Leitartikel

„Rückschlag – nein, danke“

Rückschlag – nein, danke

Rückschlag – nein, danke

Nordschleswig/Sønderjylland
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Gehen wir zu leichtsinnig mit dem Coronavirus um? Chefredakteur Gwyn Nissen scheint es so. Er warnt vor Rückschlägen.

Die Sonne scheint, draußen ist es schön und alle genießen den Sommer, als wäre nichts. Als wäre die Corona-Krise bereits hinter uns und in Dänemark alle wieder zum normalem Leben zurückkehren könnten, denn auch die Zahlen zeigen alle in die richtige Richtung: Weniger Infizierte und täglich weniger oder gar keine Tote. Alles gut? Nicht ganz.

Denn die Nachrichten der vergangenen Tage machen deutlich, dass das Coronavirus keinesfalls verschwunden ist und immer noch unseren Alltag prägt – beziehungsweise prägen müsste. Im Kreis Gütersloh gab es einen Rückschlag nach der Ausbreitung des Virus in Europas größter Schlachterei und in Schweden ist nach dem Treffen eines Kirchenchors eine ganze Insel lahmgelegt worden.

Das Coronavirus ist allgegenwärtig und doch unsichtbar. Gerade das macht das Virus so gefährlich und die Rückschläge scheinen mit jeder weiteren Normalisierung fast unumgänglich. Auch in Dänemark, wo zwei Schulklassen nach einem Fußballspiel in die Heimisolation geschickt worden sind oder in Hjørring, wo die Anzahl von Infizierten gerade wächst, unter anderem weil es in einem Pflegeheim zu 24 Coronafällen unter Bewohnern und Personal gekommen ist.

Es gibt also immer noch jede Menge Gründe aufzupassen, Abstand zu halten, die Hygienevorschriften zu befolgen, bei Krankheit zu Hause zu bleiben, in die Armbeuge zu niesen und so weiter – wir kennen die Ratschläge, doch sie sind schnell in Vergessenheit geraten.

Vielleicht sollte Dänemark wie Deutschland doch noch zum Mundschutz greifen. Zwar wird darüber diskutiert, wie effektiv die Mundbinde ist, was aber definitiv funktioniert, ist der psychologische Effekt. In Deutschland werden die Bürger immer noch täglich durch das Tragen des Mundschutzes ermahnt, dass die Gefahr nicht gebannt ist.

Beim Einkaufen in Dänemark ist der Abstand geringer geworden und die Menschen unvorsichtiger. Jetzt geht es in den Urlaub vielleicht auch an den Strand nach Kroatien oder in die Touristenstädte im Süden. Schön. Aber eine zweite Welle scheint damit fast schon vorprogrammiert, muss es aber nicht, wenn wir uns an die Corona-Devise der ersten Tage denken: Wir stehen zusammen, indem wir Abstand halten.

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