Leitartikel

„Lego mit Ente “

„Lego mit Ente “

„Lego mit Ente “

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
Apenrade/Aabenraa
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Der Lego-Boss zu Besuch in der Heimat: Es seien Spitzenleute wie Niels Bjørn Christiansen, die in diesen unruhigen Zeiten den Glauben an unsere Wirtschaftsordnung aufrechterhalten, meint Siegfried Matlok.

Es kommt wahrlich nicht so oft vor, dass bei einem Vortrag das gesamte Publikum zum Spielen aufgefordert wird: Im Versammlungshaus von Loit Kirkeby war dies am Montagabend der Fall, als der Chef von Lego, Niels Bjørn Christiansen, seinen früheren Heimatort besuchte und mit einem Vortrag bereicherte. Sozusagen ein Heimspiel, bei dem er sogar ehemalige Lehrer, alte Fußballkameraden und Schachgegner begrüßen konnte.

Er bat seine Zuhörer gleich am Anfang vor allem ums eines: um Kreativität. Jedem wurde ein kleiner Satz mit Lego-Klötzen ausgehändigt, verbunden mit der Bitte, daraus in 45 Sekunden eine Ente zu machen. Ein Blick auf den Nebenmann mit mehr oder weniger Erfolg.

Christiansens Auftritt war hingegen sehr erfolgreich. Wie der 52-Jährige in bescheidenen Worten seinen unglaublichen Karriere-Sprung von Loit in die große Welt beschrieb. Eine Laufbahn, die nach zehn geglückten Jahren in der Chefetage von Danfoss nun auch bei Lego hohe Gewinne abwirft.

Das Geheimnis von Lego – inzwischen mit dem zweitbesten Brand weltweit – steckt ja nicht nur in der Renaissance der einfachen Klötze und deren moderne, digitale Weiterentwicklung, sondern basiert im Kern darauf, die Kreatitivät bei jenen Kindern zu inspirieren und zu entwickeln, die die Zukunft bauen sollen.
Der Hintergrund ist nicht nur ein Geschäftsmodell: 60 Prozent der Arbeitsplätze von morgen sind heute völlig „unbekannt“, 90 Prozent der Lego-Kunden werden in wenigen Jahren außerhalb von Europa und Nordamerika leben, die Produktion von jährlich 100 Milliarden Klötzen – in Fabriken mit einer Länge von bis zwölf Kilometern – muss in diesen Jahren immer umweltverträglicher erfolgen; man denke nur an die aktuelle Plastik-Diskussion. All diesen Herausforderungen, nicht zuletzt in China mit rund 200 Millionen Kindern, wo Lego innerhalb weniger Jahre 100 eigene Filialen eröffnen wird, stellt sich das Unternehmen aus dem „Dorf“ Billund mit globaler Zuversicht.

Eine Zuversicht, die der ausgebildete Zivilingenieur Niels Bjørn Christiansen auch damit begründet, dass es sich bei Lego mit der Familie Kirk Kristiansen – ebenso wie zuvor bei Danfoss mit der Familie Clausen – um Traditionsfirmen im Familienbesitz handelt, die insgesamt die Handlungsfähigkeit und damit auch die Umstellungsbereitschaft deutlich erhöhen im Vergleich zu den immer stärker profitorientierten Aktien-und Holding-Unternehmen.

Gut, es war ein Heimspiel, aber es hat mehr beinhaltet als etwa Eigenwerbung für Person und Lego.
In einer Zeit, da die Gier mancher Unternehmen, Unternehmer und Direktoren erhebliche Zweifel an ihren moralischen Grundwerten aufkommen lässt, da viele nicht mal zu Unrecht mit dem Finger auf die „da oben zeigen“ und Skandale unglaublichen Ausmaßes die Finanzwirtschaft (aber auch unseren eigenen Staat!) in Misskredit bringen, da ist es mehr als Seelenmassage, wenn sich ein internationaler Spitzen-CEO wie Niels Bjørn Christiansen aus seinem Spielhäuschen herauswagt und den direkten Kontakt, die Nähe zu Menschen und Kunden sucht, die in einer globalisierten Welt neue Antworten suchen und verdienen.

Es sind Spitzenleute wie Niels Bjørn Christiansen, die in diesen unruhigen Zeiten den Glauben an unsere Wirtschaftsordnung aufrechterhalten.

Und der Journalist, der leider keine Ente fabrizieren konnte,fuhr nach zwei Stunden Vortrag und Diskussion dennoch ganz beruhigt nach Hause – ohne Zeitungsente!

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