Abschied

Der Tod und die Trauernden – eine Familie rüttelt auf

Der Tod und die Trauernden – eine Familie rüttelt auf

Der Tod und die Trauernden – eine Familie rüttelt auf

Herlev
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Symbolbild Foto: DPA

Lasse Lüders starb vor einem halben Jahr an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS. Ina Lüders ist mit dem Tod ihres Mannes Lasse in die Öffentlichkeit gegangen. Ein Fernsehteam begleitete die Familie über eineinhalb Jahre.

„Wenn ein Mitglied sterbenskrank ist, betrifft das nicht nur die eine Person. Sondern die ganze Familie. Doch es gibt kaum Hilfsangebote! Ich will darauf aufmerksam machen, was es mit einer Familie macht. Wie eine Diagnose die gesamte Familie krank macht, nicht nur die Person, die stirbt.“

Ina Lüders geht mit dem Tod ihres Mannes Lasse öffentlich um. Genau ein halbes Jahr ist er her, der Tod von Lasse Lüders. Der vierfache Familienvater starb am 29. April 2018 an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose).

In den anderthalb Jahren vor Lasses Tod hat die Familie ein Fernsehteam von DR1 am gemeinsamen Abschiednehmen teilhaben lassen. Montagabend wurde der erste von zwei Teilen ausgestrahlt. „Ich bin nervös“, so Ina Lüders vor der Ausstrahlung gestern Abend.

In der Reportage steht sie im Mittelpunkt. Ihre Liebe zu Lasse, wie sich die Krankheit auf die Beziehung auswirkt, „die ganze Problematik, wie eine tödliche Krankheit eine Liebe verändert, eine ganze Familie auf den Kopf stellt“, so Ina Lüders.

„Ich habe mich so furchtbar allein gefühlt"

Warum haben sie beschlossen, ein Fernsehteam an ihrer letzten Zeit teilhaben zu lassen? „Ich habe mich so furchtbar alleine gefühlt. Daher will ich auf das Thema aufmerksam machen. Ich will den Tod aus der Tabuzone holen, darüber reden, auf die Nöte von Angehörigen aufmerksam machen. Ich will, dass Angehörigen in Zukunft geholfen wird, wenn sie es brauchen. Nicht erst, wenn die Person tot ist, sondern sobald die Diagnose steht“, sagt Ina Lüders, die mittlerweile mit ihren vier Kindern in eine Reihenhauswohnung nach Herlev gezogen ist.

Eine ermutigende Rückmeldung von einer Stiftung für Muskelschwund hat sie bereits erhalten: Die Stiftung will die Betreuung von Angehörigen intensivieren und hat mit Ina Lüders darüber gesprochen. Laut nationalem Trauerzentrum („Nationale sorgcenter Børn, Unge og Sorg“) dauert es derzeit bis zu 14 Monate, bis ein Kind oder Jugendlicher nach einem Trauerfall Hilfe in einer Trauergruppe erhält. 8 von 10 Hinterbliebene vermissen Gespräche, 10 bis 15 Prozent aller trauenden Angehörigen werden aufgrund ihrer nicht verarbeiteten Trauer krank, zeigen Zahlen des Zentrums. „Ich will mich dafür stark machen, dass die Trauerhelfer nach Hause kommen, dass ein solches Angebot entsteht“, sagt Ina Lüders, die als Lehrerin arbeitet und in Tingleff aufgewachsen ist. Gemeinsam mit einer weiteren Trauernden will sie „Trauerschwestern“, also Krankenschwestern für Trauernde, ins Leben rufen.

  • DR1, Montag, 5. November, 20.45 Uhr: „Mens døden os skiller“
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