Deutscher Schul- und Sprachverein

„Kultur der Mehrsprachigkeit“: Das neue Konzept

„Kultur der Mehrsprachigkeit“: Das neue Konzept

„Kultur der Mehrsprachigkeit“: Das neue Konzept

Katja Elsberger
Knivsberg /Knivsbjerg  
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Über die Förderung von Zwei- und Mehrsprachigkeit referierte Prof. Dr. Georg Gambos aus Klagenfurt. Foto: Karin Riggelsen

Wie können Lehrer eine „Kultur der Mehrsprachigkeit“ im Klassenraum schaffen? Unter anderem mit dieser Frage hat sich der Deutsche Schul- und Sprachverein für Nordschleswig, DSSV, am Donnerstag auf dem Knivsberg auseinandergesetzt. Hauptthema war das neu entwickelte Sprachenkonzept des DSSV.

Das neue Sprachenkonzept des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig ist bald vollendet. Der „Feinschliff“, nämlich Best-Practice-Beispiele für die Lehrer und pädagogischen Mitarbeiter, soll noch in die Strategie eingearbeitet werden. Daher hat der DSSV bei der Mitgliederversammlung am Donnerstag in der Bildungsstätte Knivsberg unter anderem auch Strategieworkshops angeboten.

Von Kindergarten bis Gymnasium

„Unsere Intention mit dem Sprachenkonzept ist, dass es alle Kinder vom Kindergarten bis zum Gymnasium einschließt“, so Käthe Freiberg Nissen, Pädagogisch-Administrative Konsulentin beim DSSV. Ein Leitfaden müsse her, der den Lehrern aller schulischen Einrichtungen der Minderheit an die Hand gegeben wird.

An neue Erkenntnisse angepasst

In Zusammenarbeit mit Camilla Hansen, Leiterin des Instituts für Minderheitenpädagogik des UC Syd in Hadersleben, hat der DSSV das Sprachenkozept überarbeitet und den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst. „Das alte Konzept wurde 2004 geschrieben – das ist fast 20 Jahre her. Es hat mittlerweile neue Entwicklungen in der sprachdidaktischen Forschung gegeben“, erklärte die Lektorin.

Das neue Konzept soll neue Anhaltspunkte und Anregungen für die Lehrer und das pädagogische Personal bieten. Foto: Karin Riggelsen

Neue Anhaltspunkte für Lehrer

Ziel des neuen Sprachenkonzeptes sei es, neue Anhaltspunkte, Anregungen und Inspiration für Lehrer und pädagogische Mitarbeiter zu bieten. Für die zukünftige Gestaltung des pädagogischen Alltags soll die neue Strategie als Grundlage dienen und dem Lehrpersonal dabei helfen, didaktische Materialien zu erarbeiten. Denn: „Der Kontext, in dem Sprache gebraucht wird, ist unglaublich wichtig.“

Dem „Nordschleswiger“ hat Hansen bereits erklärt, dass es Schülern an deutschen Schulen in Nordschleswig helfen kann, Dänisch zu sprechen, um besser Deutsch zu lernen.

„Sprache ist ein grundlegender Teil der menschlichen Existenz“, sagt Camilla Hansen, die die neue Sprachenstrategie mit entwickelt hat. Foto: Katja Elsberger

Mehrsprachigkeit in der Praxis

Mit einem Beispiel verdeutlicht Hansen den Anwesenden, wie komplex Mehrsprachigkeit im Schulalltag sein kann. In kleinen Gruppen sollten sich die Teilnehmer den Ablauf der Photosynthese erklären – was schon schwierig genug ist, wenn man nicht gerade Biologielehrer ist. Hansen setzte aber noch eine Hürde: Das Ganze sollte auf Englisch passieren.

Die Photosynthese erklären, und zwar auf Englisch – nicht so einfach, wie die Teilnehmer feststellten. Foto: Katja Elsberger

Zwei- und Mehrsprachigkeit fördern

„Es braucht Zeit und Übung bis eine Sprache ordentlich gefestigt ist“, erklärte Prof. Dr. Georg Gambos, Erziehungswissenschaftler und Bildungsforscher, der bei der Veranstaltung zum Thema „Zwei- und Mehrsprachigkeit fördern: Emotionale kognitive und strukturelle Aspekte“ referierte. Daher müsse strategisch überlegt werden, wie man Sprache bzw. Mehrsprachigkeit am besten fördern kann.

„Es braucht Zeit und Übung bis eine Sprache ordentlich gefestigt ist“, sagt Prof. Dr. Georg Gambos. Foto: Karin Riggelsen

Positives mit Sprachen verbinden

Wichtig sei vor allem, dass die Kinder mit der Sprache etwas Positives verbinden. Um dies zu verdeutlichen, nannte Gambos das Beispiel einer Kärntner-Slowenin, die slowenisch nicht hören und sprechen wollte, da sie die Sprache mit ihrem „ungeliebten Großvater“ verband. „Durch die Versöhnung mit ihrer Geschichte, mit ihrem Großvater, hat sich die Frau auch mit der Sprache versöhnt“, erzählte der Professor.

Mit einer Sprache müssen die Kinder Positives verbinden, so Georg Gambos. Foto: Karin Riggelsen

Zusammenarbeit mit den Eltern

Umso wichtiger sei, dass die Lehrer viel mit den Eltern zusammenarbeiten und ein Selbstbewusstsein für die sprachliche Identität schaffen. Die Umgebung müsse eine „Kultur der Mehrsprachigkeit“ sein. Zum Lernen der Sprache und für die Persönlichkeitsentwicklung brauchen die Schüler einen „sicheren Ort“, erklärte Gambos. Es sei wichtig, sich zu fragen: „Wie kann ich einem Kind Sicherheit geben, sodass es den Schritt in die Mehrsprachigkeit wagt?"

Wie Kinder Sprachen lernen, unterscheidet sich stark: Konzeptlerner, so Gambos, wollen alles richtig machen. „Sie schweigen relativ lange und bilden schließlich gute Sätze.“ Manche Kinder würden einfach drauflosplappern und so Fortschritte machen.

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