Leitartikel

„Abschließen ist ein Trugschluss“

Abschließen ist ein Trugschluss

Abschließen ist ein Trugschluss

Apenrade/Aabenraa
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Nach der Explosion nahe einer Steuerbehörde in Kopenhagen spricht sich Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) auch für eine stärkere Grenzkontrolle zum Nachbarland Schweden aus. Das jedoch würde ein falsches Signal senden und Panik verursachen, findet Gwyn Nissen.

Wenn sich zeigen sollte, dass die beiden tatverdächtigen Schweden wirklich das Sprengstoff-Attentat gegen die Steuerbehörde in Kopenhagen verübt haben, dann hat die dänische Polizei gute und schnelle Aufklärungsarbeit geleistet. Eine Woche nach dem Anschlag sitzt der eine Schwede bereits hinter Gittern, während nach dem anderen international gefahndet wird.
Das Motiv ist noch unbekannt, und ob die beiden Schweden andere der insgesamt acht Sprengstoff-Anschläge in Kopenhagen auf dem Gewissen haben, wird sich erst zeigen.


Nicht ganz so überzeugend ist die Reaktion der Politik. Die neue Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) hat den Anschlag als politisches Geschenk angenommen und zeigte diese Woche angeblich Handlungsfähigkeit: Nun müsse auch die Grenze nach Schweden besser bewacht werden. Damit punktet sie sogar bei der Opposition. Für die rechts-konservative Dänische Volkspartei können die verschärften Kontrollen nicht schnell genug kommen, und auch die frühere liberale Regierungspartei, Venstre, will „konstruktiv mitarbeiten“.

Aber sind verschärfte Grenzkontrollen – und was sie an Kosten mit sich führen – überhaupt notwendig, bevor wir wissen, was hinter dem Verbrechen steckt.

Es ist nicht so, dass die Verbrecher in Schweden heute Schlange stehen, um auf der anderen Seite des Öresund Kriminalität zu begehen. Und auch wenn es Grenzkontrollen gegeben hätte: der in Malmö inhaftierte Schwede hat kein Vorstrafenregister und würde bei einer Grenzkontrolle – wenn er denn überhaupt kontrolliert werden würde – kaum auffallen.

„Das Ziel sind die Kriminellen – es sind nicht die vielen Pendler oder Leute, die kreuz und quer reisen“, sagte Frederiksen zu den geplanten Kontrollen.
Aber das ist genau das, was passieren wird: Ich und du werden in den Kontrollen zur Seite genommen oder müssen täglich im Stau an der Grenze stehen. Und wie dumm sind die Verbrecher? Die meisten Kriminellen sind zu schlau, um direkt an der Grenze mit Waffen, Dynamit oder Drogen aufzufliegen.

Die Grenzkontrollen nach Schweden wären ein weiteres Symbol und eine weitere Panikmache vonseiten der Politik. Als nächstes gibt es womöglich Zäune gegen Elche (einer hat es schon Mal über den Sund geschafft), angeheiterte schwedische Touristen und Ikea-Möbel. Dänemark schließt sich zunehmend ein und wähnt sich in Sicherheit. Welch ein Trugschluss.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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