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Deutsch-dänische Ausstellung: Wie Künstler die Grenze sehen

Deutsch-dänische Ausstellung: Wie Künstler die Grenze sehen

Deutsch-dänische Ausstellung: Wie Künstler die Grenze sehen

shz.de
Kiel
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Die Kuratoren Renate Basten und Jürgen Baum mit einem Flaggenobjekt von Ina Steinhausen und Inga Momsen. Foto: Jens Rönnau

Im Kieler Flandernbunker gibt es bis zum 9. August eine Ausstellung zum Thema deutsch-dänische Grenze.

Irgendwie durfte es wohl nicht fehlen: das Wildschwein. 35 Kilogramm schwer säumt die hölzerne Comicfigur auf einem drehbaren Sockel die Kunstausstellung zum 100-jährigen Jubiläum der deutsch-dänischen Grenze.

Im Kieler Flandernbunker gibt es noch bis zum 9. August den Blick durch die künstlerische Brille auf dieses Ereignis wie auf das Thema Grenze im Allgemeinen – historisch, kritisch und ironisch.

Nach dem pandemiebedingten Lockdown war diese Schau einer der ersten Neueröffnungen im Lande – sie wird als Wanderausstellung demnächst auch grenzüberschreitend.

38 Künstler stellen aus

Fast 100 Künstlerinnen und Künstler hatten sich um eine Ausstellung beworben, von denen nun 38 jurierte Positionen in den unterschiedlichsten Techniken gezeigt werden: Malerei, Fotografie, Zeichnungen, Holzschnitte, Collagen, Skulpturen, Keramiken und ein Sound-Objekt.

„Nix wie weg“ nennt der Bildhauer Peer Oliver Nau aus dem mecklenburgischen Schattin sein davonrennendes Wildschwein, das er zugleich kritisch und humorvoll auf den neuerlichen Schweine-Zaun an der eigentlich offenen Grenze zwischen Deutschland und Dänemark bezieht.

„Find Tyskerne! Finde die Dänen!“

Auch andere arbeiten mit Ironie und Sarkasmus: M.u.kepno alias Matthias Kempendorf hat private Fotoalben aus dem Grenzlandgebiet durchforstet und zeigt daraus einen Bilderblock. In dessen Mitte aber fordert er die Besucher zweisprachig heraus: „Find Tyskerne! Finde die Dänen!“ Man kann dazu sogar „Stimmzettel“ ausfüllen und in eine Box werfen.

Scheinbar belanglos wirkt ein Bild mit einer Reihe stilisierter Tulpen von Christa Landig – bis man gewahr wird, dass die Blumen zwar für Friedlichkeit stehen, als zwei Reihen aber doch auch auf das Trennende verweisen.

Und während Hakon Lund Jensen eine farbige „Grænsebomme“ (Grenzbarriere) als Bronzeplastik gestaltet, haben sich Ina Steinhausen und Inga Momsen zusammengetan und eine bunte Fahne aus den sieben Farben der beiden Nationen gewoben – als „verbindende Flagge der Region“.

Wanderausstellung zieht bald weiter

Die Ausstellung, zu der auch ein Katalog erschienen ist, wird von Renate Basten und Jürgen Baum kuratiert. Sie wird vom Land Schleswig-Holstein, der Mads-Clausen-Foundation, dem Sydslesvigsk Forening und dem Kreis Rendsburg-Eckernförde gefördert.

Vom Kieler Flandernbunker wandert die Schau ab 17. August zur Galerie Nexus im dänischen Tingleff, später nach Schleswig (September bis November im Museum für Outsiderkunst), Sonderburg (November bis Dezember im X-Bunker) und Rendsburg (im Frühjahr im Atelier 4und20).

In Kiel ist sie noch bis zum 9. August, montags bis freitags von 11 bis 15 Uhr und sonntags von 11 und 17 Uhr zu sehen.

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