Leitartikel

„Lieber einen Arzt als keinen“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Wenn der Wille, sich verständlich zu machen, beim Arzt vorhanden ist und beim Patienten gleichzeitig der Wille da ist, verstehen zu wollen, können die meisten Sprachbarrieren überwunden werden, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Was hat er noch gesagt? Hvad siger hun? What did he say? Die Sprachbarriere zwischen ausländischen Ärzten und Patienten ist eine immer wiederkehrende Problematik – nicht nur in Dänemark, sondern auch in Deutschland, Großbritannien, Kanada und anderswo auf der Welt. Durch die sprachlichen Missverständnisse entstehen manchmal Fehler und in einigen Fällen ist es sogar eine Frage von Leben und Tod.

Die Anzahl der ausländischen Ärzte an dänischen Krankenhäusern ist laut Danmarks Radio steigend: von 2010 bis 2015 ist die Zahl von 156 auf 1.509 geklettert. An mehreren Krankenhäusern – unter anderem in Sonderburg und Apenrade – gibt es Abteilungen, die mehrheitlich von ausländischen Ärzten besetzt sind, so DR.

Die Chefärztin an der Uni-Klinik in Aarhus, Else Marie Damsgaard, macht sich Sorgen und stuft die Situation als „gefährlich“ ein. Wenn der Arzt die Symptome eines Patienten nicht versteht, kann es ganz schön schiefgehen.
Noch gefährlicher wäre es allerdings, wenn die ausländischen Ärzte nicht in unseren Krankenhäusern wären. Dann würden uns nämlich 1.500 Ärzte fehlen. Denn auch das steht fest: Ohne ausländische Ärzte kommt das dänische Gesundheitssystem gar nicht klar. Also lieber einen Arzt, als gar keinen.

Mit Smartphone, Zeichnungen und Hilfe von Kollegen und Mitarbeitern, können Missverständnisse minimiert werden, und Krankenhäuser könnten auch eigene Dolmetscher für Notfälle haben – schließlich haben nicht nur die Ärzte, sondern auch einige Patienten sprachliche Herausforderungen.

Wenn der Wille, sich verständlich zu machen, beim Arzt vorhanden ist und beim Patienten gleichzeitig der Wille da ist, verstehen zu wollen, können die meisten Sprachbarrieren überwunden werden. Dennoch: Die sprachlichen Anforderungen an die Ärzte sollte man nicht lockern.

Es geht aber nicht nur um sprachliche und fachliche Kompetenzen. Es dreht sich auch darum, wie gut – dänische und ausländische – Ärzte mit ihren Patienten kommunizieren und die richtigen Fragen stellen, um eben auch die korrekte Diagnose zu stellen.

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