Leitartikel

„Kredite für Stadt und Land“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Statt die Regeln für den Realkredit zu ändern, müssen die Politiker im Folketing dafür sorgen, dass es attraktiver wird, Darlehen im ländlichen Raum zu vergeben, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Entscheidet deine Postleitzahl in Zukunft, was du für deinen Immobilienkredit zahlen musst? Das kommt vielleicht noch so, weil die Branche in Dänemark gerade bemüht ist, neue Regeln einzuführen. Diese würden allerdings mit den bisherigen Prinzipien und dem historischen dänischen Realkredit-Modell brechen. In Dänemark ist es relativ einfach und günstig, ein Haus zu kaufen. Die Kosten für Darlehen bei den Realkreditinstituten gehören zu den billigsten in ganz Europa, und es ist außerdem von einem solidarischen System die Rede: Alle zahlen für den gleichen Kredit den gleichen Preis. Heißt so viel wie: Egal ob Arbeiter oder Millionär – bei gleichem Kredit sind die Kosten gleich.

In anderen Ländern kann der Kunde mit dem Kreditgeber feilschen. Wer ein Haus in bester Lage kauft und zudem ein wohlhabender und für die Banken verlustfreier Kunde ist, kann sich ein günstiges Darlehen sichern. Andere wiederum, die auf dem Lande wohnen oder finanziell auf wackeligen Beinen stehen, müssen einen Aufpreis zahlen. Aber nicht einmal „gute Kunden“ schaffen es im Ausland, billigere Darlehen zu bekommen, als es in Dänemark für alle möglich ist, zeigt eine Studie des Wirtschaftsprüferunternehmens Deloitte. Dieser Solidargedanke macht es daher bisher schwierig, die Regeln in Dänemark zu ändern.

Allerdings bedeuten die dänischen Regeln, dass es ländliche Räume gibt, in denen es überhaupt nicht möglich ist, einen der günstigen Hauskredite von den Realkreditinstituten zu bekommen. Weil niemand in der Branche das Risiko auf sich nehmen möchte.
Würden die Geldgeber dagegen einen Aufpreis nehmen dürfen, dann wäre es eine ganz andere Sache, so die Branche. Dann könnten auch alle Hausbesitzer auf dem Land ein Realkredit-Darlehen bekommen. Sie müssten nur mehr dafür zahlen wollen.
Dieses Angebot der Branche scheint allerdings nur als Lockmittel einer freieren Preisgestaltung zu dienen, die – wie die Studie von Deloitte zeigt, in anderen Ländern nicht besser funktioniert als in Dänemark und auch droht, für alle teurer zu werden.

Statt die Regeln für den Realkredit zu ändern, müssen die Politiker im Folketing dafür sorgen, dass es attraktiver wird, Darlehen im ländlichen Raum zu vergeben. Das geht zum Beispiel über Staatsgarantien, denn es kann nicht sein, dass die Realkreditunternehmen das Land in eine Erste- und Zweite-Klassen-Gesellschaft aufteilen – was sie heute in der Praxis tun und somit den Urbanisierungstrend vorantreiben. Die jetzige Kreditvergabe auf dem Lande ist unzureichend, und die geplanten Änderungen lösen das Problem auch nicht. Noch mal von vorn, bitte.

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