Landwirtschaft

Weniger Antibiotika in der Tierzucht – doch Colistin-Anstieg macht Sorgen

Weniger Antibiotika in der Tierzucht – doch Colistin-Anstieg macht Sorgen

Weniger Antibiotika in der Tierzucht – doch Colistin-Anstieg macht Sorgen

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Schweine
Foto: dpa

Der Verbrauch von Antibiotika in der dänischen Tierzucht ist 2016 deutlich gesunken. Die Entwicklung könnte sich mit dem Ausschleichen von Zink jedoch wieder umkehren. Und der Mehrverbrauch von Colistin ist laut Biologen äußerst problematisch.

Dänemarks Landwirte haben 2016 deutlich weniger Antibiotika für ihre Tiere benutzt als noch 2015. Das zeigt die jährliche Danmap-Überwachung des Staatlichen Serum Instituts SSI, des Veterinärinstituts und des Nahrungsmittelinstituts der Technischen Uni DTU.

Rund fünf Prozent weniger Antibiotika wurden, in Kilogramm gerechnet, an Tiere in dänischen Landwirtschaftsbetrieben verabreicht. Eine positive Entwicklung, meint Flemming Bager, Abteilungsleiter am Nahrungsmittelinstitut der DTU. „Eine Reduktion des Antibiotikaverbrauches ist eine notwendige Voraussetzung um das Problem mit antibiotikaresistenten Bakterien anzugehen“, sagt er. „Die Nahrungsmittelbehörde hat in den vergangenen Jahren mehrere Maßnahmen durchgeführt, um den Verbrauch einzuschränken, und es ist positiv, zu sehen, dass der Verbrauch weiter sinkt“, so Bager.

Nach Antibiotika-Boom seit drei Jahren Rückgang

Drei Jahre in Folge ist der Verbrauch nun gesunken. Im vergangenen Jahr wurde sowohl bei Schweinen, Rindern, Geflügel als auch bei Fischen reduziert. Die Schweineproduktion macht in Dänemark 85 Prozent der gesamten Fleischproduktion aus. Rund 75 der gesamten Antibiotikamenge in der Landwirtschaft gehen an Schweine. Der Rückgang in diesem Bereich betrug 2016 vier Prozent.

Ein Resultat zielgerichteter Arbeit sagt Christian Fink Hansen, Abteilungsleiter im Bauernverband Landbrug & Fødevarer. „Das liegt an dem konstanten Fokus, sich zu verbessern – die Futtermischungen zu optimieren, die Haltung zu optimieren und den internen Infektionsschutz zu intensivieren“, sagt er. Seit 2009 sei der Verbrauch von Antibiotika in der dänischen Landwirtschaft um 25 Prozent gesunken, betont Hansen. Laut Danmap ging diesem Rückgang allerdings ein Anstieg von 62 Prozent in den Jahren 2000 bis 2009 voraus.

Man müsse die zugleich stark angestiegene Produktion berücksichtigen, sagt Hansen, „es sind mehr und mehr Schweine ins Land gekommen“, sagt er.

Mit dem Aus für Zink könnte der Antibiotika-Verbrauch wieder zunehmen

Doch der positive Trend könnte sich schon bald wieder wenden. Denn der Einsatz von medizinischem Zink soll bis 2022 ausgeschlichen werden. Und das könnte die Landwirte dazu bringen, wieder verstärkt auf Antibiotika zu setzen, berichtet Hansen. „Medizinisches Zink wurde angewandt, um Magen-Darm-Leiden bei Ferkeln zu behandeln. Die einzige Alternative sind Antibiotika“, sagt er – und verspricht: „Wir arbeiten beinhart daran, dass der Verbrauch auf niedrigem Niveau gehalten werden kann.“

Colistin-Verbrauch macht Sorgen

Hans Jørn Kolmos, Oberarzt am Uniklinikum Odense, bewertet den Rückgang der Antibiotikamengen positiv. Doch zugleich gebe es eine besorgniserregende Entwicklung. „Der Verbrauch von Colistin in den Schweinebeständen steigt. Das ist ein kritisch wichtiges Antibiotikum, welches wir als letztes Mittel einsetzen sollten, um die sehr resistenten Colibakterien zu behandeln, die von der Außenwelt kommen. Das muss als Problem betrachtet werden“, sagt er.

Jedes Mal, wenn Antibiotika eingesetzt werden, werden die Bakterien, die damit bekämpft werden, abgehärtet – also resistenter. Deshalb sollen die Gesamtmengen reduziert werden. Während der Gesamtverbrauch von 2015 auf 2016 um 3,3 Tonnen zurückging, wurden 40 Kilogramm Colistin mehr eingesetzt, zeigt die Danmap-Untersuchung. Dies sei deshalb besorgniserregend, weil das Mittel als letzter Notnagel gilt.

Kolmos zeigt sich zusätzlich darüber besorgt, dass die Zahl der Menschen, die sich mit Schweine-MRSA infiziert haben, ohne in Kontakt mit Schweinen gewesen zu sein, 2016 angestiegen ist. Von 73 auf 98 Fälle. „Das ist ein Zeichen dafür, dass die Infektionsausbreitung in der Bevölkerung außer Kontrolle ist. Die Bakterien sind aus den Schweineställen raus und infizieren jetzt ganz gewöhnliche Dänen“, sagt Kolmos.

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