Leitartikel

„Sind alle guten Dinge drei?“

Sind alle guten Dinge drei?

Sind alle guten Dinge drei?

Apenrade/Aabenraa
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Lars Løkke Rasmussen gibt nicht auf und möchte ein weiteres Mal Staatsminister von Dänemark werden. Damit löst er in „seiner" Partei weitere Unruhen und Machtkämpfe aus, meint Gwyn Nissen.

Zweimal hat er sich als Regierungschef an die Spitze des Landes gestellt. Nun will Lars Løkke Rasmussen einen dritten Anlauf machen. Nur zwei Monate nach der verlorenen Folketingswahl zeigt sich der Vorsitzende der Partei Venstre also kämpferisch. Doch die Frage ist, ob er mit dieser Ansage seiner Partei einen Gefallen getan hat.

Intern zumindest ist Løkkes Kampfansage umstritten. Seine Gegner sehnen sich nach einem Wechsel an der Spitze der Partei. Doch mit seinen 55 Jahren ist Løkke noch lange nicht fertig in der Politik, und außerdem haben nicht er und Venstre die Folketingswahl verloren, sondern die beiden Bündnispartner, die Liberale Allianz und die Dänische Volkspartei. Løkke machte dagegen eine gute Figur, und somit haben seine Gegner ein Argument weniger, ihn vom Thron zu stürzen.


Auf der anderen Seite war Løkke im Wahlkampf Fürsprecher einer Regierung bestehend aus Venstre und den Sozialdemokraten. Das sehen viele bürgerliche Wähler (und Venstre-Mitglieder) heute noch als Verrat und ein weiteres Zeichen dafür, dass Rasmussen zu sehr an der Macht klebe.

Løkkes Videobotschaft über die sozialen Plattformen, dass er ein weiteres Mal nach dem Staatsministerposten greift, ist gleichzeitig eine Ansage an seinen designierten Nachfolger Kristian Jensen, dass der sich noch eine Weile gedulden muss. Dabei hatte Jensen bereits 2014 die Möglichkeit, Løkke zu stürzen. Doch in einer dramatischen Nacht behielt Løkke die Zügel in der Hand. Kristian Jensen wurde eine „mehr markante“ Rolle als zweiter Vorsitzender eingeräumt, doch in Wirklichkeit hat Lars Løkke Rasmussen seinen Kontrahenten aufs Abstellgleis manövriert.


Im Mai sagte Løkke zwar zum politischen Netzmedium Altinget.dk, dass Jensen „völlig fähig“ sei, um „zu gegebener Zeit“ nach ihm den Posten als Vorsitzenden zu übernehmen. Aber genau diese „gegebene Zeit“ ist gerade von Lars Løkke Rasmussen um weitere Jahre verlängert worden.

Løkke Rasmussen sitzt derweil fest im Sattel und bestimmt, wann er die Zügel loslässt. Doch damit löst er bei Venstre keine Ruhe aus – im Gegenteil. Die Flügelkämpfe werden zunehmen, da er den Jensen-Gegnern nun Zeit gegeben hat, sich neu zu formieren und „zur gegebenen Zeit“ einen Gegenkandidaten – zum Beispiel Jakob Elleman-Jensen – gegen Kristian Jensen bereitzuhaben. Løkke regiert weiter – zumindest in „seiner“ Partei.

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