Leitartikel

„Venstre-Wellen II“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Die Thronfolge bei Venstre war das bestimmende Thema auf dem jüngsten Parteitag. Neben Kristian Jensen meldet nun auch Inger Støjberg leise Ambitionen an. Doch am Ende könnte vielleicht auch Løkke mit einem Wahlsieg im Sattel bleiben. So sicher, scheint die Thronfolge bei Venstre nicht zu sein, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Das war das einzige, was Regierungschef Lars Løkke Rasmussen nicht brauchte: Eine Diskussion über seine Nachfolge hat am Wochenende den Parteitag seiner Partei Venstre überschattet. Dabei will Løkke noch gar nicht weg – er möchte die nächste Wahl gewinnen.

Die starke Frau von Venstre, Integrationsministerin Inger Støjberg, hatte die Diskussion entfacht, als sie im Vorfeld des Parteitags sich eben nicht hinter den zweiten Vorsitzenden Kristian Jensen stellte, sondern mit vorsichtigen und ausgefeilten Aussagen die eigene Kandidatur als Möglichkeit präsentierte: Als Vorsitzender von Venstre müsse man „Können, Lust und Willen“ mitbringen, sagte sie. Selbst habe sie den Willen – ob sie Lust und Können habe, wisse sie (noch) nicht. Eines wies sie allerdings entschieden zurück: an einem Vize-Posten sei sie nicht interessiert. Wenn also, dann nur an die Spitze.

Bei den Wählern kommt Inger Støjberg gut rüber. Sie ist markant und deutlich in ihrer Kommunikation und wird immer wieder bei Umfragen in den Top 5 als glaubwürdig und beliebt eingestuft. Durch ihre überlegte Aktion testet Inger Støjberg ihre Möglichkeiten als neue Vorsitzende, doch ihr erster Versuch scheiterte: Die Venstre-Basis möchte Ruhe vor der Wahl (wahrscheinlich im Frühjahr) und schickte ein klares Signal, als der designierte Nachfolger von Løkke, Kristian Jensen, mit lang anhaltendem Beifall belohnt wurde.

Das war ein klares Zeichen an Støjberg, dass ihr Timing einfach schlecht war. Venstre steht bei der nächsten Folketingswahl vor dem Regierungs-Aus und nur ein starkes Auftreten von Løkke Rasmussen und Co. kann die Regierung noch retten. Durch eine erneute Diskussion über die Kronprinzfolge hätte Venstre stattdessen Uneinigkeit gezeigt.

Doch dazu kam es nicht: Kristian Jensen ist und bleibt Kronprinz. Was passiert, wenn Løkke doch die Wahl gewinnt und weiterhin Staatsminister bleibt, darauf hatte Løkke-Stütze, Verteidigungsminister Claus Hjort-Frederksen, auch eine Antwort: Jensen könnte als politischer Prince Charles enden, der „nie“ auf den Thron kommt, weil Løkke sitzen bleibt. So sicher scheint die Thronfolge bei Venstre also doch nicht zu sein.

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