Leitartikel

„Einsamer Dorfsheriff“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Eine politische Mehrheit will die Dorfpolizisten zurückbringen. Die dänische Provinz braucht nicht mehr Polizeiwachen, die mit Personal besetzt werden müssen und somit noch mehr Beamte an den Schreibtisch binden, sondern wir benötigen gute Ideen, um neuen Herausforderungen gewachsen zu sein, meint Gwyn Nissen.

Der Dorfsheriff ist vielleicht wieder auf dem Weg zurück. Kaum sind sie abgeschafft worden, reiten sie vielleicht wieder in die Stadt hinein. Eine politische Mehrheit im Folketing, bestehend aus Venstre, Sozialdemokraten und der Dänischen Volkspartei, will Polizisten und Bürger einander wieder näher bringen.

Zunächst sollen östlich der Großer-Belt-Brücke 14 neue Polizeiwachen auf dem Lande entstehen. Die meisten Dorfpolizisten verschwanden mit der Polizeireform vor 12 Jahren, doch dadurch ist der Abstand zur Polizei angeblich zu groß geworden. Außerdem ist die Anzahl der Bürger in Dänemark, die sich geborgen fühlen, innerhalb von fünf Jahren – laut der neuesten Studie – von 88,5 auf 85,7 Prozent gefallen. Dennoch ist Dänemark, was Geborgenheit angeht, europaweit führend, zeigt eine Studie, die vor einigen Jahren von Eurobarometer durchgeführt wurde.

Mehr Polizei ergibt Sinn. Keine Frage. Die Beamten stehen einer immer kreativer und effizienter werdenden „Branche“ gegenüber. Aber seien wir mal ehrlich: dagegen wird der Dorfpolizist kaum etwas tun können.

Venstre, Sozialdemokraten und DF wollen damit allerdings signalisieren, dass sie etwas für die Geborgenheit der Bürger tun (eine Geborgenheit, die, wie wir wissen, zu den höchsten in Europa gehört).

Die dänische Provinz braucht nicht mehr Polizeiwachen, die mit Personal besetzt werden müssen und somit noch mehr Beamte an den Schreibtisch binden. Wir benötigen gute Ideen, wie zum Beispiel auf Lolland-Falster, wo die nächstgelegene Polizeiwache (die inzwischen ganz schön weit weg liegen kann) mit Geborgenheits-Botschaftern vor Ort zusammenarbeitet.

Und dann brauchen wir vor allem mehr Beamte, die bei der Aufklärung von Kriminalität eingesetzt werden können. Dorfpolizisten oder reitende Beamte (auch das ist ein Vorschlag der Politik) ergeben heute keinen Sinn. Die Polizei muss erreichbar sein und sie muss die aktuellen Probleme (= die Geborgenheit) der Bürger ernst nehmen. Darüber hinaus muss sie aber starke Einheiten bilden, die gegen Internetkriminalität und organisiertes Verbrechen vorgehen können.

Die Zeiten des einsam reitenden Sheriffs sind vorbei, denn die Gauner sind woanders.

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