Leitartikel

Liebe deine Politiker – und Medien

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Donald Trump bei einem seiner Medienstunts, hier mit den „Bikers for Trump“. Foto: Ritzau Scanpix/AP/Carolyn Kaster

Dänemark ist zum ideologisches Symbol im amerikanischen Wahlkampf geworden. Das Gute daran, meint Chefredakteur Gwyn Nissen: Man lernt seine Medien und Politiker in Dänemark lieben. Denn so tief wie Trump und „seine“ Medien sinke hier niemand.

Dänemark ist in den vergangenen Jahren einige Male in der amerikanischen Politik erwähnt worden. Vor allem Bernie Sanders machte 2015 Schlagzeilen, als er im Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur die nordischen Länder hervorhob und in einer TV-Diskussion mit Hillary Clinton sagte: „Wir sollten auf Länder wie Dänemark, Schweden und Norwegen schauen und daraus lernen, was sie für ihre arbeitende Bevölkerung erreicht haben.“

Do it like Denmark wurde das Mantra der Sanders-Anhänger, doch die Republikaner konterten: Für sie ist Dänemark schlichtweg ein sozialistisches Land – ja, für einige Amerikaner kommt Dänemark gar kommunistisch rüber. Für amerikanische Verhältnisse sind wir „uhyggelig“.

Freitag bekam Dänemark schließlich zu spüren, wie die politische Medienlandschaft in den Staaten funktioniert, und erlebte selbst den Trump‘schen Alltag. Obwohl die dänische Bevölkerung vom amerikanischen Präsidenten und seiner (Medien-)Gefolgschaft so einiges gewohnt ist, war es dennoch schockierend zu hören, wie die amerikanische Fernsehmoderatorin Trish Regan im meistgesehenen Wirtschaftssender Fox Business Network Dänemark mit Venezuela verglich und mit einer Reihe von unwahren Behauptungen abservierte (Dänen machen ihre Ausbildung nicht fertig, wollen nicht arbeiten ...). In bester Trump-Manier ruderte sie einige Tage später (nach heftiger dänischer Kritik von Finanzminister Kristian Jensen und Botschafter Lars Gert Lose) zurück: „So war das nicht gemeint ... “ Aber die Fakten rückte sie nicht zurecht.

USA-Experte und Chefredakteur Anders Agner Petersen vom Medium „Kongressen“ erklärt gegenüber dem Fernsehsender DR, dass Dänemark „ein ideologisches Symbol im amerikanischen Wahlkampf geworden ist“. Außerdem müssten die Dänen verstehen, dass die amerikanische Medienlandschaft eine andere sei als in Dänemark: „Fox News ist ein politisches Instrument.“

Vielleicht ist aus solchen Fake News doch noch etwas Positives zu gewinnen: nämlich, dass man in Dänemark seine Medien und Politiker im Land lieben lernt. Denn so tief wie Donald Trump und „seine“ Medien sinkt in Dänemark wahrhaftig niemand.

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