Heimatkunde

Deutsch-dänische Geschichte in Dänisch Wohld

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Altenhof
Cay Friedrich von Reventlow erbaute 1722-1728 Altenhof. Dessen Nachkommen hatten höchste Staatsämter im Gesamtstaat inne. Foto: Volker Heesch

Die Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig besuchte die Herrenhäuser Altenhof, Hohenlieth und Borghorst. Auf der Reise wurden auch die Wirkungsstätten bedeutender Persönlichkeiten besichtigt.

Die Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig besuchte die Herrenhäuser Altenhof, Hohenlieth und Borghorst. Auf der Reise wurden auch die Wirkungsstätten bedeutender Persönlichkeiten besichtigt.

Herrenhäuser, deren einstige Besitzer und Bewohner teilweise bedeutende Rollen in der deutsch-dänischen Geschichte gespielt haben, aber auch herausragende Beispiele der Baugeschichte des Landes und die heutige Nutzung von Gutsbetrieben waren Thema während der Tagesfahrt der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig (HAG) in den Dänischen Wohld.

Der südöstlichste Teil des einstigen Herzogtums Schleswig zwischen Eckernförder und Kieler Bucht war bereits Thema der Jahrestagung der HAG in der Akademie Sankelmark gewesen. Rund 40 HAG-Mitglieder wurden schon bei der Anfahrt zur ersten Station, dem Gut Altenhof bei Eckernförde, vom HAG-Vorsitzenden Lorenz P. Wree, in die Besitzverhältnisse der Besuchsziele und entsprechender Familiengeschichte eingeführt. Hausherr Felix von Bethmann-Hollweg, Enkel von Marie Louise von Reventlow, die den seit 1691 im Besitz der Adelsfamilie Reventlow befindlichen Besitz Altenhof 1938 geerbt hatte, führte die HAG-Gruppe durch die reich ausgestatteten Räume des Herrenhauses.

Er stellte u. a. die Bibliothek seines Vorfahren Detlev Graf von Reventlow (1712-1783) vor, der nach Studien an mehreren Universitäten in die Dienste des dänischen Königshauses getreten war. Er ist bekannt als Erzieher des Königs Christian VII. und Mitwirkender am dänisch-russischen Vertrag von Zarskoje Selo, der 1773 die Herzogtümer Schleswig und Holstein vollständig dem dänischen Gesamtstaat zuführte. Reventlov war auch in die Struensee-Regierung 1770-1772 verwickelt. Bei Aufstieg Struensees an die Spitze des Reiches hatte Reventlow alle seine Ämter verloren.

Kornscheune
Die Kornscheune von Altenhof, wo lange Milchvieh dominierte. Foto: Volker Heesch

Die Reventows spielten zentrale Rollen bei der Bauernbefreiung

Der Sohn Detlev von Reventlows, Cay Friedrich (1753-1834), der Altenhof übernahm, spielte ebenso wie sein Bruder Fritz eine bedeutende Rolle bei der Bauernbefreiung in Schleswig-Holstein um 1800, die Vorbild für Reformen u. a. in Preußen wurde. Cay Friedrich von Reventlow war Nachfolger seines Schwiegervaters A. P. Bernstorff als Leiter der Deutschen Kanzlei in Kopenhagen. Im Gutshaus konnte unter den vielen Gemälden auch das Porträt Julia von Reventlows (vermutlich von Angelika Kauffman gemalt) in Augenschein genommen werden. Die Tochter des dänischen Finanzministers Schimmelmann ist als Gattin Fritz von Reventlows auf Gut Emkendorf als zentrale Figur des dort wirkenden literarisch-politischen Kreises in die Geistesgeschichte des Landes eingegangen.

In der nächsten Generation spielte wiederum Theodor von Reventlow (1801-1873) eine bedeutende Rolle. Zunächst Mitglied in den Ständeversammlungen Schleswigs und Holsteins, war er nach dem Beginn der schleswig-holsteinischen Erhebung 1848 Mitglied der provisorischen Regierung geworden und Präsident der gemeinsamen Regierung, . Er stellte sich 1863 den Anhängern des Herzogs von Augustenburg und eines unabhängigen Schleswig-Holsteins entgegen und plädierte für den Anschluss an Preußen.

Während des Aufenthaltes auf Altenhof informierte Clara Franz die HAG-Gruppe besonders über die Baugeschichte des Herrenhauses, das in Nachbarschaft des trockengelegten Goossees liegt und dessen Ländereien erst durch Bau eines Deiches im 16. Jahrhundert vor Ostseesturmfluten geschützt ist. Das neue Herrenhaus war vier Meter über dem Meeresspiegel gebaut worden, nachdem der Vorgängerbau oft unter Wasser gestanden hatte. Sie berichtete über Einrichtung einer Holländerei im Zuge des Ausbaus der Gutswirtschaft. Gestützt auf eingewanderte niederländische Fachleute, wurde so Anfang des 18. Jahrhunderts eine einträgliche Milchwirtschaft mit Herstellung von Butter und Käse eingerichtet. Bis in die 1960er Jahre waren noch Kühe im Stall, daran erinnert das imposante Kuhhaus, das inzwischen u. a. für Konzerte des Schleswig-Holstein Musik Festivals genutzt wird. Das 1722 erbaute Herrenhaus war 1861/1863 durch Anbauten erweitert worden und hatte einen Turm erhalten. Diese Umbauten verschwanden größtenteils wieder beim erneuten Umbau 1904/1910.

Nach dem Aufenthalt auf Altenhof ging es weiter nach Hohenlieth, zum herrlichen Mittagessen in Dibberns Gasthof nach Osdorf und nach einem Besuch in der Kirche von Krusendorf, die1733-1737 als Nachfolgerin einer ins Meer gestürzten Kirche gebaut wurde, zum Gut Borghorst.

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