieben widerfahren ist. Im Namen von ganz Dänemark: Entschuldigung", so die Staatsministerin weiter.

Poul-Erik Rasmussen sprach in seiner Rede davon, dass Schmerzen und die Erinnerung an sie niemals ganz verschwinden werden. Viele Jahre lang habe er Schuld empfunden. „Das braucht man nun nicht mehr. Dafür hat die Staatsministerin gesorgt", sagte er weiter.

Anmerkung der Redaktion: Abschnitt 8 bis 10 sind hinzugefügt worden.

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