Flensburg

Problem-Knotenpunkt in Flensburg: „Der Neumarkt ist furchtbar“

Joachim Pohl, shz.de
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Der Neumarkt in Flensburg. Foto: Michael Staudt (SHZ)

Ein 14-Jähriger stirbt bei einem Fahrradunfall. Das Unglück rückt einen unübersichtlichen Verkehrsknotenpunkt wieder in den Fokus.

Der tragische Unfalltod eines 14-jährigen Radfahrers am Neumarkt hat diesen riesigen, unübersichtlichen Verkehrsknoten wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Dabei geht es einerseits um die Frage, ob man die Abzweigung der Husumer Straße vom Neumarkt, wo der Unfall geschah, kurzfristig entschärfen und sicherer machen kann. Andererseits ist der gesamte Knoten vor allem für Radfahrer ein großes Ärgernis; aus stadtplanerischer Sicht zudem alles andere als optimal.

Dabei gab es vor zehn Jahren schon einmal recht detaillierte Pläne einer kompletten Umgestaltung. Sie hätte den Hauptverkehrsstrom an die Nordseite, also zum Rathaus, verlegt. Die Husumer Straße und die Schleswiger Straße wären dann ganz normale Einmündungen gewesen. Gleichzeitig sollte die Husumer Straße auch im unteren Bereich wieder in beiden Richtungen befahrbar sein; dadurch würde die untere Schleswiger Straße entlastet werden. Doch die Pläne verschwanden in der Versenkung; heute kann sich kaum noch jemand an sie erinnern. Der Grund sei eine „fehlende Förderkulisse“ für die Umsetzung, so Stadtsprecherin Asta Simon.

Derzeit steht das Thema nicht auf der Agenda. „Denkansätze“ könnten aber in der regionalen Verkehrsplanung und im Masterplan Mobilität Berücksichtigung finden, so Asta Simon.

Doch womöglich gibt es beim Thema Neumarkt bald Anschub aus der Politik. „Der Neumarkt ist furchtbar, vor allem für Radfahrer“, sagt CDU-Ratsfraktionschef Arne Rüstemeier. Man komme von der Innenstadt nicht vernünftig in Richtung Bahnhof sowie Schleswiger und Husumer Straße. „Wir müssen uns um den Neumarkt kümmern“, sagt er.

Das gilt auch für die Einmündung Husumer Straße / Neumarkt. Aus polizeilicher Sicht ist es kein Unfallschwerpunkt. „Wir haben aber das Gefühl, dass es hier gefährlich ist“, so Rüstemeier. Nach dem Unfall hat Oberbürgermeisterin Simone Lange das Thema zur Chefsache gemacht. „Mir liegt das Thema am Herzen“, sagt sie. Es habe eine Verkehrsbegehung gegeben, sie habe eine Arbeitsgruppe einberufen, die sich um diesen und um viele andere Radwege in der Stadt kümmern soll.

Ratsherr Pelle Hansen (Grüne) beschreibt das Dilemma: Verkehrstechnisch sei an der Einmündung alles in Ordnung: eigener Radweg, eigene Ampel für Radfahrer. „Ja, die Kreuzung ist richtig geregelt.“ Das Problem liege tiefer: „Der Verkehrsraum spricht eine falsche Sprache“, sagt er. Er stamme aus den 60er Jahren und sei komplett autozentriert. „Der Verkehrsraum muss eine Sprache sprechen, die jeder versteht. Die dem Autofahrer sagt, Du musst hier mit Radfahrern und Fußgängern rechnen.“

Es gebe viele Kreuzungen in Flensburg, die ähnlich gefährlich seien wie die am Neumarkt. Gefährliche Begegnungen gebe es jeden Tag „hundertfach“, er selbst hatte auch schon einmal Kontakt mit einem Auto, ohne die Polizei zu informieren. „Als Radfahrer erlebt man in Flensburg täglich Beinahe-Unfälle“, sagt Pelle Hansen.

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