Gesundheit

Studie: Die offiziellen Ernährungs-Empfehlungen helfen nicht jedem

Studie: Die offiziellen Ernährungs-Empfehlungen helfen nicht jedem

Studie: Die offiziellen Ernährungs-Empfehlungen helfen nicht jedem

cvt
Kopenhagen
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Gemüse
Foto: Alexandr Podvalny/Unsplash

Nur wer die passende Darmflora hat, nimmt tatsächlich beim Befolgen der offiziellen Ernährungs-Empfehlungen ab. Das zeigt eine neue Studie der Uni Kopenhagen, berichtet Science Report.

15 Prozent der Erwachsenen in Dänemark sind inzwischen schwer übergewichtig. Auch weltweit nehmen immer mehr Menschen immer mehr zu – während zugleich gesunde Ernährung, Fitness und Wege zum Wohlbefinden immer stärker propagiert werden. Weltweit veröffentlichen Behörden Ernährungs-Empfehlungen – so auch in Dänemark. Doch die offiziellen „kostråd“ wirken längst nicht bei jedem. Das zeigt eine Studie der Uni Kopenhagen.

Obst, Gemüse und Vollkorn – nicht bei jedem hilft das

Diese wies einen Zusammenhang zwischen den Darmbakterien und der Fähigkeit, abzunehmen, nach. Die Untersuchung des Instituts für Sport und Ernährung zeigte, dass einige Probanden, die den offiziellen Ernährungs-Empfehlungen folgten, nicht abnahmen. Und das, obwohl sie viel Obst und Gemüse aßen, Ballaststoffe und Vollkorn ganz nach Empfehlung zu sich nahmen.

Die Darmbakterien des Menschen spielen „eine große Rolle dabei, welche Ernährung die beste ist, abzunehmen“, sagt Arne Astrup, Leiter des Institutes, zu Science Report. In der Untersuchung hatten die Forscher die Probanden in zwei Gruppen unterteilt – auf Grundlage von Stuhlproben. In die eine Gruppe kamen Personen, die besonders viele Prevotella-Bakterien in ihren Därmen hatten – in die andere Gruppe wurden diejenigen eingeteilt, die ein Übergewicht an Bacteroides-Bakterien aufwiesen. Anschließend wurden die Probanden aufgefordert, 26 Wochen lang den offiziellen dänischen Ernährungs-Empfehlungen zu folgen.

Ein halbes Jahr später wurden die Ergebnisse miteinander verglichen. Es zeigte sich, dass die Probanden mit einem Übergewicht an Prevotella-Bakterien im Schnitt 3,5 Kilogramm mehr abgenommen hatten als die Kontrollgruppe, die im gleichen Zeitraum ganz gewöhnliche dänische Alltagskost gegessen hat. Die Gruppe mit einem Übergewicht an Bacteroides-Bakterien jedoch wies überhaupt keinen Gewichtsverlust auf.

Nur die Hälfte der Bevölkerung kann durch empfohlene Diät abnehmen

„Bisher hat man geglaubt, dass die offiziellen Ernährungs-Empfehlungen jedem nützen, der abnehmen möchte, doch die Untersuchung zeigt, dass es nur die Hälfte der Bevölkerung ist, die abnimmt, wenn die den Empfehlungen folgt“, sagt Mads Fiil Hjorth vom Institut für Sport und Ernährung. „Bei der anderen Hälfte hat es offenbar keine Auswirkungen auf das Gewicht. Das ist eine große Überraschung“, so der Hauptautor der Studie zu Science Report.

Er glaubt, dass diese Erkenntnis große Auswirkungen auf die Essgewohnheiten der Menschen in Dänemark haben könnte. Schließlich könnte sie dazu führen, dass die Ernährungs-Empfehlungen nun umgeschrieben werden.

Kollege mahnt zu Vorsicht

Noch vor zehn Jahren war das Wissen über Darmbakterien äußerst begrenzt. Doch inzwischen sind Forscher überzeugt, dass es nicht nur unsere Gene sind, die über eine Erkrankung wie Fettleibigkeit entscheiden. Geraten die Darmbakterien aus dem Gleichgewicht, kann dies zu Erkrankungen führen, sagt Oluf Borbye Pedersen vom Metabolismuszentrum der Uni Kopenhagen.

Er möchte jedoch abwarten, bis weitere Studien die Untersuchung des Institutes für Sport- und Ernährung bestätigen: „Zweifellos beeinflussen uns die Darmbakterien auf viele verschiedene Arten. Aber unser Wissen ist noch sehr neu und wir wissen noch nichts über die ebenso vielen Viren und Pilze, die sich auch im Darm befinden. Das ist ein derart komplexes Ökosystem und wir erfassen nur einen kleinen Teil davon, es werden also Jahre vergehen, bis wir ein tiefergehendes und relevantes Wissen haben, das dazu genutzt werden kann, die Gesundheit zu fördern.“

„Ich war lange genug in der Welt der Forschung und habe viele dieser sogenannten ‚Durchbrüche‘ gesehen, bei denen sich herausstellte, dass sie in größeren und längeren Forschungsprojekten nicht bestätigt werden konnten.

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