Leitartikel

„Generationen-Sünden“

Generationen-Sünden

Generationen-Sünden

Apenrade/Aabenraa
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Chefredakteur Gwyn Nissen thematisiert in seinem Leitartikel die starken Verunreinigungen am Strand von Himmark und im Allgemeinen die „Generationen-Verunreinigungen“.

Schöne Landschaften, tolle Strände und saubere Natur. Das ist Dänemark. Doch neun Stellen haben den Stempel „Generationen-Verunreinigung“ aufgedrückt bekommen, darunter der Strand Himmark auf Nordalsen. Dass dort von 1950 bis 1967 Industrieabfälle entsorgt wurden, war bekannt, doch die Verunreinigung ist viel schlimmer als erwartet.

Bei der „Generationen-Verunreinigung“ dreht es sich um neun Grundstücke, die in den 50er und 60er Jahren als Mülldeponien eingesetzt wurden. Neben Himmark sind das unter anderem zwei Gebiete in Grindsted (das Unternehmen Grindstedværket) und drei Bereiche bei Harboøre Tange (Cheminova).
Sicherlich wusste man auch schon damals, dass es sich um „giftiges Zeug“ handelte, aber weder Unternehmen noch Behörden hatten das Wissen von heute. Daher wurden Chemikalien und Öle mit der Erlaubnis des Staates dort deponiert, wo sie heute noch ihre Umgebung verunreinigen und gar die Gesundheit der Menschen gefährden. Am Himmark Strand wird schon heute vom Baden abgeraten, doch nach dem Fund von krebs erregenden Stoffen soll jetzt ein eigentliches Badeverbot über 600 Meter verseuchten Strand verhängt werden.

Im Gegensatz zu anderen verunreinigten Gebieten Dänemarks hat der „Sünder“ von damals, der Danfoss-Konzern, von Beginn an signalisiert, dass sich das Unternehmen an den Aufräumarbeiten beteiligen möchte – auch finanziell. Es ist der Clausen-Familie hoch anzurechnen, dass sie sich der Verantwortung stellt, obwohl sie darauf hätte verweisen können, dass das Unternehmen damals die Erlaubnis hatte, die giftigen Stoffe zu deponieren.
Doch nicht nur Danfoss sollte in die Taschen greifen. Auch der Staat ist gefragt.

Heute obliegt die Verantwortung für die Generationen-Verunreinigungen den Regionen. Die Region Süddänemark hat für die Entkontaminierung jährlich aber nur zwischen10 und 20 Millionen Kronen. Dabei reden Experten davon, dass allein für den Strand von Himmark Kosten im dreistelligen Millionenbereich entstehen werden.

Der Staat hat damals die Regeln und Gesetze gemacht, die es ermöglichten, Giftstoffe in der Erde und im Meer verschwinden zu lassen. Blöd nur, dass das Gift eben nicht verschwunden ist, sondern heute noch Probleme bereitet. Daher sollten Kommune, Region und Danfoss das nicht allein ausbaden müssen, sondern auch vom Folketing können wir Süddänen erwarten, dass der Staat für seine Generationen-Sünden geradesteht – und die notwendigen Milliarden zahlt.

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